Bookmarks - Lesetipps Juni

Die Lesetipps des Monats

art-Redakteurin Ulrike von Sobbe stellt Ihnen in unserer Rubrik "Bookmarks" jeden Monat zehn spannende neue Kunstbücher vor. Diesmal mit: Fellinis Träumen, geometrischen Visionen, Reclams Städteführer und Cornelia Schleime.
Das müssen Sie lesen:Zehn neue, spannende Kunstbücher

Franz Marc Museum. Kunst im 20. Jahrhundert. Stiftung Etta und Otto Stangl. Franz Marc Stiftung.

Wer diesen Sommer auf der Reise in den Süden durch Oberbayern fährt, könnte einen lohnenden Abstecher nach Kochel am See machen. Dort wurde am 22. Juni der Erweiterungsbau des Franz-Marc-Museums eröffnet. Aus diesem Anlass erscheint der neue Bestandskatalog, der nicht nur hervorragende Abbildungen von Marcs Werken bietet, sondern auch mit Gemälden der Künstlergruppen "Der Blaue Reiter", "Brücke" und ZEN 49 einen eindrucksvollen Überblick über die Kunstströmungen des 20. Jahrhunderts in Deutschland gibt (Wienand Verlag. 296 S., 244 Abb., 39,80 Euro). Für Kinder gibt es ein spannendes Extra: den Audioguide "Das springende Pferd", ein Spaziergang durch die Sammlung des Museums mit zehn Stationen, gemacht von Kindern für Kinder (Horncastle Verlag. Audio-CD mit Begleitheft, ab 6 Jahren, 12,95 Euro).

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Heribert C. Ottersbach. Erziehung zur Abstraktion.

Als "abstrakte, geometrische Figurationen der Gesellschaft" bezeichnet der Kölner Maler selbst seine Bilder. Sie rufen Erinnerungen wach an vertraute Ereignisse, Orte oder Personen und bleiben doch Visionen (siehe art 3/08). Die Ausstellung in der Mathildenhöhe Darmstadt (bis 7. September) und der begleitende Katalog sind der Werkgruppe seiner Architekturbilder gewidmet (Hatje Cantz Verlag. 176 S., 137 Abb., 39,80 Euro).

Cornelia Schleime. Love Affairs.

Die 1953 in Ostberlin geborene Künstlerin ist nicht nur Malerin, sie hat sich auch als Punk-Lady, Filmemacherin oder Musikerin ausgelebt, zuletzt sogar ihren ersten Roman geschrieben. Die Tübinger Kunsthalle zeigt eine Auswahl ihrer neuesten Bilder (bis 7. September). Sie erzählen von Liebesgeschichten, von tierischen Inspirationen und zärtlichen Begegnungen mit Frauen. Neben einem opulenten Abbildungsteil gibt es im Katalog auch ein ausführliches Interview mit der Künstlerin, in dem sie über sich und ihre Arbeit Auskunft gibt (Prestel Verlag. 144 S., 70 Abb., 39,95 Euro).

Federico Fellini. Das Buch der Träume.

Dass der große italienische Filmemacher ein Traum-Tagebuch geführt hat, ist wenig überraschend. Die überbordenden Bildwelten seiner Skizzen und die rauschhaften Visionen seiner Aufzeichnungen lassen den Betrachter dann doch nicht unberührt. Erstmals wurden sie - vollständig faksimiliert und transkribiert – veröffentlicht: ein gewichtiger Band, der manche Inspirationsquelle des berühmten Cineasten erahnen lässt (Collection-Rolf-Heyne. 584 S., 450 Abb., 135 Euro).

Patterns 2. Muster in Design, Kunst und Architektur.

Schwarz und pur war gestern – heute sind wieder Farbe und Ornament angesagt. Nach dem bald vergriffenen ersten Band befasst sich der Nachfolger nicht nur mit neuesten Muster-Trends und zeitgenössischen Experimenten führender Firmen, Künstler, Designer, Modemacher und Architekten. Das Spektrum bezieht diesmal auch die Wissenschaft ein und zeigt grafische Darstellungen von Walgesängen oder Gencodes (Birkhäuser Verlag. 335 S., 315 Abb., 59,90 Euro).

Bettina Hausler: Der Berg. Schrecken und Faszination.

Schon Leonardo da Vinci faszinierten Felsformationen, Albrecht Dürer beeindruckten die Alpenpanoramen, Caspar David Friedrich komponierte einzigartige Berglandschaften. Später befassten sich Maler wie Paul Cezanne oder Ernst Ludwig Kirchner und Wassily Kandinsky immer wieder mit Bergmotiven. Kenntnisreich führt die Kunsthistorikerin Bettina Hausler in dem opulenten Bildband vor, wie das Spektrum der unterschiedlichen Darstellungsformen bis in die zeitgenössische Kunst reicht: Auch in Arbeiten von Gerhard Richter oder Hans Schabus finden sich Gebirgsmassive. (Hirmer Verlag. 217 S., 160 Abb., 65 Euro).

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Gisela Christ, Helge Schosnig: Rund und bunt. Architektur der fünfziger Jahre.

An Beispielen wie dem Schauspielhaus Bochum, der Schwimmoper Wuppertal oder dem Hamburger Alsterpavillon zeigen die Autoren, wie Architekten des ersten Nachkriegsjahrzehnts mit verspielten Rundungen und kühn geschwungenen Treppen zu einer neuen Formensprache fanden (Deutsche Verlags-Anstalt. 168 S., 200 Abb., 49,95 Euro).

Stephan Balkenhol. Umraum. Architektur + Objekt.

Durch seine intensive Auseinandersetzung mit der Figur hat der Holzbildhauer seit einigen Jahren eine herausragende Stellung in der zeitgenössischen Skulptur. Weniger bekannt ist, dass er sich daneben auch mit Objekten oder dreidimensionalen Architektur-Reliefs befasst. Diesem Werkkomplex ist der Band gewidmet, der nachträglich eine Ausstellung im Wenzel-Hablik-Museum Itzehoe dokumentiert, ergänzt durch ein ausführliches Interview mit dem Künstler (Kerber Verlag. 64 S., 52 Abb., 16,50 Euro).

Jewgeni Chaldej: Der bedeutende Augenblick.

Sein berühmtestes Bild kennt jeder: Soldaten der Roten Armee hissen am 2. Mai 1945 auf dem Reichstag im zerstörten Berlin die Flagge der Sowjetunion. Doch Chaldej (1917 bis 1997) war mehr als ein (hervorragender) Kriegsfotograf, er wusste auch dem Alltag der UdSSR eindrucksvolle Motive abzugewinnen. Eine Retrospektive im Berliner Martin-Gropius-Bau stellt den bei uns kaum bekannten Fotografen vor (bis 28. Juli, siehe auch Art 5/2008). Der dazu erschienene Begleitband gibt Gelegenheit, die Bekanntschaft zu vertiefen (Neuer Europa Verlag. 208 S., 200 Abb., 29,90 Euro).

Reclams Städteführer. Rom/London. Architektur und Kunst.

Diesen Monat hat der Verlag eine neue Reihe gestartet, die ebenso erfolgreich werden könnte wie ihr Vorgänger mit den beliebten Kunstführern. Kompakt, gründlich und umfassend beschreiben die ersten beiden Bände alles, was die Hauptstadt der Italiener/Engländer für den kulturell interessierten Reisenden so faszinierend macht: keine Insider Tipps, stattdessen kunsthistorisch fundierte Details (Reclam Verlag. 312 S., 30 Abb., 10 Pläne, je 7,80 Euro).