Gib mir fünf! - Tipps der Woche

Die fünf Tipps der Woche

Jede Woche stellen wir Ihnen Kunst-Höhepunkte vor, die Sie sich nicht entgehen lassen sollten. Die art-Redakteurinnen Petra Bosetti und Angelika Kindermann empfehlen diese Woche unter anderem junge polnische Künstler, eine chaotische Party und ländliches Kulturgut.

Frankfurt: László Moholy-Nagy und das Bauhaus

Der ungarische Künstler László Moholy-Nagy (1895 bis 1946) gilt als einer der kreativsten Köpfe am Weimarer und Dessauer Bauhaus. Im Rahmen der Ausstellung "László Moholy-Nagy – Retrospektive" zeigt die Schirn Kunsthalle Frankfurt/Main am Freitag, 20. November, 19 Uhr, den Dokumentarfilm "Das permanente Experiment – László Moholy-Nagy und das Bauhaus" von Jens Schmohl (Pro7-Wissenschaftsmagazin "Galileo").

Im Werk von Moholy-Nagy stehen Malerei und Film, Fotografie und Skulptur, Bühnenbildentwurf, Zeichnung und Fotogramm gleichwertig nebeneinander. Sie werden abwechselnd eingesetzt, variiert und als Teile eines universellen Gesamtkonzepts wieder aufgegriffen. Die Retrospektive der Schirn präsentiert anhand von etwa 170 Werken – Gemälden, Fotografien und Fotogrammen, Skulpturen und Filmen sowie Bühnenbildentwürfen und Typografien – alle Werkphasen des Bauhausmeisters.

Köln: "Cologne Contemporary"

An diesem Wochenende weht ein frischer Wind durch Kölns Kunstszene. Neun junge Kölner Galerien und ein Projektraum laden zur "Cologne Contemporary": Sebastian Brandl, Clages, DREI Raum für Gegenwartskunst, Galerie Julia Garnatz, Galerie Christian Lethert, Marion Scharmann, Schmidt & Handrup, Teapot, Galerie Eva Winkeler und Projects in Art & Theory. Vom 20. Bis 22. November finden Eröffnungen, Galerierundgänge, Künstlergespräche, Performances und Partys statt. Mit Stills, Scotland's centre for photography aus Edinburgh, ist ein externer Ausstellungsraum in Köln zu Gast.

Hamburg: "Friendly Capitalism Lounge"

Ein "wilder Mix aus bildenden Künstlern, Musikern und DJs", so beschrieb die TAZ die Partys des Künstlers Jim Avignon, die dieser inzwischen schon ein Dutzend Mal unter dem Titel "Friendly Capitalism Lounge" veranstaltet hat. Nach mehreren Ausgaben der "Friendly Capitalism Lounge" in Berlin sowie einem Gastspiel beim Goethe-Institut Athen und dem Schweizer Fumeto-Festival, führt es Avignon und und Mit-Organisator Fehmi Baumbach nun am 19. November ab 19 Uhr nach Hamburg in die Galerie "heliumcowboy artspace" (Hachmannplatz 2). Erneut werden dann Halbberühmtheiten aus Kunst und Musik auf obskure Gäste aus aller Welt treffen. Am 19. November sind in Hamburg – neben den Veranstaltern Jim Avignon und Fehmi Baumach – geladen: Jon Burgerman, Guillaumit, Jule K., Eleanor Marston, Roman Klonek, Jojo Ensslin, Dasha Rychkova, Françoise Cactus, Frau Kraushaar, Christian von Werner, James Din A4 und Kate Hate (GB). Die beiden Veranstalter empfehlen: "Runter mit den Sparstrümpfen und rein in die Recession Fashion – die 'Friendly Capitalism Lounge' feiert das Ende des Kapitalismus, wie wir ihn kannten."

Berlin: Daniel-Chodowiecki-Preis

Er war zum Teil Pole, zum Teil Franzose, wurde 1726 in Danzig geboren und feierte vor allem in Berlin große Erfolge: Der Grafiker und Zeichner Daniel Chodowiecki, viele Jahre Direktor der Berliner Akademie der Künste, setzte sich zeitlebens mit den Traditionen und Kulturen mehrerer Nationen auseinander. Ein früher aufgeklärter "Multikulti" und somit auch der ideale Patron und Namensgeber für eine vom Schriftsteller Günter Grass (1927 ebenfalls in Danzig geboren) gegründete Stiftung, deren Ziele es ist, die Zusammenarbeit zwischen deutschen und polnischen Künstlern zu fördern. Siebenmal schon hat die Stiftung an junge polnische Zeichner und Grafiker den Daniel-Chodowiecki-Preis vergeben. In der Berliner Akademie der Künste wird am Sonntag nun eine Ausstellung eröffnet, die nicht nur Arbeiten der Preisträger, sondern auch weitere ausgezeichnete Wettbewerbsbeiträge präsentiert: eine hervorragende Gelegenheit, die jüngste Riege polnischer Grafiker und Zeichner kennen zu lernen.

Neuenkirchen: "Schnucken, Elefanten und andere Geschenke"

Zur Vernissage am Samstag, 21. November, 17 Uhr, gibt es im Kunstverein Springhornhof in Neuenkirchen in der Lüneburger Heide "friesischen Käse, fränkische Wurst und einheimisches Bier", und das aus gutem Grund: Denn die zu eröffnende Ausstellung "Schnucken, Elefanten und andere Geschenke" ist entstanden aus einem "wachsenden Netzwerk von Dörfern". Organisiert hat sie myvillages.org, eine internationale Künstlerinitiative, gegründet 2003 von Kathrin Böhm, Wapke Feenstra und Antje Schiffers, deren Interesse ländlichen Räumen als Ort kultureller Produktion gilt. Alle drei Künstlerinnen, die selber aus kleinen Dörfern stammen, thematisieren in ihren Arbeiten ländliche Umgebungen. Sie reflektieren über das Verhältnis von Stadt und Land, über das soziale Leben, lokale Produktion und die Natur.
 Sie reisen, suchen sich Mitstreiter vor Ort, bauen Netzwerke auf, setzen Austauschprozesse in Gang und stellen Wechselbeziehungen her. Um dies zu erreichen, werden beide Dörfer in ein bestehendes "myvillages"-Projekt eingebunden: den "International Village Shop", ein internationaler Dorfladen. Im Warenangebot befinden sich unter anderem Froschfußabdrucklöffel aus Höfen in Oberfranken, Miniaturhäuser aus dem englischen Lake District, Leinölkühltürme aus Boxberg in der Oberlausitz und Pferdemilchprodukte aus Wjelsryp in Friesland. Der internationale Dorfladen ist eine Kooperation mit Grizedale Arts und public works (Großbritannien). Die Ausstellung ist bis zum 20. Dezember zu sehen.