100 000 Jahre Sex
Lübecker Kulturforum
PERVERSE TONKRÜGE UND ANTIKE REIZWÄSCHE
Um die schönste Nebensache der Welt dreht sich eine archäologische Ausstellung im Lübecker Kulturforum Burgkloster. "100 000 Jahre Sex. Über Liebe, Fruchtbarkeit und Wollust" heißt die Ausstellung, die dort von Samstag an zu sehen ist. Sie zeigt Reizwäsche aus der Bronzezeit, geflügelte Phallussymbole aus römischer Zeit und andere Erotika aus archäologischen Ausgrabungen.
Die vom Drents Museum im niederländischen Assen zusammengestellte Schau war seit 2003 bereits in verschiedenen europäischen Städten zu sehen. In Lübeck ist sie bis zum 19. Oktober zu besichtigen.
Die ältesten gezeigten Erotika sind rund 25 000 bis 30 000 Jahre alt. Es handelt sich um Kopien sogenannter Venus-Statuetten, kleine Frauenfiguren mit extrem großen Brüsten und bereiten Hüften, die als Fruchtbarkeitssymbole dienten. Felsenzeichnungen zeigen jagende Männer mit extrem großen Geschlechtsteilen, aus römischer Zeit stammen Phallus-Kannen, deren Tüllen wie männliche Geschlechtsteile geformt sind und geflügelte, mit Glöckchen behängte Penisnachbildungen.
Ein Phallus als Türklingel und Glücksbringer
"Die hingen im alten Rom als Türklingel und Glücksbringer im Eingangsbereich des Hauses", erläuterte der Urheber der Ausstellung, der niederländische Archäologe Vincent van Vilsteren. Er hat die Ausstellung mit Leihgaben aus 60 europäischen Museen zusammengetragen. "Die große Resonanz hat uns selbst überrascht. Wir hatten damit gerechnet, dass zwei oder drei Museen Interesse zeigen, doch Lübeck ist bereits die dreizehnte Station", sagte er bei der Vorstellung am Mittwoch.
Die Ausstellung zeigt auch, wie sich die Einstellung zu Sex und Erotik von Epoche zu Epoche verändert hat. Während im antiken Griechenland Vasen und Trinkgefäßen ungeniert mit detaillierten Darstellungen des Liebesspiels auch zwischen Männern und Knaben geschmückt wurden, verschwanden solche Darstellungen im prüden 19. Jahrhundert in den Giftschränken der Museen.
dpa
"100 000 Jahre Sex"
Termin: 18. Juli bis zum 19. Oktober, Kulturforum Burgkloster, Lübeck.

