Beutekunst - St. Petersburg

Nach Eklat die Sensation: Putin und Merkel eröffnen Beutekunst-Schau

Nach dem Besuch von Kanzlerin Merkel in St. Petersburg sieht sich Russland weiter als Sieger. Die von ihr geforderte Rückgabe der Beutekunst prallte an ihrem Gastgeber Putin ab. Der Lärm um diese Ausstellung mit den Kulturschätzen zog zunächst wenig Besucher an.
Nach Ausstellungseröffnung:Putin und Merkel eröffnen Beutekunstschau

Diplomatisches Lächeln beim Ausstellungsbesuch: Russlands Premierminister Wladimir Putin und Bundeskanzlerin Angela Merkel in der Ausstellung "Bronzezeit – Europa ohne Grenzen"

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) findet mit ihrer Forderung nach Rückgabe der von Sowjetsoldaten nach 1945 verschleppten Beutekunst in Russland kein Gehör. Russische Medien berichteten am Samstag nach einem Besuch von Merkel in der Eremitage in St. Petersburg nicht über die deutschen Ansprüche auf die dort gezeigten Kunstschätze.

Zu Wort kam ausschließlich Kremlchef Wladimir Putin, der eine Rückgabe von Kulturgütern kategorisch ablehnte. Russland sieht die Kunstschätze als Entschädigung für Verluste im Zweiten Weltkrieg. "Was ist es für ein Unterschied für einen einzelnen Bürger, wo er diese verlagerten Kostbarkeiten sieht?", sagte Putin laut einem vom Kreml veröffentlichten Redebeitrag.

Das Zuschauerinteresse an der Ausstellung "Bronzezeit – Europa ohne Grenzen" hielt sich am Samstag zunächst in Grenzen. Es gab nur wenige Besucher am Vormittag.

Nach einigen Unstimmigkeiten bei Terminabsprachen hatten sich Merkel und Putin am Freitag auf dem St. Petersburger Wirtschaftsforum doch noch entschieden, die Ausstellung zu besuchen. Zunächst hatte die deutsche Seite mitgeteilt, dass Merkel die Eröffnung abgesagt habe, weil sie nichts habe sagen dürfen.

Aber nach einigem Hin und Her eröffneten beide zumindest gemeinsam die große Bronzezeit-Ausstellung mit viel Beutekunst in der weltberühmten Eremitage. Aus deutscher Sicht ist das eine handfeste Sensation. Immerhin werden teils bisher noch nicht gezeigte Beute-Kunstschätze, die Deutschland wiederhaben will, bis zum 8. September ausgestellt.

Zwar machte Putin klar, dass er das Kapitel nicht öffnen wolle: Das heißt, dass die Kunstschätze in Russland bleiben. Er sei dafür, dass deutsche und russische Museumsexperten abseits der Politik sich wissenschaftlich mit den Kulturgütern befassen. Und so gilt vor allem die Ausstellung "Bronzezeit - Europa ohne Grenzen" als krönender Abschluss des Deutschlandjahres.

Doch der Streit um die Kulturschätze, die Sowjetsoldaten nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland beschlagnahmten und verschleppten, bleibt. Das zeigt auch die Tatsache, dass sich das Museum von Anfang an jeden politischen Lärm verbat - und das Projekt insgesamt fast wie ein Staatsgeheimnis hütete.

Die Beutekunst-Exponate machen den Großteil der Schau aus - insgesamt 600 der 1700 Gegenstände. Zu sehen in der Eremitage ist etwa der von Deutschland begehrte Goldschatz von Eberswalde. Abseits politischer Emotionen wollen hier deutsche und russische Experten vor allem erstmals wieder eine geschlossene Sammlung zur Bronzezeit präsentieren. Dabei half ihnen, dass es um die Beutekunst zuletzt ruhiger geworden war. Trotzdem konnte wohl keiner erwarten, dass Merkel schweigt zu dem Reizthema.

Immerhin hatte die Sowjetunion zu DDR-Zeiten etwa an die Dresdner Gemäldegalerie in großem Stil wichtige Kunstschätze zurückgegeben. Beweglich zeigte sich Putin zuletzt auch bei der Rückgabe der Fenster an die Frankfurter Marienkirche. Doch die Verhandlungen über weitere Gegenstände - wie etwa die so bezeichnete Baldin-Sammlung aus Bremen - kommen nicht voran.

Als Angela Merkel dann doch ihr Grußwort mit der Forderung nach Rückgabe der Kulturschätze hielt, wurde darüber von russischen Medien nicht berichtet. "Wir sind der Meinung, dass diese Ausstellungstücke wieder zurück nach Deutschland kommen sollen", sagte Merkel. Sie sollten den Eigentümern oder deren Rechtsnachfolgern zurückgegeben werden.

Der russische Präsident forderte dagegen, dem Beispiel der deutschen und russischen Museumsforscher zu folgen und abseits von Emotionen und Politik zusammenzuarbeiten. Putin nutzte den Ausstellungstitel "Europa ohne Grenzen" zudem, um noch einmal nachdrücklich für Visafreiheit zu werben. Auch mit Blick auf andauernde Menschenrechtsverletzungen in Russland zögert der Westen bisher mit einer Aufhebung der Visumspflicht.

Der Politologe Eberhard Schneider plädierte im Deutschlandradio Kultur für eine Doppelstrategie gegenüber Russland. Deutschland sollte einerseits seine Handelsbeziehungen ausbauen und gleichzeitig Probleme ansprechen, sagte der Professor an der Universität Siegen am Samstag. Die Unstimmigkeiten rund um die Beutekunst-Schau hätten gezeigt, wie gereizt der Kreml inzwischen auf alles reagiere, was aus Deutschland komme und Russland betreffe. "Beide Seiten waren wahrscheinlich so vernünftig einzusehen, dass es besser ist, eine Einigung herbeizuführen und hier nicht vor aller Weltöffentlichkeit einen Eklat darzustellen", sagte Schneider.

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