Susanne Gaensheimer - Venedig-Biennale 2011

Biennale ohne unpopuläre Überraschungen

Susanne Gaensheimer, Leiterin des Museums für Moderne Kunst (MMK) in Frankfurt, wird den deutschen Pavillon bei der Kunst-Biennale in Venedig im kommenden Jahr kuratieren. Eine solide Wahl – ohne Sensationspotenzial?
Biennale ohne Überraschungen:Gaensheimer kuratiert deutschen Pavillon

Susanne Gaensheimer im Frankfurter Museum für Moderne Kunst

Man erwarte von der Biennale in Venedig, so befand Susanne Gaensheimer kurz nach ihrer Ernennung zur Kuratorin des Deutschen Pavillons, dort "mit den progressivsten künstlerischen Positionen konfrontiert zu werden". Beiträge von Joseph Beuys, Gerhard Richter, Hans Haacke oder Isa Genzken hätten hierfür in der Vergangenheit Maßstäbe gesetzt.

Wer das liest, gerät kurz ins Stutzen. Joseph Beuys? Gerhard Richter? Wie lange ist das denn bitte her? Wer nachrechnet, kommt auf mehr als 30 Jahre. Versteckt sich dahinter Kritik an der überwiegenden Mehrzahl der deutschen Beiträge aus den vergangenen Jahrzehnten? Oder hält die Direktorin des Museums für Moderne Kunst Gerhard Richters Arbeiten heute noch für progressiv?

Betrachtet man die Ausstellungen, die die ehemalige Kuratorin für Gegenwartskunst am Münchner Lenbachhaus, seit 2009 als Direktorin des Museums für Moderne Kunst in Frankfurt präsentiert, so darf man für Venedig nicht unbedingt mit einer provozierenden Überraschung rechnen. Gaensheimers bisheriges Programm offenbart eher eine Vorliebe für qualitativ Unstrittiges, ihr Fokus ist auf die Sammlung gerichtet, nicht auf spektakuläre Neuentdeckungen. Profilieren mag sich die 42-jährige Kunsthistorikerin offenbar eher durch substantielle, weitgehend anerkannte Positionen als mit spektakulären Ideen. Jemand wie der Münchner Künstler Thomas Demand oder die in Düsseldorf lebende Katharina Sieverding könnten so gesehen ein Fall für die kommende Biennale sein.

Gaensheimer ist selbst Teil des Ausschusses

Womöglich war es ja gerade dieser Aspekt, den der Kunst- und Ausstellungsausschuss des Auswärtigen Amtes in Berlin, der die Wahl zu verantworten hat, an Gaensheimer schätzt: das Ruhige, Zuverlässige, mit dem man vor unpopulären Überraschungen sicher ist – etwa der Wahl eines ausländischen Künstlers, mit der Nicolaus Schafhausen den deutschen Pavillon im vergangenen Jahr ins Gerede gebracht hatte. Von den Talenten und Eigenschaften Susanne Gaensheimers konnte sich die Jury praktischerweise aus eigener Anschauung überzeugen. Schließlich ist Gaensheimer selbst Teil des Ausschusses, wenngleich sie an ihrer eigenen Wahl selbstredend nicht beteiligt war.

Dass die Entscheidung ausgerechnet auf die Direktorin des Frankfurter Museums fiel, mutet ebenfalls kaum überraschend an. Gilt es, für Venedigs Kunstbiennale einen Posten zu vergeben, scheint der suchende Blick nach Frankfurt inzwischen zur lieben Gewohnheit geworden zu sein. Als Sprungbrett für Biennale-Karrieren hat die Stadt am Main sich mittlerweile diverse Male als tauglich erwiesen. Bereits 1995 rekrutierte man hier den damaligen Direktor des Museums für Moderne Kunst, Jean-Christophe Ammann, als Kommissar des deutschen Pavillons. 2001 hatte man mit Udo Kittelmann Ammanns designierten Museumsnachfolger (und Gaensheimers direkten Vorgänger) mit der gleichen Aufgabe betraut. 2007 und 2009 schließlich war Nicolaus Schafhausen an der Reihe, der zuvor erfolgreich den Frankfurter Kunstverein entstaubt hatte, zuletzt jedoch in Venedig mit seiner Auswahl eher für Unverständnis gesorgt hatte. Für Daniel Birnbaum, den Rektor der Staatlichen Hochschule für Bildende Künste (Städelschule) und Leiter der Ausstellungshalle Portikus hatte man für 2009 sogar die verantwortungsvollste Rolle, die des Kurators der 53. Biennale vorgesehen. Er erfüllte sie mit Bravour. Susanne Gaensheimer wird, davon kann man ausgehen, bei ihrer Künstlerauswahl nicht viel falsch machen.

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