Dario Fo - Frankfurt am Main

Ich mag Hellblau

Theaterautor, Regisseur, Bühnenbildner, Maler, Komponist, Erzähler, Satiriker, Schauspieler, Literaturnobelpreisträger – art sprach anlässlich seiner Retrospektive mit dem italienischen Universalgenie Dario Fo über Farben und die "grillini".

Der 87-jährige Dario Fo verbringt wie seit vielen Jahren auch diesen Sommer in seinem Haus in Sala di Cesenatico (Emilia Romagna) in Norditalien.

Im Mai starb seine Frau Franca Rame mit 84 Jahren. Fo unterstützt den Politiker Beppe Grillo und dessen Bewegung "5 Sterne". In seinem Haus finden auch in diesem Sommer Treffen mit Anhängern Grillos, den "grillini" statt.

Haben Sie eine Lieblingsfarbe?

Früher benutzte ich gerne Erdpigmente wie den tiefgelben Ocker von Terra di Siena und Azurblau. Ich habe sogar Gold verwendet. Heute male ich meist mit Acrylfarben. Ich mag Hellblau, Rot, Orange, Violett.

Welche Rolle spielt die Malerei beim Entwurf für ein Theaterstück?

Alles fängt mit einer Skizze an. Dann male ich die geplante Szene, die verschiedenen Figuren und ihre Kostüme. Erst dann schreibe ich das Stück. Zuletzt kommt die Inszenierung. Ich male nie um des Malens willen. Es gibt immer einen ganz praktischen Grund.

Kann der Akt des Malens eine therapeutische Wirkung haben?

Ich habe oft die Erfahrung gemacht, dass sich schon beim Anlegen einer neuen Arbeit mein psychophysischer Zustand veränderte. Es ist eine starke emotionale Erfahrung, ein Violett, ein Orange oder ein Grün auf die Leinwand zu bringen. Man hat dabei ein ähnliches Gefühl wie beim Singen.

Sie unterstützen die Fünf-Sterne-Bewegung von Beppe Grillo und seine Forderung nach einer radikalen Kur für Italien. Welche Farbe würden Sie den "grillini" geben?

Ich würde sie als Buntheit malen, also in Farben der maximalen Sättigung, wie die Regenbogenfarben. Ganz klar bewegen sich die "grillini" außerhalb der Regeln. Sie haben sich noch nicht festgelegt, sind noch im Werden begriffen. Sie sind wie ein Wein, der noch nicht ausgegoren ist. Wir müssen nur noch etwas abwarten.

Und in der Zwischenzeit geht es mit Italien weiter bergab. Im April ist es Enrico Letta endlich gelungen ein breites Koalitionsbündnis zu bilden. Aber die Grillini unterstützen es nicht, sondern arbeiten sogar auf den Zusammenbruch des politischen Systems hin. Ist das nicht verantwortungslos?

Nein, die alte politische Klasse muss endlich unter die Erde. Diese Regierung unter Letta ist eine wandelnde Leiche (un morto che cammina). Leider machen die Sozialdemokraten da mit. Die Linke hat ja völlig die Orientierung verloren, sie hat überhaupt keine Identität mehr. Ihre Vertreter kommen mir vor wie Insekten, die ihre Antennen verloren haben. Es würde genügen, dass sich alle wirklich ernsthaften Sozialdemokraten von ihrer Partei distanzieren und das Programm der Fünf-Sterne-Bewegung unterstützen. Die Grillini sind ja immerhin die drittstärkste politische Kraft in Italien. Wir haben uns 25 Prozent der Stimmen geholt.

Nehmen wir einmal an, sie bekämen die absolute Mehrheit. Was wäre dann die erste Maßnahme?

Zuallererst müssten Gesetze verabschiedet werden, die seit endloser Zeit anstehen, wie das Gesetz, das den Gewissenskonflikt regelt und die Wahlreform. Wenn so die Basis geschaffen ist, können wir einen neuen Anfang machen.

DARIO FO. Malerei 1945–2012

Die Galerie, Frankfurt am Main, bis 31. August,
http://www.die-galerie.com/

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