Durch den Monat mit: - Robert Fleck

Durch den Monat mit: Robert Fleck

In unserer neuen Serie präsentieren Kunstprofis jeden Monat für art ihre persönlichen Höhepunkte. Den Auftakt macht: Robert Fleck, Intendant der Bundeskunsthalle Bonn.
Biennale und Tour de France:Kunstprofis präsentieren ihre Höhepunkte des Monats

Robert Fleck, 1957 in Wien geboren, ist Intendant der Bundeskunsthalle in Bonn. In den neunziger Jahren war er Paris-Korrespondent von art. Gerade ist seine Geschichte der Biennale von Venedig im Philo Fine Arts Verlag erschienen.

Meine erste Empfehlung gilt selbstverständlich der Biennale von Venedig. Sie ist und bleibt die wichtigste Kunstveranstaltung der Welt. Mit Liam Gillick stellt in diesem Sommer zum ersten Mal ein nichtdeutscher Künstler als alleiniger Vertreter der Bundesrepublik im deutschen Pavillon aus. Auf der Rückreise aus Venedig ist ein Kleinod zu empfehlen: die Paarung der beiden Ausstellungen von Franz West und Alberto Giacometti in der Fondation Beyeler in Riehen bei Basel. West ist nicht nur einer der prägenden Bildhauer der Gegenwart, sondern auch in ähnlicher Weise obsessiv an der immer gleichen Figur in unzähligen Variationen tätig wie Alberto Giacometti, dessen Werk immer schon ein heimlicher Bezugspunkt für West war.

Eine ähnliche Paarung ist im Juli in Berlin zu sehen: Ernst Wilhelm Nay, nach der längst fälligen Wiederentdeckung in der Schirn-Kunsthalle nun im Haus am Waldsee; und Imi Knoebel, einer der prägendsten und beharrlichsten deutschen Künstler mit einem unverwechselbaren Werk seit den siebziger Jahren, in der Neuen Nationalgalerie. Wenn Sie beide Ausstellungen in kurzem Abstand besuchen, können Sie erahnen, in welcher Form der Kolorismus, die Konzeption der Malerei aus der Farbe heraus, in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts geradezu nochmals explodierte. Für Juli habe ich zwei Ausstellungen in Paris fest auf dem Plan. "Calder in Paris" (Centre Pompidou) zählt zu den hinreißendsten Schauen der letzten Jahre. Dazu die Neuaufstellung der großartigen Sammlungsbestände des Centre Pompidou, in der zum ersten Mal nur Frauen vertreten sind. Alfred Pacquement, der Direktor des Museums, beschließt damit eine Reihe von neuen Blicken auf die Sammlung, in deren Rahmen die Gegenüberstellung von Malerei und projiziertem Bild den Blick auf die Kunst des 20. Jahrhunderts erneuerte.

Da ich in den Ferien Richtung Atlantik fahre, will ich die erste Präsentation der Sammlung von François Pinault in Dinard besuchen – das Haus liegt dort, wo Picasso in den zwanziger Jahren seine berühmten Strandbilder malte. Dann aber mache ich Urlaub vom Museum. Auch wenn es jetzt anrüchig ist, sehe ich täglich die Tour de France, weil man so Frankreich kennen lernt und weil ein früherer Trainingspartner aus meinen Jahren in der Bretagne, Christophe Le Mével, Chancen auf eine Platzierung unter den ersten 20 hat. Dem drücke ich dann die Daumen.