Van Gogh - Kunstfund

Schwarzes Schaf im Schliessfach

Original oder Fauxpas auf hohem Niveau? Ein Zypressen-Gemälde Vincent van Goghs, das erst kürzlich in einem Schließfach in Spanien wiederentdeckt wurde, ist wohl doch nicht echt.

Die Meldung ging per internationale Nachrichtenagenturen ging um die Welt: Spanische Finanzbeamte haben in einem Schließfach ein "seit rund 40 Jahren als verschwunden geltendes Werk des niederländischen Malers Vincent van Gogh" gefunden. Es handle sich dabei um ein Gemälde aus der berühmten Zypressen-Serie, die van Gogh 1889 in der Nervenheilanstalt in Saint Remy gemalt habe. Jetzt aber sagt der Vizedirektor des Museum Belvedere in Wien zu art: "Der wiederentdeckte Van Gogh ist nur die Kopie eines Hobbymalers." Ein echter Van Gogh wäre ein Vermögen wert: Ein Gemälde dieser Serie wurde 1993 für 57 Millionen Dollar versteigert.

Zwei namentlich ungenannte Experten sollen laut der Zeitung "El Mundo" die Echtheit des Überraschungsfundes bereits bestätigt haben. Auf der Leinwand-Rückseite wurden zusätzlich noch Stempel mehrerer angesehener Institutionen gefunden, unter anderem der des Kunsthistorischen Instituts der Universität Wien aus dem Jahr 1974 und einer des Rijksmuseums in Amsterdam.

Das Wiener Kunstgeschichte-Institut? Das schreie geradezu nach einem "Fake", findet der Vizedirektor des Belvedere, Alfred Weidinger. In einem Übersetzungsfehler vom Spanischen ins Deutsche oder Englische sei aus dem Uni-Institut immerhin das Kunsthistorische Museum geworden, sagt er ironisch. Aber ob die Stempel auf der Rückseite jetzt echt oder nicht wären – das brauche es gar nicht. Man würde doch mit freiem Auge sehen, dass hier höchstens ein Hobbymaler nach einem Kalenderblatt gemalt habe. Und zwar nach einem Kalender des Metropolitan Museums in New York, wo laut Weidinger das Original hänge, ein Hauptwerk van Goghs, "Cypresses" von 1889. "Es ist eine der schrecklichsten Fälschungen, oder sagen wir besser Kopien, die ich je gesehen habe", bekräftigt er. Und er ist der erste, der das sagt, was ihn noch mehr entrüstet. Zwischenzeitlich sei es anscheinend ganz normal, derartige Meldungen unkritisch zu übernehmen, es scheine nur um den berühmten Namen zu gehen.

Aufschrei kam auch aus der Kunsthistoriker-Szene keiner, obwohl er wisse, dass während der Recherche der spanischen Behörden eine Abbildung an mehrere Experten geschickt worden sei, auch an Wiener: "Es ist schlimm, dass niemand reagiert, sich niemand mehr etwas zu sagen traut anscheinend." Er selbst habe bei mehreren Nachrichtenagenturen angerufen, vergeblich. Dabei gilt Van Gogh als der meistgefälschte Künstler überhaupt, im Amsterdamer Van Gogh Museum gehen fast täglich Anfragen zur Authentizitäts-Bestimmung ein. Weidinger, eigentlich Klimt-Experte, wird rund zweimal die Woche auch mit angeblich neu entdeckten Klimt-Werken konfrontiert. Teils mit erstaunlicher Penetranz, so Weidinger – eines dieser falschen Bilder wurde ihm mittlerweile schon 19 Mal vorgelegt.

Van Gogh Kunstfund

Die am 12. Mai auf art veröffentlichte dpa-Meldung, die das Werk als Original deklariert
http://www.art-magazin.de/newsticker/?news_id=7983

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