Lucas Cranach - London

Venus" zu nackt für Londons U-Bahn

Ein Poster mit der "Venus" von Lucas Cranach d. Ä. sollte in Londons U-Bahn für eine Ausstellung werben und wurde verboten
Skandal um Cranach:Londons U-Bahn verbietet Plakat mit "Venus" von Cranach

Das umstrittene Poster mit dem Bild von Lucas Cranach d. Ä.: "Venus", 1532

Päpste sind – zumindest theoretisch – immer schon Hüter von Sitte und Anstand gewesen. Dass der eine oder andere Heilige Vater allzu freizügige Kunstwerke durch den nachträglichen Einsatz von schambedeckenden Feigenblättern entschärfte, war keine Seltenheit. Prominentestes Beispiel: Paul III. störte sich an den Nackten in Michelangelos Fresko "Das jüngste Gericht" in der Sixtinischen Kapelle zu Rom und ließ die unschicklichen Blößen vom Maler Daniele da Volterra mit Lappen überpinseln, was dem Maler den Spitznamen "Braghettone", Hosenmaler, eintrug.

Das war im 16. Jahrhundert. Dass Prüderie auch im 21. Jahrhundert noch fröhliche Urständ feiern kann, bewiesen die Verantwortlichen der Londoner Verkehrsbetriebe: Ein Plakat der altehrwürdigen Royal Academy of Art, mit dem in U-Bahnen für die Ausstellung des deutschen Altmeisters Lucas Cranach d. Ä. (1472 bis 1553) geworben werden sollte, darf nicht in den Haltestellen ausgehängt werden. Denn es zeigt die nackte Göttin der Liebe, und Venus trägt – wie es sich gehört – nicht mehr als Halsschmuck, Haarnetz und einen spinnwebdünnen Schleier.

Schließlich benutzten "Millionen von Menschen" täglich dieses Verkehrsmittel, argumentieren die U-Bahner, und diese seien dann gezwungen sich eine Werbung anzuschauen, die gegen das Verbot "Männer, Frauen oder Kinder in sexueller Art und Weise darzustellen", verstoße. Die Royal Academy findet die Entscheidung der Verkehrsbetriebe schlicht “aberwitzig”

Verfall der öffentlichen Moral, ausgelöst durch eine 500 Jahre alte Schönheit, eine der ganz großen Ikonen der abendländischen Kunstgeschichte? Man möchte den Sittenwächtern von der Londoner U-Bahn das Motto des englischen Hosenbandordens mit auf den Weg geben: "Honi soit qui mal y pense" (Schande über den, der Schlechtes dabei denkt).

"Cranach"

Termin: 8. März bis 8. Juni, Royal Academy of Arts, London.
http://www.royalacademy.org.uk/exhibitions/cranach/