Museum DKM - Duisburg

Wir sind Augenmenschen

In Duisburg eröffnet heute das Privatmuseum der beiden Sammler Klaus Maas und Dirk Krämer. Unter dem Ausstellungstitel "Linien stiller Schönheit" ist in einem umgebauten Industriegebäude in der Nähe des Duisburger Bahnhofs erstmals ein Teil der Exponate öffentlich zugänglich – art sprach mit den beiden Museumsgründern über Ihre Passion, die aktuelle Ausstellung und neue Projekte.
"Linien stiller Schönheit":Das neue Privatmuseum DKM in Duisburg

Ein Zuhause für die umfangreiche Sammlung: Das Museum DKM wurde vom Schweizer Architekten Hans Rohr umgebaut und erweitert

Herr Mass, Herr Krämer, Sie sammeln schon seit vielen Jahren Kunst. Woher kommt Ihr Interesse?

Klaus Maas: Ich sammle seit etwa 40 Jahren. Dirk Krämer, mein Lebens- und Stiftungspartner, sammelt seit etwa 20 Jahren. Ich hatte bereits als Schüler ein großes Interesse an Kunst; es gab damals viele interessante Begegnungen mit Kunstschaffenden in der Schweiz. Mit 20 Jahren habe ich angefangen, Grafiken zu sammeln. Das hat sich dann weiterentwickelt. 1999 haben Dirk Krämer und ich die DKM-Stiftung gegründet. Wir haben im Duisburger Innenhafen, ein sehr interessantes Quartier, die "FensterGalerie" gegründet: vier große Fenster, die Tag und Nacht einsehbar sind. Alle drei Monate können Künstler dort Rauminstallationen gestalten. Dieser Raum wird auch weiter bestehen bleiben.

Warum wollten Sie Ihre Privatsammlung nun öffentlich zugänglich machen?

Maas: Wir haben schon relativ früh an eine Erweiterung unserer Galerie gedacht. Wir hatten bereits 2001/2 die ersten Pläne, in direkter Nähe zur Galerei ein privates Museum zu bauen, um unsere Kunstbestände für die Öffentlichkeit sichtbar zu machen. Drei Standorte sind von unserem Architekten durchgeplant worden, haben aber wegen besonderer Widerstände aus verschiedenen Gründen nicht zum Ziel geführt. Ende 2004 haben wir ein altes Industriegrundstück 200 Meter vom Bahnhof gefunden. Das haben wir gekauft, umgebaut und eine Ausstellungshalle von 70 Metern dazugebaut. Jetzt gibt es 2600 Quadratmeter Ausstellungsfläche verteilt auf 50 Ausstellungsräume.

Nach welchen Kriterien sammeln Sie?

Dirk Krämer: Ein bestimmtes Leitmotiv gibt es nicht. Wir sammeln Kunst, die uns extrem berührt und die uns trifft. Kunst, die in erster Linie sofort unter die Haut geht und aus der wir Kraft schöpfen können. Aber wir können nicht sagen, es gäbe eine bestimmte Strategie.

Kommen Sie als Sammlerduo bei der Auswahl der Werke nie in Interessenskonflikte?

Krämer: Es gibt eigentlich keine Konflikte. Das liegt daran, dass wir einen ähnlichen Kunstgeschmack haben. Es gibt manchmal Situationen, wo wir genau überlegen müssen, aber hier in der Ausstellung ist kein Stück dabei, das wir nicht beide lieben und mögen.

Ist Sammeln für Sie auch eine Investition?

Krämer: Nein, das ist nicht unser Hauptgedanke. Der Markt ist eher unwichtig für uns. Wir haben Werke vieler Künstler, die für den Kunstmarkt gar nicht relevant sind. Sie finden bei uns aber auch ganz aktuelle Positionen: der chinesische Künstler Ai Weiwei ist bei uns längst in der Sammlung. Wir suchen die Dinge unabhängig von der Marktbedeutung aus. Sowohl internationale, als auch uns persönlich bekannte Künstler sind gleichermaßen vertreten. Das Gesamte muss miteinander harmonieren. Wir haben auch zwei große Werke von Richard Serra. Aber wir tragen das nicht so sehr nach außen, weil sie uns nicht wichtiger sind als andere Künstler.

Der Titel der Ausstellung, mit der Sie das Museum eröffnen, lautet "Linien stiller Schönheit".

Maas: Dieser Titel ist unser Programm. Wir sind Augenmenschen. Wir gehen nicht kunsthistorisch vorgebildet vor, sondern entscheiden mit den Augen. Die Schönheit, die Ästhetik ist für uns ein ganz wesentliches Kriterium. Dabei achten wir auch darauf, dass es stille, meditative und kontemplative Arbeiten sind, solche, die uns in unserer Berufswirklichkeit einen Rückzugsbereich bieten. Ein Museum ist für uns ein Bereich in dem wir uns innerlich zurückziehen können. Nicht von ungefähr stammt ein großer Teil der Kunst aus Asien. Wir finden dort vom Buddhismus geprägte, sehr kontemplative Skulpturen. Sie werden in der Sammlung, die etwa 5000 Jahre Kulturgeschichte umfasst, immer wieder Gefäße finden. Gefäße aus dem alten Ägypten, aus Kambodscha, Gefäße der Khmer und solche von Wilhelm Wagenfeld. Da gibt es eine Kontinuität, eine Linie, der man in allen Zeitläufen wieder begegnet.

Und was zeigen Sie aus Ihrer Sammlung?

Krämer: Es gibt große Einzelstücke, Rauminstallationen, chinesisches Porzellan, komplette grafische Serien, zum Beispiel von Blinky Palermo und Ben Nicholson. Wir zeigen über 1000 Exponate. Was wir in der Ausstellung präsentieren, ist aber nur ein Teil unserer Gesamtsammlung. Es sind auch nicht alle Highlights zu sehen. Uns kommt es darauf an, dass fließende Übergänge zwischen den Räumen entstehen und es war uns wichtig die Rundgänge so zu gestalten, dass es interessante Aufeinanderfolgen gibt. 34 der Räume sind reine Künstlerräume, die nur ein Künstler bespielt, und diese werden meist mit ihrem Lebenswerk oder mit einem Überblick gezeigt. Wichtig ist, dass der Besucher, der hier durchläuft, sich freut hier gewesen zu sein und nicht erschlagen rausgeht.

Gibt es schon konkrete Pläne für das Kulturhauptstadtjahr Ruhr 2010?

Maas: Wir sind sehr frühzeitig in die Planung der Ruhrgebietsmuseen einbezogen worden. Und im Konzert mit den 17 Ruhrgebietsmuseen möchten wir uns an dem Generalthema "Mapping the region" mit einer eigenen Ausstellung "DUtopia" beteiligen. Es geht dabei um utopische Ideen, die vor 30 bis 40 Jahren in Duisburg formuliert wurden. Wir prüfen, was daraus geworden ist, und fragen uns, wie heutige Utopien aussehen. Wir planen aber auch eigene Ausstellungen, die wir zum Kulturhauptstadtjahr präsentieren werden. Dabei ist die Sammlung der wesentliche Gegenstand. Wir werden immer wieder einzelne Räume verändern und ein oder zwei größere Werksausstellungen im Jahr machen.

"Linien stiller Schönheit"

Termin: ab 22. Januar, Museum DKM, Güntherstr. 13-15, Duisburg. Katalog: 304 S., farb. Abbildungen
http://www.stiftung-dkm.de/