Gib mir fünf! - Die Tipps der Woche

Die fünf Tipps der Woche

Unsere Serie "Gib mir fünf!" präsentiert Ihnen jede Woche fünf Kunst-Höhepunkte, die Sie sich nicht entgehen lassen sollten. art-Autoren Leonard Seyfarth und Leonie Radine empfehlen diese Woche Kurt Cobains Asche, die Kunst des Prager Frühlings und mindestens zwei Gründe für den Ausspruch "Stille Wässer sind tief".

Frankfurt: Peter Doig Retrospektive

Eine beunruhigende Stille beherrscht dieser Tage die Atmosphäre in den Räumlichkeiten der Schirn Kunsthalle in Frankfurt. Die zwischen Figuration und Abstraktion oszillierenden Gemälde und Zeichnungen des heute in Trinidad lebenden Kosmopoliten Peter Doig besitzen eine rätselhafte Anziehungskraft. Dem mittlerweile zu den teuersten lebenden Malern Europas zählenden Künstler sei es, so Museumsdirektor Hollein, zu verdanken, dass das Atmosphärische wieder Einzug in die Malerei gefunden hat. Verschleierte Gestalten gepaart mit geheimnisvollen Szenerien, die einem wie im Traum erscheinen und darüber hinaus 130 Filmplakate des Künstlers sind bis zum 4. Januar aufzuspüren. Darüber hinaus finden bis zum 26. November jeden Mittwochabend um 19 Uhr Filmvorführungen aus Doigs karibischen "Studiofilmclub" statt.

Berlin: "I just wanted you to love me"

Was haben Brian Jones, Jimi Hendrix, Jim Morrison und Kurt Cobain gemeinsam? Sie gehörten nicht nur zu den größten Rockstars ihrer Zeit. Sie kamen auch unter mysteriösen Umständen ums Leben – im Alter von 27 Jahren. Natascha Stellmach ließ sich von diesem Mythos inspirieren – genauer gesagt von dem, was von Kurt Cobains Körper heute noch übrig ist. "Set me free" schreibt sie in die auf einem Scanner liegende Asche des Nirvana-Sängers. Außerdem arrangiert sie ein halluzinogenes Aufeinandertreffen von Kurt Cobain, Adolf Hitler, Diane Arbus und den Gebrüdern Grimm. Zu der Gruppenausstellung in der Berliner Galerie Wagner + Partner gehören auch Peter Drehers Totenschädel, die einen dicht an dicht auf meterlangen Papierbahnen angrinsen. Ein Geburtstagslied wird der Internetplage Spam gewidmet, die weiterhin alle erreichbaren E-mail-Postkästen infiziert, obwohl Spam dieses Jahr schon 30 wird. „SPAM the musical“, dessen Schöpfer so anonym sind wie die unwillkommene Post, ist eine Videoserie, in der die Spam-Versprechungen gesungen und getanzt werden. Zum Finale der Ausstellung am 11. November ist dann Schluss mit der Cobain-Psychose: Als erlösendes Ritual soll ein Joint aus Cobains Asche und Haschisch geraucht werden – und die bösen Geister des Todes verdampfen ins Nichts.

Augsburg: „Ästhetische Komplexe“

Der Kunstverein Augsburg feiert sein 175-jähriges Jubiläum mit einer Skulpturenausstellung. Es geht um das städtische Spannungsfeld zwischen Renaissance und Moderne. "Ästhetische Komplexe" bringt fünf Künstler, die alle in Deutschland leben und international ausgestellt haben, in der antikisierten Architektur der Toskanischen Säulenhalle zusammen. Manfred Pernices verspielte Konstruktion aus Spanholzplatten, Papier und Metallen trifft auf die reduzierten, rechtwinkligen Metallplatten von Josef Dabernig. Silke Schatz, Rita McBride und Gerold Tagwerker installieren Räume im Gewölbe des großen Saals. Das kann ein Glaskubus sein, ein durch Bauzäune begrenztes Areal, oder ineinander verschachtelte Plexiglasscheiben. Chaos und System, freie Formen und klare Linien - die Ausstellung, die bis zum 2. November zu sehen ist, spielt mit der Uridee von Architektur: Raum entwerfen und dadurch Raum gestalten.

Wien: Franz Goëss – 40 Jahre Prager Frühling

Der Prager Frühling gegen die Warschauer Fünf: Die Liberalisierungsbewegung in Tschechien und ihre gewaltsame Niederschlagung am 21. August 1968 in Prag durch die Militärtruppen Polens, Bulgariens, Ungarns und der Sowjetunion waren von welthistorischer Bedeutung. Franz Goëss war als Korrespondent der französischen Illustrierten "Paris Match" im Jahr 1968 in Prag und Bratislava. 106 seiner Fotografien dokumentieren die Entwicklung bis zum militärischen Eingreifen des Warschauer Pakts. Alexander Dubcek wird in Prag von den Menschenmassen bejubelt, als er seine Vision des "Sozialismus mit menschlichem Antlitz" ausruft. Sowjetische Panzerkolonnen rollen ins Zentrum von Bratislava ein und besetzen den Platz vor dem Prager Rathaus.
"Er ist mir mit der MP nachgerannt. Ich bin ins Hotel geflüchtet. So habe ich die Russen empfangen", berichtet Franz Goëss. Neben Euphorie und Gewalt hat Goëss auch Plakate als Zeitdokumente festgehalten: Lenin vergießt bittere Tränen über einen russischen Panzer, der sein politisches Erbe überrollt. Bis zum 19. Oktober im Westlicht Schauplatz für Fotografie.

München: Doppelausstellung "Das Leben der Dinge" und "Stilles Leben"

Wer bei der Gattungsbezeichnung Stillleben nur müde abwinkt, sollte sich von der aktuellen Doppelausstellung im Münchener Stadtmuseum eines Besseren belehren lassen. So reizvoll können die sorgfältigen Detailstudien sein, wenn sie Einzug in die Fotografie erhalten. Eine Auswahl von 60 + 150 Werken aus 100 Jahren Stilllebenfotografie enthüllt die verborgene Schönheit der „Nature morte“ und liefert unendlich viele Inspirationsquellen. Die fotografischen Darstellungsweisen sind so vielfältig wie die abgebildeten Gegenstände selbst, von piktoralen Einflüssen bis hin zur abstrakten Auflösung wurden die Grenzen der Stilllebenfotografie über die Jahre stetig erweitert. Klassische Sujets wechseln sich ab mit surrealen Kompositionen. Gezeigt werden vom 10. Oktober bis zum 1. Februar u.a. Arbeiten von Berenice Abbott, Eugène Atget, Man Ray, Joachim Brohm, Robert Häusser, Lotte Jacobi, Peter Keetman, Herbert List, Floris M. Neusüss, Thomas Ruff, Otto Steinert, Walker Evans, Hans Bellmer, Madame d`Ora bis hin zu David Hockney, Les Krims und Jürgen Klauke u.v.m..