Fourth Plinth - London

Nackter Patriotismus bei den Briten

Eine Bürgerinitative protestiert gegen die angebliche Schmähung von Frankreichs Nationalsymbol durch eine Skulptur der deutschen Künstlerin Katharina Fritsch

Dass die Bespielung des Fourth Plinth auf dem Trafalgar Square ohne Kontroverse über die Bühne geht, ist selten: Marc Quinns Marmorstatue einer körperlich schwergeschädigten nackten schwangeren Frau, Mark Wallingers schlohweiße Christusstatue, der kleine Junge auf einem Schaukelpferd von Elmgren & Dragset - sie alle waren umstritten. Doch jetzt geht es um nackten Patriotismus. Die kleine Denkmalschutz-Organisation Thorney Island Society, die in London gegen ihrer Ansicht nach unzulängliche Planungsbeschlüsse angeht, hält "Hahn/Cock" von Katharina Fritsch für "völlig unpassend".

In einem gepfefferten Brief an die Planungsbehörde der zuständigen Stadtverwaltung Westminster machen die Denkmalschützer geltend, der fast fünf Meter hohe Hahn aus blauem glasfaserverstärktem Kunststoff stehe "in keinem Verhältnis zum Kontext des Trafalgar Square". Will heißen, das gigantische Federvieh der Düsseldorfer Künstlerin ist, wie sie selbst hervorhebt, das nationale Symbol Frankreichs. Und das auf einem Platz, so Fritsch, "der den historischen Sieg über die Franzosen feiert." Der siegreiche Held der Seeschlacht von Trafalgar, Admiral Horatio Nelson, wird von seiner hohen Säule aus auf den kecken Eindringling herunterblicken. Ob mit Wohlwollen oder Verachtung, darüber streitet man sich. Dass im Englischen das Wort "cock" nicht nur "Hahn", sondern auch "Penis" heißt, wird der Plastikerin kaum entgangen sein und kann als ironischer Seitenhieb auf den von martialisch dreinblickenden Männern dominierten Platz verstanden werden.