Gib mir fünf - Tipps der Woche

Die fünf Tipps der Woche

Jede Woche stellen wir Ihnen Kunst-Höhepunkte vor, die Sie sich nicht entgehen lassen sollten. Diese Woche empfiehlt art-Autorin Sanja Brandt alte Villen in Braunschweig, Naturkatastrophen auf Föhr und Joan Mitchell in München.

Braunschweig: "Certain Arrangements" von Jochen Schmith

Ein Haus gegen drei Blumenzwiebeln: Solche absurden Tauschwerte kamen während der Tulpenmanie in Holland Ende des 16. Jahrhunderts zustande. In der Ausstellung des Künstlerkollektivs Jochen Schmith erinnert lediglich ein Tulpenstrauß am Empfang des Braunschweiger Kunstvereins (Lessingplatz 12) an diese wirtschaftliche Ausnahmezeit.

In "Certain Arrangements" beschäftigen sich Carola Wagenplast, Peter Hoppe und Peter Steckroth mit der Wertigkeit von Dingen und Orten. Durch die Markierungen geschichtsrelevanter Plätze in der frühklassizistischen Villa Salve Hospes, in der der Braunschweiger Kunstverein ansässig ist, macht das junge Künstlertrio auf bauliche Veränderungen aufmerksam und bringt diese gleichzeitig in ein Verhältnis zu heutigen gesellschaftlichen Konstruktionen: So zeugen zerkratze Türknäufe einer Edelboutique von den Ringen an den Fingern reicher Käufer oder Lichtprojektionen an den Wänden von ehemaligen Dienstbotenzugängen. Interessierte Besucher können vom 27. Februar bis zum 9. Mai auf diese Entdeckungsreise gehen.

Hamburg: "Gastspiel I, neues aus Berlin und Leipzig" von vier Malern

Vier Künstler, vier Generationen, vier Malstile: Die Galerie Anne Moerchen in Hamburg (Milchstraße 6a) zeigt vom 25. Februar bis zum 16. April unter dem Motto "Gastspiel I, neues aus Berlin und Lepzig" vier Künstler, die sich auf ganz unterschiedliche Weise der Malerei widmen. Herausgekommen ist ein Rundumschlag der Themen und Techniken moderner Malerei. Gesellschaft, Sport, Politik – mit diesen Themen behauptet sich Christian Awe am internationalen Kunstmarkt: Der ehemalige Graffitisprayer aus Berlin (geboren 1978) hat bei Georg Baselitz und Daniel Richter studiert und im Laufe der Zeit eine eigene Technik des Abkratzens von Acryl- und Lackschichten entwickelt. Das Hauptanliegen des 1954 geborenen Berliners Tom Fleischhauers ist es alltägliche Momentaufnahmen einzufangen und in schwarzweißen Gemälden wiederzugeben, um den Takt des Lebens, von pulsierend bis melancholisch, zu spüren. Auch Jörg Lohse (geboren 1967) setzt auf das Alltägliche, jedoch verarbeitet der Leipziger den Trash unserer Gesellschaft gepaart mit ein wenig Sexappeal. Perfektionistisch widmet sich Sebastian Schrader seinen Ölbildern, in denen er ger große Themen der Kunstgeschichte aufgreift.

Föhr: Doppelausstellung mit Fiona Tan und Kirsten Klein

Der Wind weht, feiner Sand wirbelt umher, Salzgeruch liegt in der Luft: Das raue Klima der Nordseeinsel Föhr bietet die passende Kulisse zu einer Doppelausstellung im Museum Kunst der Westküste in Alkersum. Präsentiert werden vom 28. Februar bis zum 25. Mai Fotos und Videos der Dänin Kirsten Klein und der Niederländerin Fiona Tan. In ihrem Filmprojekt "News from near future" widmet sich Fiona Tan dem Verhältnis zwischen Mensch und Wasser. Die 44-Jährige greift die Ambivalenz des Elements auf und formuliert damit eine Metapher für zukünftige Weltkatastrophen: Von idyllischen, ruhigen Wasserimpressionen gehen ihre Bilder in reißend hohe Wellen und überflutete Städte über. Grundlage zu diesem Film sind Archivalien aus dem Amsterdamer Filmmuseum, die sie mit Berichten im alten Nachrichtenstil klanglich unterlegt hat. Um Naturgewalten geht es auch in den Fotos von Kirsten Klein: In der Ausstellung "Spuren des Lichts" zeigt die 65-Jährige unberührte wilde Natur fern ab von Menschen. Die schwarzweißen Bilder erzählen von Wolkenformationen, Naturphänomenen und den Weiten des Meeres.

München: Joan Mitchell "the roaring fifties"

Jackson Pollock, Willem de Kooning, Franz Kline: große Namen der "New York School". Doch in den männerdominierten Avantgardekreisen setze sich auch eine Frau durch: Joan Mitchell. Die 1925 in Chicago geborene Künstlerin malte im Stil des abstrakten Expressionismus. Während ihrer Schaffenszeit pendelte Joan Mitchell viel zwischen den USA und Paris: Die Eindrücke verarbeitete sie ebenso in ihren Bildern, wie die damals gerade Aufblühende New Yorker moderne Jazzszene. Besonders dominierend sind ihre starken Pinselstriche, die ihrem Werken Lebendigkeit verleihen. Mit "The roaring fifties" zeigt die Galerie Thomas Modern (Türkenstraße 16) vom 26. Februar bis zum 15. Mai vor allem Mitchells Werke aus den fünfziger Jahren.

Düsseldorf: Ana Torfs, Werkschau

Das Ständehaus der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf (Ständehausstraße 1) öffnet seine Pforten am 27. Februar nach langen Renovierungsarbeiten. Den Auftakt gibt bis zum 18. Juli eine Werkschau der Künstlerin Ana Torfs. Die Belgierin montiert in Ihren Foto und Videoarbeiten Orte, Personen und Stimmen zusammen und lässt dadurch neue Welten entstehen. Die 47-Jährige zitiert in Ihren Projekten gern historisch wichtige Ereignisse und Personen. Als Arbeitsmaterial dienen der Künstlerin alte Dokumente und Akten, wie zum Beispiel aus der Geschichte Jeanne d`Arcs oder dem Mordprozess von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht. Um sich von den realen, historischen Ereignissen zu distanzieren, inszeniert Torfs ihre Darsteller sachlich und nüchtern. In ihrer neusten Dia-Installation begab sie sich auf die Spuren des großen italienischen Filmemachers Roberto Rossellini und versuchte, seine Ästhetik mit Aufnahmen der schwedischen Insel Gotland einzufangen.