Ellsworth Kelly - Geburtstag

Die Kunst geht weiter

Der Maler Ellsworth Kelly wird 90 – seine Galeristen feiern mit sehenswerten Ausstellungen.

"Im hohen Alter ist es nicht mehr wirklich wichtig, ob man 89, 90 oder 91 Jahre auf der Welt ist", sagt Ellsworth Kelly.

Wichtig ist vor allem, dass man weiter arbeitet. Ende des Monats feiert der große Meister der monochromen Farbformen seinen 90. Geburtstag. Jetzt schon feiert man ihn mit gleich mehreren Ausstellungen auf der Welt. Die Mnuchin Gallery auf der Upper East Side von New York widmet sich Werken aus der Zeit von 1966 bis 2009. Kellys Galerist Matthew Marks in Chelsea zeigt aktuelle Malereien und Farb-Reliefs in Öl und zwei neue Skulpturen, die mit ihren spiegelglatten Oberflächen oder den knalligen Farben dem Alter zu trotzen scheinen.

Eine Ausstellung in der National Gallery of Art in Washington läuft bereits. Es folgen Installationen in der Washingtoner Phillips Collection, im Pariser Centre Pompidou, in der Tate Modern in London und in San Francisco und Chicago. Das Museum of Modern Art widmet ihre Ausstellung der "Chatham Serie", an der Kelly arbeitete, nachdem er 1970 Manhattan hinter sich gelassen hatte, um auf das Land in Spencertown in Uptown New York ziehen. Sein Atelier befand sich in dem Ort Chatham, was der Serie von 14 L-förmigen Bildern ihren Namen gab. Kellys Partner Jack Shear kaufte das Gebäude, und dort wird Ellsworth Kelly am 31. Mai auch seinen Geburtstag feiern.

Zur Eröffnung in der Barnes Foundation in Philadelphia erschien der erstaunlich rüstige Künstler, der bereits seit einigen Jahren künstlichen Sauerstoff braucht, damit sein Herz und seine Lunge arbeiten. Im Mittelpunkt der kleinen Ausstellung in dem neuen Gebäude der Stiftung steht die gewaltige Wandarbeit "Sculpture for a Large Wall" mit 104 farbigen Aluminiumtafeln, die usprünglich einmal im Philadelphia Transportation Building hing, zur Sammlung des MoMA gehört und nun das erste Mal seit Ende der neunziger Jahre zurück in die Stadt geführt und installiert wurde. Es ist eine bedeutende Arbeit für Kelly, der mit der Installation 1956/57 die Wasserspiegelung der Pariser Seine nachempfand und die Anordnung der Farben dem Zufallsprinzip überließ. "Ich nahm den Zufall, um Farben einzufangen, die zufällig arrangiert wurden", erzählte Kelly bei der Eröffnung. "Man muss sich nicht fragen, was es bedeutet. Man muss es sich nur ansehen. "

55 Jahre ist Kellys erste Solo-Ausstellung her. Sie fand in der Betty Parsons Gallery in New York statt. Kaum einer schaute sich damals die Arbeiten an, niemand war Kellys puren Form- und Farbspielen interessiert. Der Künstler war 1954 aus Paris zurückgekehrt, wo er sein abstraktes Vokabular entwickelt hatte. In New York erwartete ihn eine Stadt, in der die Meister des Abstrakten Expressionismus Willem de Kooning und Jackson Pollock wie Götter verehrt wurden. An die harten Anfangsjahre von damals kann sich Kelly noch sehr gut erinnern. Von seinem Job als Lehrer sei er gefeuert worden, weil er mit seiner abstrakten Kunst als schlechter Einfluss auf Kinder galt, erzählte Kelly mit einem Lachen.

"Ich will mich weiter bewegen und mir selbst etwas schaffen, das ich ansehen kann. Ich möchte in der Gegenwart malen und meine Arbeit dort bestehen lassen", sagte Kelly, der nach wie vor so viel Zeit wie möglich in seinem Atelier in Spencertown verbringt. "Was auch immer passieren wird, die Kunst geht weiter."