Künstlernachlässe - Bonner Stadtarchiv

Gegen das Verschwinden

Das 2008 eröffnete Rheinische Archiv für Künstlernachlässe in Bonn beherbergt bereits 20 Nachlässe von Künstlern aus der Region. Die fachgerechte Erhaltung soll somit gesichert werden und das Archiv der Förderung der Wissenschaft dienen.
In trockenen Tüchern:Archiv für Künstlernachlässe in Bonn eröffnet

Nachlass Carl Schneiders, Foto von Mai 1922 aus der Zeit am Bauhaus Weimar. Links, sitzend: Carl Schneiders, rechts mit Kind auf dem Arm: Oskar Schlemmer, sitzend mit Hund: Tut Schlemmer

Manche Fehlstelle wird einem erst bewusst, wenn sie geschlossen wurde. So widmen sich zwar zahlreiche Institutionen den nachgelassenen Werken bildender Künstler, ihr biografisches Vermächtnis, also Tagebücher, Briefe und Dokumente, geht dagegen häufig verloren. Gerade bei regional bekannten Künstlern gibt es hier Nachholbedarf, da die Erben mit einer fachgerechten Pflege und Lagerung des Nachlasses nicht selten überfordert sind.

Aus dem Kreis betroffener Familien kam auch die Anregung zur Gründung des Rheinischen Archivs für Künstlernachlässe in Bonn. Seit dem 1. August letzten Jahres ist die im Bonner Stadtarchiv beheimatete Stiftung bürgerlichen Rechts der Öffentlichkeit zugänglich, 20 Nachlässe werden derzeit im Haus betreut, darunter die persönlichen Dokumente von Carl Schneiders und Günter Ferdinand Ris.

Das von Daniel Schütz geleitete Archiv hat sich die Ermittlung und Akquirierung von Künstlernachlässen zur Aufgabe gestellt, deren fachgerechte Erhaltung und Erforschung sowie die Beratung von Künstlern, Erben und Nachlassverwaltern. Der Wirkungskreis ist auf den rheinischen Raum beschränkt, laut Schütz sind aber bereits Anfragen aus dem gesamten Bundesgebiet bei ihm eingegangen. Wissenschaftlich arbeitet das Archiv mit den kunsthistorischen Instituten von Bonn und Düsseldorf zusammen, weitere Kooperationen sind geplant. Didaktische Ausstellungen und eine ständige Präsentation der Künstler im Internet sollen die Arbeit in der Öffentlichkeit repräsentieren. Finanziert wird die Stiftung von der Industriellenwitwe Marianne Lemmerz, die mit dem 1987 verstorbenen Maler Willy Maria Stucke befreundet war und die Nachlass-Problematik aus eigener Anschauung kennt.

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