Lieblink

Whitehot Magazine

Lieblink: Whitehot Magazine

LIEBLINK: WHITEHOT MAGAZINE

Jeden Dienstag präsentieren wir Ihnen einen neuen Klicktipp. Diesmal: das Online-Kunstmagazin "Whitehot Magazine". art sprach mit dem Gründer Noah Becker über Idee, Konzept und die Zukunft des Magazins.
// WIEBKE GRONEMEYER

Herr Becker, vor etwa einem Jahr haben Sie "Whitehot Magazine" gegründet? Wieso brauchen wir noch ein Kunstmagazin?

Noah Becker: Ich habe das Magazin aus Interesse an der Vielfalt zeitgenössischer Kunst gegründet. Es passiert noch so viel mehr an den verschiedensten Orten der Welt, als dass die Kunstmagazine umfassend darüber berichten können. Aus der Perspektive eines Künstlers bin ich zu dem Schluss gekommen, dass nicht genug über die Möglichkeiten der Kunstproduktion informiert wird. Und ich glaube jetzt noch immer, dass es viele nennenswerte Projekte gibt, über die nicht geschrieben wird.

Was ist also so neu an "Whitehot Magazine", und was macht es anders als andere Kunstmagazine?

Wir könnten versuchen, uns mit anderen Internet-Magazinen zu vergleichen, doch der Vergleich hinkt, denn die meisten bauen auf einem schon existierenden Printmedium auf. Viele Online-Kunstmagazine beschäftigen sich mit Auktionsergebnissen und führen Künstlerdatenbanken, doch wir sind an solchen Statistiken nicht interessiert. Wir versuchen vor allem von Projekten zu berichten, die nicht im zentralen Fokus des Kunstbetriebs stehen. So entwickeln wir unsere eigene Perspektive. Unser Fokus liegt auf Ausstellungskritiken und Interviews mit Künstlern und in diesem Rahmen bewegen wir uns.

Sie selbst sind Künstler und Musiker, wer steht noch hinter "Whitehot Magazine"?

Wir sind mehr als 130 Journalisten, die in den verschiedensten Metropolen dieser Welt leben. Einige sind wie ich selbst Musiker, Künstler oder Kuratoren; aber die meisten sind junge Journalisten, die auch für andere internationale Kunst- und Kulturmagazine arbeiten.

Und wie funktioniert diese Community?

Am Anfang habe ich mit einigen gut vernetzten Kuratoren und Journalisten zusammengearbeitet, und durch sie ist auch das Magazin gewachsen. Im letzten September haben wir das Magazin in New York vorgestellt und an einem Wochenende mit über 20 Galerien der New Yorker Lower East Side zusammengearbeitet, das als Kunstviertel zu dieser Zeit wiederauferstanden ist. Wir haben über die Galerien berichtet und dort Interviews mit Künstlern und Kuratoren geführt. Ein ähnliches Event haben wir auch bereits in San Francisco veranstaltet.

Was sind Ihre Visionen für die Zukunft?

Ich möchte das Magazin noch weiter ausbauen. Ende letzten Jahres waren wir auf der New Art Dealers Alliance (NADA) Art Fair in Miami vertreten – und demnächst wollen wir eine erste Printausgabe mit ausgewählten Artikeln herausgeben.

Woher kommt eigentlich der Name "Whitehot Magazine"?

Ich habe mich von dem Song "White Light, White Heat" von der Band "Velvet Underground" inspirieren lassen. Für ein Online-Kunstmagazin kann man fast jeden Namen wählen. Während meiner Recherchen damals habe ich diese Musik oft gehört. Außerdem fand ich die Assoziation mit der Farbe Weiß für die weißen Wände, dem "White Cube" des Galerie- und Museumsbetriebs, sehr passend. So habe ich mich nach mehreren Monaten der Recherche eben für diesen Namen entschieden.

Haben Sie auch einen "Lieblink"?

Irgendwann haben mich Webseiten wie Myspace.com und Facebook.com sehr gelangweilt. Dort ist es ungemein schwierig sich über aktuelle Kunst zu informieren, weil sie durch die vielen Benutzer so unübersichtlich werden. Ich wollte eine Plattform ins Leben rufen, die diese Informationen bieten kann. Als junger Künstler an einer Hochschule oder Akademie ist man oft von der Verherrlichung des Kunstbetriebs in den Medien überwältigt. Ich wollte eine Plattform schaffen, die eben über das informiert, was gerade passiert, so dass junge Menschen die Möglichkeit haben, sich darüber auszutauschen. Müsste ich einen Link nennen, dann würde ich wohl Youtube.com nennen. Für die Verbreitung von Musik ist es ideal, aber es finden sich auch auch immer mehr gute Videokunstprojekte dort.

Zahlen, bitte: Gründungstag? 4. März 2007. Mitarbeiter? Hinter den Kulissen arbeiten ungefähr 20 Leute. Zusammen mit den 130 Journalisten kommen wir auf ein Team von 150! Besucher? seit Lancierung des Magazins haben uns mehr als 500 000 Leser besucht.

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