Beutekunst - Washington

Hitlers geraubte Meisterwerke

In den USA sind zwei in Leder gebundene Fotoalben aufgetaucht, die den Raub von französischen Kunstschätzen unter der Nazi-Herrschaft dokumentieren
Spektakulärer Fund:Fotoalben mit Hitlers Beutekunst aufgetaucht

Die geraubten Kunstschätze aus Frankreich wurden von den Nazis sorgfältig dokumentiert

Die Entdeckung der beiden Fotobände sei einer der wichtigsten Funde zur NS-Beutekunst seit den Nürnberger Prozessen, sagte der amerikanische Chef-Archivar Allen Weinstein. Ein US-Soldat, der gegen Ende des Zweiten Weltkrieges in Berchtesgarden stationiert war, hatte die penibel geführten Kataloge auf Adolf Hitlers Berghof am Obersalzberg gefunden und eingesteckt. Die Alben wurden vom "Einsatzstab Reichsleiter Rosenberg" zusammengestellt, der ab Ende 1940 in Paris ansässigen Abteilung, die für Hitlers gross angelegten Kunstraub verantwortlich war. Die Erben des Soldaten verkauften die Bücher nun an den texanischen Öl-Millionär Robert Edsel.

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Nach der Kapitulation Frankreichs hatte Adolf Hitler am 30. Juni 1940 den Befehl gegeben, Kunstwerke des französischen Staates und von Privatpersonen zu konfiszieren. Unzählige Kunstschätze befanden sich damals in den Sammlungen jüdischer Familien, wie der Rothschilds und der Bernheim-Jeunes, der Familien Levy de Benzion, Alphonse Kann, David Weill, Georges Wildenstein und Paul Rosenberg. Mit den erbeuteten Werken wollte Hitler das Führer-Museum in Linz, das einst das größte Museum der Welt werden sollte, bestücken. Allein in Frankreich wurden über 20 000 Objekte von Hitlers Kunsträubern abtransportiert, in ganz Europa waren es Hunderttausende.

Insgesamt sollen rund 100 Kunstraub-Kataloge existieren, im US-Nationalarchiv in Washington stehen bereits 39 Alben, die nach dem Krieg in Neuschwanstein entdeckt wurden. Während der Nürnberger Prozesse dienten sie als wichtiges Beweismaterial, um den gross angelegten Kunstraub der Nazis in Europa und Russland zu belegen.