Die Wikinger - Berlin

Wilde Kerle, ganz zahm

Ekstase und Kultur: Auch dem Töten gewannen die Nordmänner noch eine ästhetische Seite ab.

Um sich vor Kämpfen in einen ekstatischen Zustand zu versetzen, der mordlustig und schmerzresistent machte, gingen die Wikinger äußerst rabiat vor.

Sie brüllten, was die Stimmbänder hergaben, peitschten sich blutig und bissen in ihre Schilde, bis das große Zittern begann, der Kopf errötete und anschwoll. Krieger in diesem Zustand wurden Berserker genannt und entsprechen noch am ehesten dem heutigen Klischee von wilden, unzivilisierten Nordmännern.

Dass aber nicht nur wilde Kerle aus dem hohen Norden Europas stammen, sondern auch Händler und Siedler, die zwischen 800 und 1050 auf einem hohen kulturellen Level lebten, zeigt jetzt die Ausstellung "Die Wikinger" des museums für vor und frühgeschichte im Martin-Gropius-Bau mit Funden aus Kriegergräbern, aus den Ruhestätten nobler Frauen und Zeugnissen der Besiedelung. Die Ausstellung wurde zuvor in Kopenhagen und London gezeigt.

Ekstatische "Schildbeißer" verkörpern Figuren in einem Schachspiel, ein Unbekannter hatte die zierlichen Männer mit dem grimmigem Blick und kampfbereit gezücktem Schwert im 12. Jahrhundert aus einem Walrosszahn geschnitzt. Auch dem Töten gewannen die Nordmänner noch eine ästhetische Seite ab: Eine Streitaxt ist über und über mit kunstvollen, ineinander verschlungenen, filigranen Silberintarsien bedeckt. Ähnliche Ornamente dekorieren auch das Wikingergold von Hiddensee, ein Ensemble aus Scheibenfibel, Halsring und Anhänger aus dem 10. Jahrhundert nach Christus. Auffälligstes Ausstellungsobjekt ist das 37 Meter lange Wrack eines Kriegsschiffs, das 1997 im Hafen des dänischen Roskilde gefunden wurde und jetzt erstmals öffentlich präsentiert wird.

Die Wikinger

Berlin, Martin-Gropius-Bau,
bis 04.01.2015

http://wikinger.smb.museum/home.html

Mehr zum Thema auf art-magazin.de