Junge Kunsthalle - Karlsruhe

Agenten-Pinguin oder Pinguin-Ritter?

Die Kunsthalle Karlsruhe hat die Junge Kunsthalle eröffnet, in der Ausstellungen und Aktionen speziell für Kinder und Jugendliche geboten werden. Hier wird dem Nachwuchs der Zugang zur Kunst leicht gemacht.

Gibt es Pinguin-Agenten? Für Justin keine Frage: Wer eine Agentenbrille trägt, ist Agent, ein "Agenten-Pinguin". "Unsinn", meint die elfjährige Daria, "der mit dem rostigen Helm ist ein Pinguin-Ritter". Kunstbetrachtung mit Kindern ist eine besondere Sache. Sie bringen zwar meist wenig Wissen mit ("Wieso hängt der Mann am Kreuz?"), aber viel Fantasie. Kinder können stundenlang über Gemälde fachsimpeln, sie lassen sich für abstrakte Kunst genauso begeistern wie für die Werke Alter Meister – man muss ihnen nur den richtigen Zugang ermöglichen.

Wesen aus Sprungfedern, Propellern und Klobürsten

Die Kunsthalle Karlsruhe betreibt seit 1973 ein Kindermuseum, damals ein Novum, das es in ähnlicher Form nur noch in Berlin und Frankfurt gab. Doch nun ist man einen Schritt weitergegangen: In Karlsruhe wurde kürzlich die Junge Kunsthalle eröffnet – gleich neben der Staatlichen Kunsthalle. Hier wird das erfolgreiche Konzept des Kindermuseums weitergeführt, aber in einem eigenen Haus: in der ehemaligen Villa des Gartendirektors, zwischen Hauptgebäude und Orangerie gelegen, ging der lang gehegte Wunsch in Erfüllung, den Ausstellungen und Veranstaltungen speziell für ein junges Publikum mehr Raum zur Verfügung zu stellen. Zur Eröffnung der Jungen Kunsthalle gibt es eine Schau mit Tierskulpturen von Irmela Maier und Thomas Putze zu sehen. Putze baut aus Fundsachen vom Sperrmüll Tiere – auch Pinguine, Agenten-Pinguine eben.
Wenn Sibylle Brosi eine Führung durch die Ausstellung macht, kann es gut sein, dass die Museumspädagogin einen Stoff, ein Stück Fell oder andere Requisiten zum Anfassen dabei hat. Wer Kinder für Kunst begeistern will, darf nicht "öde Kunstbetrachtung" anbieten, sagt Brosi, sondern muss sinnliche Anreize bieten. Auch Geräusche oder Musik helfen oft, dem Nachwuchs den Zugang zu den Ausstellungsstücken zu erleichtern. Das kommt den unterschiedlichen Fähigkeiten und Neigungen der Kinder entgegen. Bei Putzes Fantasiewesen,die aus Sprungfedern, Propellern, Klobürsten oder Lenkrädern zusammengebaut sind, lässt Museumspädagogin Brosi die Kinder gern Geschichten erfinden: "Das da ist eine Sensorbrille", meint der elfjährige Cem, "mit der kann man alles beobachten ..."
Der Audioguide durch die Ausstellung wurde auch von Kindern erstellt. Sie haben mit den Künstlern ein Interview geführt. Und natürlich hängen in der Jungen Kunsthalle nicht nur die Bilder tiefer, sondern das Haus kann sich auch mal in eine Spielwiese verwandeln mit Kostümen und Kuschelecke, Mal- und Bastelstationen, CD-Player und Monitor. Beim ersten Besuch, so Brosis Erfahrung, sind Kinder noch ehrfürchtig. Beim zweiten Mal sind sie vorsichtig. Beim dritten Mal ist Kunst dann schon die selbstverständlichste Sache der Welt – "und sie entdecken die Kunst für sich".

"Tierisch gut! Irmela Maier und Thomas Putze"

Termin: bis 13. September, Junge Kunsthalle Karlsruhe
http://www.kunsthalle-karlsruhe.de