Zur Lage der Galerien - Berlin

Zwischenbilanz

Bei der Vorabpräsentation einer im Frühjahr 2013 durchgeführten Galerien-Umfrage diskutieren Galeristen, wie es um sie steht. Das Ergebnis: durchwachsen.
Die oberen 20:Die wirtschaftliche Lage der Galerien

Hergen Wöbke (ganz links) berichtet von der Lage deutscher Galeristen

Es gibt wohl wenige Orte, die passender für die Präsentation einer Studie über die Lage deutscher Galeristen ist, als die Räume von Capitain Petzel in der Karl-Marx-Allee: ganz klar einer der wichtigsten Galerien des Landes, mit weltweitem Ruf. Auch wenn die Lage der meisten anderen Galeristen ganz anders ist: Für das Gros der Galerien bleibt am Ende gar nicht so viel übrig.

Als am Mittwoch abend die Vorergebenisse der neuen Studie des Berliner Instituts für Strategieentwicklung IFSE präsentiert wurden, reichten die Stühle nur knapp. Rund 50 Gäste, überwiegend Galeristen aus der Nachbarschaft sowie Vertreter des BVDG und des Landesverbandes Berliner Galerien, kamen in der Berliner Dependance der Galerie Capitain Petzel zusammen. 2012 erzielten Galerien in Deutschland hochgerechnet einen Umsatz von 250 Millionen Euro. Acht Prozent der Galerien gaben Spitzenumsätze von über 1 Million Euro jährlich an. Sechs Prozent verdienen nur bis zu 17 500 Euro jährlich. Die Bandbreite ist riesig, siehe Berlin. "In Berlin machen rund 20 Galerien 50 Prozent des Umsatzes", berichtet Hergen Wöbken, Geschäftsführer des IFSE, das im April 2013 eine Befragung, erstmals unter Galerien in ganz Deutschland, durchgeführt hat.

Während Birgit Sturm, Geschäftsführerin des Bundesverbandes deutscher Galerien und Kunsthändler (BVDG), findet, dass Branchenzahlen etwa für Verhandlungen mit der Politik dringend notwendig sind, kritisieren einige Galeristen, dass Umsatzzahlen wenig über die Überlebensfähigkeit einer Galerie aussagten, zumal die Umsätze durch den Faktor zwei oder höher geteilt werden müssten, wenn man den Anteil der Künstler und andere Kosten berücksichtige. Für die Branche wird es erst interessant, wenn auch Produktionskosten oder Messekosten erfasst würden. Das sei deshalb nicht möglich, weil viele Galerien nicht bereit wären, solche Zahlen im Detail preiszugeben, entgegnet Wöbken. Es seien vorläufige Ergebnisse, die an diesem Abend diskutiert werden sollen, betont er, noch sei die Studie nicht abgeschlossen. Über die Sommermonate stehen weitere Interviews mit Galeristen an. Die endgültigen Resultate stünden ab September 2013 zur Verfügung. Erst dann lassen sich Prognosen und Perspektiven ableiten.

2010 veröffentlichte das IFSE mit "Studio Berlin" bereits eine Umfrage zum Berliner Kunstmarkt. Zumindest für Berliner Galerien lässt sich also ein Vergleich der Jahre 2009 und 2012 anstellen, und der zeigt konstante Umsatzzahlen. "Der Gesamtumsatz der verschiedenen Jahre wird stark von den kurzfristigen Umsatzschwankungen weniger Top-Galerien beeinflusst. Das Krisenjahr 2009 zeichnet sich nicht ab", sagt Wöbken.

Von den cirka 800 zur Umfrage eingeladenen Galerien haben sich 200 Galerien beteiligt. Diese vertreten im Durchschnitt 16 Künstler und veranstalten 5,8 Ausstellungen pro Jahr, bundesweit ergeben sich geschätzt 6000 Ausstellungen pro Jahr. 3000 entfallen auf Berlin.
In Berlin ist der Gründungsboom der Galerien zwar abgeflaut, aber immer noch ist der Anteil an jungen Galerien höher als in Gesamtdeutschland. 26 Prozent Neugründungen sind zwischen 2008 und 2012 zu verzeichnen. Aller Debatten um steigende Mieten zum Trotz werden "Günstige Mietpreise für Galerieräume" als wichtigster Standortfaktoren für Berlin genannt. Bundesweit belaufen sich die Galerie-Neugründungen auf 22 Prozent, in Hamburg und Bayern sind rückläufige Zahlen zu verzeichnen, in Nordrhein-Westfalen ist die Zahl an Neugründungen weiter gut.
Deutliche Unterschiede zeigen sich Bundesländervergleich in Bezug auf die Kunstkäufer. In Baden-Württemberg wird der Hauptumsatz zu 60 Prozent mit regionalen Sammlern gemacht. In Berlin beträgt dieser Anteil nur 22 Prozent.

Kunstmessen spielen auch deshalb eine wichtige Rolle. Die befragten Galerien nahmen im Durchschnitt an 1,9 Messen pro Jahr teil. Dabei liegen Köln (2,6), Berlin (2,4) und Karlsruhe (2,2) über dem Durchschnitt. Die häufigsten Beteiligungen wurden in Deutschland für Art Karlsruhe und Art Cologne genannt, international punkteten Art Brussels und Arco Madrid.

Während eine Langzeitstudie des Deutsche Instituts für Wirtschaftsforschung ergab, dass Künstler glücklicher sind, obwohl sie weniger verdienen als andere Berufsgruppen, gibt die Umfrage des IFSE über den Glückszustand der Galeristen keine Auskunft. Aber der Blick in die Zukunft ist gar nicht so schlecht. 28 Prozent der befragten Galerien erwarten 2013 eine Umsatzsteigerung.

Weitere Präsentationen der IFSE-Studie:

Köln, 16.5., 19 Uhr, Kölnischer Kunstverein
Stuttgart, 22.5., 19 Uhr, Galerie Klaus Gerrit Friese
München, 23.5., 19 Uhr, Galerie Thomas Modern

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