Gib mir fünf!

Die Tipps der Woche



DIE FÜNF TIPPS DER WOCHE

Unsere Serie "Gib mir fünf!" präsentiert Ihnen jede Woche fünf Kunst-Höhepunkte, die Sie sich nicht entgehen lassen sollten. art-Autorin Wiebke Gronemeyer empfiehlt diese Woche junge Fotografie aus Berlin, Schwerkraft in München und feiert ein Richtfest in Stuttgart.
// WIEBKE GRONEMEYER

Berlin: "Kings and Queens“
Sie sind schrill, laut, und tätowiert. Philipp Schumanns bunte Porträts von Künstlern und Musikern stehen den eindrucksvollen Fotografien von Jan Poppenhagen gegenüber, der Jugendliche aus dem Berliner Stadtteil Moabit porträtiert und ihnen einen fast schon ikonografischen Ausdruck verleiht. Vor tiefschwarzem Hintergrund posieren die Jugendlichen als Gangster der Nacht, ihre Blicke und Halsketten funkeln um die Wette. Die farbenfrohen Fotografien von Philipp Schumann bilden dazu einen Gegensatz und schreien doch in derselben Bildsprache: Hier sind wir – die Kings and Queens von Berlin! Im Rahmen der Ausstellungsreihe "Junge Kunst Berlin" sind die Fotografien ab dem 18. Juli in der Galerie Miope zu sehen.

Dortmund: "Anna Kournikova Deleted by Memeright Trusted System"
In der Phoenix Halle Dortmund dürfen wir zusammen mit David Rice um Anna Kournikova trauern, die am 6.12.2067 versehentlich vom Laserstrahl eines sattelitengestützten Systems tödlich getoffen wurde, das sie zum Schutz ihrer "Marke" in Auftrag gegeben hatte. Die Ausstellung des Hartware MedienKunstVerein präsentiert neben dieser perfiden Kurzgeschichte des Künstlers David Rice, die sich mit dem Konzept des geistigen Eigentums als Wertschöpfungsinstrument beschäftigt, 26 weitere künstlerische Positionen, die sich mit dem Verhältnis von kreativer Arbeit, Urheberrecht und Technologie auseinandersetzen. Neben Cornelia Sollfrank, Christian von Borries und John Heartfield gehen die in der Ausstellung vertretenen Künstler der Frage nach der Kunst im Zeitalter der technischen Reproduzierbarkeit nach, die sich in einer mit digitalen Computernetzwerken durchzogenen Welt immer wieder neu stellt.

Baden-Baden: "Stephen Prina"
Die Kunsthalle Baden-Baden, die einen Schwerpunkt auf zeitgenössische minimalistische und konzeptuelle Positionen legt, widmet dem amerikanischen Künstler Stephen Prina eine Retrospektive, in der neben Malerei und Fotografie auch raumgreifende Installationen gezeigt werden. Jedes seiner Projekte bildet ein vielschichtiges Referenzsystem, das Motive aus Bildender Kunst, Literatur, Musik und Philosophie aufnimmt und in neue Zusammenhänge verarbeitet. Soviel Konzept muss belohnt werden! Die Kunsthalle Baden-Baden urteilt vorweg: "Prina’s Verfahren der De- und Rekomposition künstlerischen Materials ist weder als Hommage noch als Kritik aufzufassen, sondern begründet einen lebendigen und gegenwärtigen Austausch zwischen künstlerischen Praktiken."

Stuttgart: Die Staatsgalerie feiert Stuttgarter Richtfest
Die Sanierungsarbeiten in der alten Staatsgalerie gehen voran, im Obergeschoss zieht wieder Kunst ein. Am 18. Juli feiert die Staatsgalerie Richtfest und eröffnet "Endlich diese Übersicht", eine Neupräsentation der Werke im Obergeschoss aller drei Gebäude auf mehr als 5000 Quadratmetern. So bietet sich dem Besucher jetzt eine Bandbreite an Kunstwerken aus über 700 Jahren, wobei das Konzept der Chronologie immer wieder unerwartet unterbrochen wird, um epochenübergreifende Verbindungen aufzuzeigen. Zum Auftakt startet die Staatsgalerie am Wochenende die Führungsreihe "Ein frischer Blick auf die Sammlung", die Bezüge von der frühitalienischen Tafelmalerei bis zur Kunst nach 1945 vermittelt.

München: "Kunst im Zeichen der Schwerkraft“
Ab dem 18. Juli zeigt die Künstlerin Tanja Kumpermond in der Orangerie im Englischen Garten eine eigens konstruierte Installation freischwebender Flaggen. Will sie die Gesetze der Gravitation umgehen? Das Spiel mit der Schwerkraft steht im Kontrast zum gefühlten Gewicht der Bilderwelt ihrer ideologischen Flaggen, die auf die Schattenseiten und Ängste der Menschen eingehen, Dunkelheit, Manipulation, Obsession, Verzweifelung und Verfall darstellen. Die theatralische Inszenierung in der Idylle des englischen Gartens lädt dazu ein, die Emotionalität der Werke Kumpermonds am eigenen Leib zu erfahren.

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