Kunst und Kino - München

Museen – die Kinos der Zukunft?

Was passiert mit der Kinoerfahrung des gemeinsamen Sehens im Dunkeln, wenn immer mehr Filme zu Hause auf Flachbildschirm, Laptop oder gar Smartphone gesehen werden? Werden die Museen mit ihren Black Cubes dann zur neuen Heimat für den alten Film, fragte eine Podiumsdiskussion in München.

Dem Film ist das Kino abhanden gekommen, behauptet Lars Henrik Gass, Leiter der Kurzfilmtage Oberhausen, in seinem Buch "Film und Kunst nach dem Kino".

Statt sich gemeinsam zur verabredeten Zeit zu einer Filmvorführung in der Dunkelheit eines Lichtspielhauses zusammenzufinden, schauen sich vor allem jüngere Leute Filme lieber auf DVD im Fernsehen oder gleich als kurzen Clip auf dem Smartphone an. Was bedeutet diese Entwicklung für die Zukunft des Films? Und welche Rolle spielt darin das Museum, könnte es das Kino retten?

Über dieses Thema diskutierten Dienstagabend Lars Hendrik Gass, Dominik Graf, Film- und Fernsehregisseur und Alexander Horwath, Direktor des Filmmuseums in Wien unter der Moderation von art-Korrespondent Heinz Peter Schwerfel. "Kino als Verabredung funktioniert nicht mehr", behauptete Gass: "Ich weine dem nicht nach, aber mit dem Kino als Ort verschwindet auch der Film." Dem widersprach Horwath heftig: "Filme gab es schon vor dem Kino als Ort", erklärte er und verweist auf die Filmgeschichte und das sich wandelnde Rezeptionsverhalten des Publikums durch neuere Technologien: "Die Veränderung ist aber keine Verfalls- sondern eine Mutationsgeschichte." Anders als viele bildenden Künstler bleiben manche Filmregisseure offenbar unbeeindruckt von dieser Entwicklung. Die Frage, ob er einen Unterschied zwischen Kino- und Fernsehproduktionen mache, verneint Dominik Graf und behauptet: "Man arbeitet immer für sich selbst als Zuschauer."

Das große Kinosterben auf der einen Seite und die zunehmende Akzeptanz von Medienkunst als Sammlungsgegenstand von Museen auf der anderen Seite, ließen eine interessante Diskussion erwarten. Doch leider wurde die Frage nach dem Unterschied zwischen Kunst- und Kinofilm auf die Probleme der Begriffsbildung, der Formatierung und der marktwirtschaftlichen Positionierung reduziert. Auf eine ästhetische Diskussion wollten sich die Podiumsteilnehmer, trotz hartnäckiger Versuche von Moderator Heinz Peter Schwerfel, nicht einlassen.

Möglicherweise lag es daran, dass der Kunsthistoriker Walter Grasskamp, der die Position der Kunst und des Museums als Institution pointiert vertreten hätte, seine Teilnahme wegen Krankheit kurzfristig absagen musste. So blieb das Publikum angesichts der geballten Ladung Filmsoziologie etwas ratlos zurück. Die Frage, ob die Museen die Kinos der Zukunft seien, blieb erst mal unbeantwortet.

Aber die Podiumsdiskussion in der Akademie der Bildenden Künste München war nur die Auftaktveranstaltung für das Festival "Kino der Kunst". Vom 24. bis 28. April 2013 werden ausschließlich Filme bildender Künstler für die große Leinwand in den Münchner Kinos und Museen präsentiert. Künstlerischer Leiter des Festivals ist der Kunstkritiker und Filmemacher Heinz-Peter Schwerfel, Vorsitzende des wissenschaftlichen Beirats ist Ingvild Goetz, und in der Jury für den Preis werden Cindy Sherman und Isaac Julien sitzen. Das Festival im April könnte dann überzeugendere Antworten finden – zumal es genügend Anschauungsmaterial gibt: Die Resonanz auf den internationalen ausgeschriebenen Wettbewerb war groß, die Jury besorgte die Auswahl aus hunderten von Einreichungen.

Kino der Kunst

24. bis 28. April, München
http://www.kinoderkunst.de