Gib mir fünf! - Tipps der Woche

Die fünf Tipps der Woche

Jede Woche stellen wir Kunst-Höhepunkte vor, die Sie nicht verpassen dürfen. Diesmal: digitale Weltkarten, magische Architektur und "Guckkästen"

Valie Export: "Zeit und Gegenzeit"

"Tapp und Tastkino", "Aktionshose: Genitalpanik" oder "Body-Sign-Action" – das sind die Frühwerke, die die österreichische Künstlerin Valie Export weltbekannt machten.

Ihr umfangreiches Werk reicht von Medien-Installationen über experimentelle Filme hin zu Performances. Das Belvedere in Wien und das Lentos Kunstmuseum in Linz würdigen der 1940 geborenen Künstlerin die Doppelausstellung „Zeit und Gegenzeit“. Die beiden sich ergänzenden Ausstellungen sind nach Werkgruppen angeordnet. Dabei sind Prozess und Zeitlichkeit, Schnitt und Montage, Körper, Sprache oder auch gesellschaftliche Strukturen ablesbar. Besonders die insgesamt weniger bekannten, vielfach großformatigen jüngeren Arbeiten sollen präsentiert werden, um so eine neue Perspektive auf das Oeuvre Valie Exports zu ermöglichen. Der Künstlerin gelingt es, für ihre Motive immer wieder aktuelle Inhalte und eine neuartige Formsprache zu finden. (16. Oktober 2010 bis 30. Januar 2011, Wien / 17. Oktober 2010 bis 30. Januar 2011, Linz)

Europäischer Monat der Fotografie, Berlin

Zum vierten Mal startet der Europäische Monat der Fotografie in der Hauptstadt und kommt mit einigen Neuerungen daher: Aufgrund der zeitlichen Parallele zum Berliner Kunstherbst erstreckt sich das Event in diesem Jahr über einen Zeitraum von sechs Wochen und legt mit der verbindlichen Themenvorgabe „Moderne Zeiten, neue Bilder“ den Fokus auf die Fotografie als modernes Medium. Der Veranstaltung soll somit ein konkreteres Profil gegeben werden. Dreh- und Angelpunkt des Festivals wird die Berlinische Galerie mit einem breiten Ausstellungsangebot sein. Das Themenspektrum reicht von Modefotografie bis Technik. Nicht verpassen sollte man die Ausstellung: „Topographies of the Insignificant“ des Künstlerduos Anders Bojen und Kristoffer Ørum (Dänemark), die mit ihrer digitalen Weltkarte den Bogen zu den anderen Teilnehmerstädten Bratislava, Luxemburg, Paris und Rom schlagen. Der Beginn der Veranstaltung wird mit der Verleihung des Hannah-Höch-Preises an Arno Fischer am 14. Oktober in der Berlinischen Galerie begangen.
(15. Oktober bis 28. November 2010)

Kunstsammlungen Chemnitz: „Labor/ Laboratory“

Die Kunstsammlungen Chemnitz, kürzlich zum „Museum des Jahres 2010“ ernannt, verkündet in Kooperation mit SALT Beyoğlu, Istanbul und dem Kunstmuseum Stuttgart die stolzen Gewinner des ars viva-Preises zum Thema Labor/ Laboratory für den Bereich Bildende Kunst des Kulturkreises der deutschen Wirtschaft e. V. Die Ausstellung, die nun in erster Station in Chemnitz zu sehen ist, zeigt die Ergebnisse des kreativen Kunstlabors: Die Preisträger experimentieren mit verschiedenen Techniken, chemischen, teils flüchtigen Stoffen oder lassen ihre Werke vom Zufall beeinflussen. Klara Hobza zeigt performative Versuchsanordnungen, Markus Zimmermann erforscht mit seinen „Guckkästen“ die räumliche Wahrnehmung auf sinnliche Weise, Nina Canell und Andreas Zybach überzeugten durch ihre experimentellen Installationen mit poetischem Charakter. (17. Oktober 2010 – 16. Januar 2011, Chemnitz / 9. April bis 1. Juni 2011, Istanbul / 18. Juni – 23. Oktober 2011, Stuttgart)

Julius Shulman: „Cool and Hot“

Hoch über dem funkelnden Los Angeles schwebent: ein minimalistischer Glaskasten, darin zwei Frauen in Cocktailkleidern. Eine der bekanntesten Fotografien des Amerikaners Julius Shulman, durch die das „Case Study House Nr. 22“ des kalifornischen Architekten Pierre Koenig weltbekannt wurde. Am 10. Oktober hätte Shulman seinen 100. Geburtstag gefeiert. Aus diesem Anlass präsentiert ZEPHYR – Raum für Fotografie in Mannheim ab dem 17. Oktober die europaweit größte Ausstellung seines Lebenswerks. Bekannt wurde der Architekturfotograf mit Aufnahmen aus der Nachkriegszeit und der Kennedy-Ära. Die Ausstellung „Cool and Hot“ ist nicht retrospektiv angelegt, sondern gliedert Shulmans Aufnahmen thematisch und nähert sich seinem ganz eigenen Stil der Architekturfotografie an. Nichts in seinen Bildern bleibt dem Zufall überlassen. Über seine Arbeit sagte er einmal: „Ich verändere die Architektur nicht, sondern lege eine Qualität hinein, die sie magisch erscheinen lässt.“ (bis 20. Februar 2011)

Markus Amm: "Frischzelle_13"

Welche Möglichkeiten hat die ungegenständliche Kunst? Dieser Frage geht der in London lebende Künstler Markus Amm in der dreizehnten „Frischzelle“ im Kunstmuseum Stuttgart nach. Zu sehen sind Arbeiten aus fünf verschiedenen Werkgruppen und Wandmalerei. Den gebürtigen Stuttgarter kennzeichnet eine minimalistische Formsprache sowie eine Vielfalt an Techniken. Amm wechselt zwischen großen und kleinen Formaten, Collagen, Ölgemälden und Fotogrammen, für die er Objekte direkt auf das Fotopapier legt und es als Negativschein abbildet. Eine ähnliche Technik des Künstlers ist das Luminogramm, bei dem er ganz auf Objekte verzichtet und nur noch mit Licht arbeitet. Beispielsweise wenn er das Fotopapier in unterschiedlichen Variationen faltet und es dann belichtet. Es ist ein Spiel mit der Illusion, durch welche der junge Künstler Fragen über die Möglichkeiten von Malerei eröffnet. (16. Oktober bis 12. Dezember 2010)