Gib mir Fünf! - Tipps der Woche

Die fünf Tipps der Woche

Jede Woche stellen wir Kunst-Höhepunkte vor, die Sie nicht verpassen dürfen. Diesmal: Animationen, Gummibänder und Einschusslöcher

Jena: "Don´t kill the weather man!"

Es sind die von ihr verwendeten poetischen Animationen, die die Filme der amerikanischen Videokünstlerin Martha Colburn von aktuellen Hightech-Produktionen unterscheiden. Aus gemalten Bildern schneidet sie Collagen und bewegt die einzelnen Segmente in Stop-Motion-Technik vor einem für den jeweiligen Film eingerichteten Hintergrund.

Die 1971 in Pennsylvania geborene Künstlerin schreckt nicht vor brisanten Themen zurück, die sie mit originären filmischen Techniken in eine provokante Bildsprache überträgt. So setzt sie sich in ihren neusten Filmen kritisch mit der amerikanischen Identität und deren Beziehung zur aktuellen Politik auseinander. Auch die Frage nach der Beziehung des Einzelnen zu seinem Existenzraum spielt eine wesentliche Rolle in Colburns Werken. Die Ausstellung "Don´t kill the weather man!" in der Kunstsammlung Jena zeigt 26 Filme sowie 16 Collagen der Künstlerin.

4. Dezember 2010 bis 27. Februar 2011 in der Kunstsammlung

Braunschweig: "Against Interpretation"

Fern des gewohnten linearen Wegs wird der Besucher mittels Filmfragmenten durch das Erdgeschoss des Braunschweiger Kunstvereins geführt. Es ist die Filmarbeit "Lost Memory (Postcatastrophic Story)" des slowakischen Künstlers Ján Mančuška, deren Wahrnehmung stark durch die individuelle Entscheidung des Betrachters, wie er sich im Raum verhält, geprägt wird. Ähnlich verhält es sich mit der Arbeit "While I walked", bei der Mančuška ein auf Augenhöhe mit Wörtern bedrucktes Gummiband von Wand zu Wand spannt, so dass der Raum beim Lesen durchschritten wird. Nicht nur die Bewegung des Besuchers bezieht der Künstler choreografisch in die Ausstellung "Against Interpretation" mit ein, auch die Arcihtektur des Kunstvereins wird beachtet. Dadurch gelingt Mančuška eine Neuordnung des Raumes, wobei die einzelnen Installationen Bezug aufeinander nehmen.

4. Dezember 2010 bis 30. Januar 2011 im Kunstverein

Hamburg: "Hiscox Kunstpreis 2010"

Zum dritten Mal wird der in Höhe von 7500 Euro dotierte Hiscox Kunstpreis von dem Spezialversicherer Hiscox in Kooperation mit der Hochschule für Bildende Künste Hamburg (HFBK) verliehen. Für die Vorauswahl haben HFBK-Professoren der Bereiche Malerei/Zeichnen, Bildhauerei und zeitbezogene Medien zwölf herausragende Studierende vorgeschlagen. Diese stellten sich einer externen Jury – darunter Martin Köttering (Präsident der HFBK Hamburg), Dr. Dirk Luckow (Intendant der Deichtorhallen Hamburg), Claus Mewes (Direktor, Kunsthaus Hamburg), Robert Read (Kunstexperte von Hiscox, London) und Ralf Schlüter (stellv. Chefredakteur art-Magazin) – die über die Vergabe des Preises entschieden hat. Gewonnen haben Lars Hinrichs und Philindo Ambun-Suri. Alle Arbeiten sind vom 2. bis 5. Dezember 2010 in einer öffentlichen Ausstellung im Kunsthaus zu sehen.

2. bis 5. Dezember 2010 im Kunsthaus

Kassel: "Frontera"

Mit einem bedrückenden Gefühl betritt der Besucher die Ausstellung "Frontera" (Grenze) in der Kasseler Kunsthalle Fridericianum. Zwei mannshohe Betonmauern, die Einschusslöcher aufweisen, teilen den Raum. Ein tröpfelndes Geräusch ist wahrnehmbar: Leichenwasser aus einem mexikanischen Obduktionssaal, das auf eine heiße Stahlplatte tropft. In Vitrinen liegen Wertsachen wie Uhren, Ketten und Armbänder drapiert, die von Opfern krimineller Gewalt stammen. In ihren Arbeiten reflektiert die Künstlerin Teresa Margolles die beängstigenden Auswirkungen des Drogenkrieges auf ihre Heimat Mexikostadt und setzt sich mit tabuisierten Themen wie Tod und Gewalt auseinander. Der Ausstellungstitel ist eine Anspielung auf die Grenze dessen, was eine Stadt ertragen kann. Mit ihren Arbeiten kämpft die Künstlerin gegen das Vergessen der zu Lebzeiten überhörten Menschen an und verleiht ihnen auf diese Weise eine Stimme.

4. Dezember 2010 bis 20. Februar 2011 in der Kunsthalle Fridericianum

Dresden: "Verstoß"

Jahrestafeln, Wanderwegzeichen oder Vermessungsmarken – einfache Zeichen aus dem Bereich des Forst- und Montanwesens, die der Künstler Andreas Hildebrandt auf den Leinwänden mit einem breiten Spektrum malerischer Mittel variiert. Dem Maler und Grafiker gelingt es, das Medium der Zeichnung mit der Dynamik der Malerei aufzuladen. Auch seine Experimentierfreude mit dem Zeichenstift kommt zum Vorschein. Hildebrandts collagenhafte, fast schon monumentale Werke weisen in ihrer klaren Formsprache einen hohen Widererkennungswert auf. In der Ausstellung "Verstoß" im Projektraum "Neue Galerie" werden sowohl Malerei, als auch erstmals Malerei-Objekte des Künstlers zu sehen sein. Begleitend zur Schau wird der Dokumentarfilm "Vugelbeerbaam, eija!" von André Wandslebe gezeigt, der über die wirtschaftlichen Veränderungen einer Stadt im Westerzgebirge berichtet und somit Denkraum für das Verständnis von Hildebrandts Arbeiten eröffnen möchte.

2. Dezember 2010 bis 27. Februar 2011 in der Neuen Galerie