Robert Wilson - Watermill

Sündiger Spaß

Bei Robert Wilsons Spendenevent auf Long Island trafen Marina Abramovic und Lady Gaga auf Männer in bonbonfarbenen Spendierhosen.
Der Himmel des Teufels:Spendenevent für Robert Wilson

Robert Wilson mit Marina Abramovic links im Arm und Lady Gaga rechts. Der traditionell gut besuchte Benefiz-Abend brachte 1,8 Millionen Dollar an Spenden für das Watermill Center

Es war der Abend der Herren in schrillen Hosen. Bei der alljährlichen Benefiz-Veranstaltung, die der Theaterkünstler Robert Wilson in seinem Performancelabor und Schulungszentrum in Watermill in den Hamptons steigen lässt, liefen die männlichen Gäste in gewagten Hosen-Ensembles in Bonbonfarben oder wilden Mustern auf.

Wie “W”-Magazin-Chefredakteur Stefano Tonchi, der Cindy Sherman am Arm hielt und sich für ein Blätterwald-Design zum weißen Jackett entschieden hatte. Das Motto der diesjährigen Party, auf der süße Ananascocktails gereicht wurden, lautete "Der Himmel des Teufels". Was manche Society-Dame dazu veranlasste, sich Teufelshörner in das Haar zu stecken.

Der Schauspieler Alan Cumming in einem weißen Zweiteiler, der so aussah, als ob er mit Adern durchzogen wäre, führte durch das Dinner-Programm. Simon de Pury, der nach zwölf Jahren das von ihm mitbegründete Auktionshaus verlassen hat, war für die abendliche Benefizversteigerung zuständig. Der Hamburger Sammler Harald Falckenberg, der im vergangenen Jahr eine beeindruckende Ausstellung mit Arbeiten des gestorbenen Mike Kelley kuratiert hatte, war diesmal mit einem kleineren Spaßprojekt vertreten: Er zeigte Videos und Fotos von konzeptionellen Arbeiten des Schweizer Musikers und Aktionskünstlers Dieter Meier, der vor allem als Popstar und Mitglied des Duos Yello bekannt ist. Meier zahlte in den siebziger Jahren New Yorker Passanten einen Dollar für das Wort ”Yes” oder ”No”, fotografierte sich selbst im Abstand von 31 Jahren, um skurrile Biografien, die er sich ausgedacht hatte, zu verkörpern, stellte sich mit einer Pistole in eine Ausstellung und drehte schrille Home-Made-Musik-Videos in Eigenregie.

Die heutige Queen der Musikvideos, Lady Gaga, erschien als prominenter Überraschungsgast zum Dinner. Gaga und die Mutter der Performancekunst, Marina Abramovic, hatten sich für schwarze Outfits zum schwarzen Haar und Lederriemen am Handgelenk entschieden. Die beiden Frauen mit ihren modellierten Gesichtern sahen aus wie ein Mutter-Tochter-Gespann auf dem Weg zur Geisterbeschwörung und fügten sich perfekt in das Hamptons-Spektakel ein. Die Performancekünstler, die dieses Jahr in Robert Wilsons Center zu Gast waren, empfingen die Gäste mit einer geisterhaften Inszenierung. Im Eingang hing ein mit Dreck beschmierter Boxer, der sich offensichtlich erhängt hatte. Andere, deren nackte Körper bemalt waren, wanden sich in Bäumen oder fügten sich in eine Wohnzimmereinrichtung ein, die direkt vor der Bar aufgebaut worden war. Ein junger Mann wurde von einem Seil festgehalten und stemmte sich im aussichtslosen Kampf gegen seine Fesseln an. Engel waren im dichten Nebel im Wald gelandet und stießen unheimliche Laute aus. Eine der Künstlerinnen führte einen tranceartigen Tanz mit zwei Stühlen in einem Wasserbecken auf. Gäste, die sich nach der zauberhaften, wenn auch finsteren Spukshow dem Himmel näher fühlen wollten, wurden auf Holzplatten in die Waagerechte befördert und blickten in das wolkenlose Blau.

Während die meisten der mehr als 1000 mit Cocktailgläsern bewaffneten Besucher zusahen, dass sie sich möglichst schnell an der nackten, in einem offenen Sarg liegenden Frau, deren Körper mit klebrigem Sirup beschmiert war, vorbeibewegten, schnappte sich Lady Gaga einen der ausliegenden Teelöffel und kostete die braune Sauce. Sie ließ es sich ebenfalls nicht nehmen, in dem kleinen Häuschen, in dem Malereien der afroamerikanischen Autodidaktin Clementine Hunter ausgestellt wurden, über den mit Stroh bedeckten Boden zu rollen. Dinner und Auktion liefen dann wieder ohne weitere Vorkommnisse ab. Zu den Highlights zählte Schauspielerin Winona Ryder als prominenter Gast. Bei der Auktion mit Arbeiten von Künstlern wie Shirin Neshat, Alex Prager, Tim Eitel, Ugo Rondinone und Ed Ruscha zu Gunsten des auf Long Island gelegenen Watermill Centers wurden 1,85 Millionen Dollar eingenommen. Und der Spuk auf Robert Wilsons Anwesen war wieder vorbei.