Museumsschließung - Hamburg

Ein Sündenfall

Hamburgs Galerie der Gegenwart wurde zu großen Teilen geschlossen – geht es dabei nur um das Auswechseln von Brandschutzklappen oder auch um Einsparungen?
Empörung:Geht es nur um Brandschutzklappen oder auch um Geld?

Zu großen Teilen geschlossen: Hamburgs Galerie der Gegenwart, der 1997 eingeweihte Kunstkubus des Architekten Oswald Mathias Ungers

„Ein Armutszeugnis“, „ein Sündenfall“ ... Die kunstsinnigen Bürger der Hansestadt sind empört: Laut Anordnung der Kulturbehörde wurden am Dienstag der erste, zweite und dritte Stock der Galerie der Gegenwart der Hamburger Kunsthalle geschlossen, angeblich um defekte Brandschutzklappen in dem 1997 eingeweihten Erweiterungsbau von Oswald Mathias Ungers auszuwechseln. Allerdings könnte durch die Schließung, die bis Oktober geplant ist, auch ein Defizit des Museums in Höhe von rund 200 000 Euro getilgt werden, wie es die Stadt von dem chronisch mit roten Zahlen kämpfenden Haus fordert. Denn abgesehen vom Sockelgeschoss mit dem Restaurant, das von den Instandsetzungsarbeiten unberührt bleibt, ließen sich in den übrigen drei Geschossen die Kosten für Reinigungskräfte, Energie, Heizung und Klimaanlage für die Dauer der Schließung einsparen. Für Hubertus Gaßner, im Urlaub von der Hiobsbotschaft überraschter Direktor der Kunsthalle, sind diese Einsparungen denn auch der wahre Grund für die Schließung. Mit dieser Ansicht steht er nicht allein. „Die falsch montierten Brandschutzklappen stellen keine akute Gefährdung der Sicherheit dar, die eine Schließung notwendig machen würde“, erklärte erst kürzlich der für Brandschutz zuständige Sachgebietsleiter für Gebäudetechnik in der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt, Bernhard Müller, gegenüber dem Hamburger Abendblatt. Zumachen also, um zu sparen?

Hamburgs Kultursenatorin Karin von Welck bestreitet dies energisch. Gegenüber a r t erklärte sie am Mittwoch: „Aus Kostengründen dürfte die Galerie der Gegenwart aus meiner Sicht in keinem Fall temporär geschlossen werden. Uns wurde vom Vorstand der Kunsthalle (in dem der Direktor und der geschäftsführende Leiter sitzen/ Anm. der Redaktion) jedoch mitgeteilt, dass der Austausch der Brandschutzklappen nicht aufschiebbar sei. Da müssen wir unsere Verantwortung wahrnehmen und handeln.“

Sollte die Kunsthalle am Ende sich selbst die Schließung eingebrockt haben? Allein, das Wort der Senatorin überzeugt viele Zweifler nicht. „Das ist ja ein Sündenfall. Dann kann das der Schritt zu einer weiteren Schließung sein“ klagt Ekkehard Nümann, Vorsitzender des Freundeskreises der Hamburger Kunsthalle gegenüber der Presse. „Ich bin sprachlos und fassungslos. Das ist eine unzumutbare Maßnahme“, urteilt Werner Hofmann, der die Hamburger Kunsthalle viele Jahre geleitet hat. Und Michael Göring von der ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius in Hamburg verweist darauf, dass die Kunsthalle für Einheimische wie für Touristen eine der wichtigsten und besucherstärksten Kunstorte der Stadt sei. „Komplette Schließungen – auch temporär – sind ein Armutszeugnis für die Stadt.“

Dabei ist die ja durchaus bereit, in Kunst und Kultur kräftig zu investieren, wie das 500 Millionen Euro teure Prestigeobjekt Elbphilharmonie zeigt, das nicht nur durch ständig steigende Kosten sondern jüngst auch durch Pfusch am Bau von sich reden macht.

Zur Zeit werden in der Hamburger Kunsthalle eifrig Möglichkeiten geprüft, was trotz Schließung noch machbar ist. So soll die geplante Ausstellung des britischen Wandzeichners David Tremlett, der schon im dritten Stock des Kunstkubus arbeitet, auf alle Fälle stattfinden, wenn auch mit einem etwas ungewöhnlichen Zeitplan: Ab 25. Juni soll die Schau, Brandschutzklappen hin oder her, für drei Tage zu sehen sein. Dann wird geschlossen und im Oktober wieder eröffnet. Zeichner Tremlett, so ließ Kunsthallen-Direktor Gaßner aus dem Urlaub wissen, „hat das alles sehr verständnisvoll aufgenommen und gesagt, eigentlich müsse er ja uns bedauern!“

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