Lawrence B. Salander - Kunstbetrug

Ich schäme mich zutiefst

Laut Anklage handelt sich um den größten Kunstbetrug in der Geschichte New Yorks: Der US-Kunsthändler Lawrence B. Salander soll mit betrügerischen Geschäften einen Schaden von rund 120 Millionen Dollar angerichtet haben.
"Ich schäme mich zutiefst":Der größte Kunstbetrug in der Geschichte New Yorks

Der Kunsthändler Lawrence B. Salander wird im New Yorker Gerichtsgebäude Gebäude abgeführt

"Ich schäme mich zutiefst und entschuldige mich für meine Handlungen." Mit diesem Schuldgeständnis fand die Karriere eines bekannten New Yorker Kunsthändlers ihr wohl endgültiges Ende: Lawrence B. Salander hat Kunden wie die Nachlassverwaltung von Künstler Robert deNiro, Vater von Hollywood-Star Robert de Niro, oder Tennis-Legende John McEnroe betrogen. Der Schwindel flog auf, als McEnroe eine Anzahlung von mehr als zwei Millionen Dollar für zwei Arbeiten von Arshile Gorky leistete und feststellen musste, dass die Werke gar nicht zum Verkauf standen, sondern bei einem Sammler an der Wand hingen.

Mit betrügerischen Geschäften wie diesem soll Salander einen Schaden von insgesamt 120 Millionen Dollar angerichtet haben. Anteile an Arbeiten verkaufte er in manchen Fällen an drei Parteien gleichzeitig. Laut Anklageschrift soll er Geschäftsberichte und Dokumente gefälscht, Zahlungen nicht weitergeleitet, Arbeiten ohne Genehmigung angeboten und Werke, die er nicht einmal besaß, als Sicherheit für einen Kredit eingesetzt haben. Die zur "Bank of America" gehörige "First Republic"-Abteilung lieh der Galerie seit 2002 30 Millionen Dollar – und einige Geschädigte fragen sich, ob die Bank von Salanders Geschäftspraktiken gewusst hat. Mehr als 400 Privatleute und Unternehmen haben bei Gericht Forderungen eingereicht, um ihr Geld oder ihre Kunst zurückzubekommen.

Vor Gericht erschien er als gebrochener Mann

Laut Anklage handelt sich um den größten Kunstbetrug in der Geschichte New Yorks. Um seinen extravaganten Lebensstil zu finanzieren, zu dem eine Party für seine Gattin mit Kosten von 60 000 Dollar oder Flüge in Privatjets zählen, machte Salander Freunde und Kunden zu seinen "persönlichen Sparschweinen", so der Staatsanwalt. In einem Fall soll er bei Sotheby’s eine halbe Million Dollar für Schmuck ausgegeben haben, während er Geschäftspartnern versicherte, nicht einen Penny für die Rückzahlung seiner Schulden zu besitzen.

Die Salander–O’Reilly Gallery, eine der größten New Yorker Privatgalerien, residierte in einem Town House auf der Upper East Side, für das der Kunsthändler 154 000 Dollar Miete im Monat zahlte. Noch 2003 hatte das Luxury Lifestyle Magazine seine Galerie zur weltweiten Nummer eins erklärt. Vier Jahre später wurde sie geschlossen. Salander meldete mit Schulden von 50 Millionen Dollar Konkurs an. Seine Mitarbeiterin und Leiterin der Galerie wurde ebenfalls des Betruges angeklagt und Salander schließlich festgenommen. Gegen eine Kaution von einer Million ließ man ihn jedoch wieder frei. Der 60-Jährige zog sich in sein Landhaus in Upstate New York zurück, wo er immerhin in einer Galerie arbeitete. Vor Gericht erschien er als gebrochener Mann. Von Alkoholproblemen war die Rede. Weges eines Schlaganfalls war der Angeklagte vor einiger Zeit in ein Krankenhaus eingeliefert worden.

Ein Wohltäter soll Salanders Frau und Kinder mit der großzügigen Summe von 25 000 Dollar im Monat unterstützen und angeboten haben, Salanders Landsitz in Upstate für 5,1 Millionen Dollar zu übernehmen und die Familie dort weiter wohnen zu lassen. Sechs bis 18 Jahre hinter Gittern erwarten den Kunsthändler. Das endgültige Strafmaß wird davon abhängen, wie viel Geld an die Geschädigten zurückgezahlt werden kann. Ein Teil des Galerie-Inventars soll im Juni bei Christie's unter den Hammer kommen.