MoMa und VW - New York

Welt-Talent-Show im MoMA

Der Automobilhersteller Volkswagen will den US-Markt erobern. Zur Strategie gehört wohl auch die millionenschwere Partnerschaft mit dem Museum of Modern Art in New York, die gestern besiegelt wurde.
Kooperation:New York

Diese Männer sind jetzt Partner: (von links nach rechts) Klaus Biesenbach, Direktor The MoMA PS1 und Leitender Kurator des MoMA, Martin Winterkorn, Vorstandsvorsitzender der Volkswagen Aktiengesellschaft, Glenn D. Lowry, Direktor des Museum of Modern Art und Hans Dieter Pötsch, Vorstandsmitglied der Volkswagen Aktiengesellschaft für Finanzen und Controlling

Sein Museum hätte mit Volkswagen "die richtige Partnerschaft mit der passenden Vision" gefunden, erklärte MoMA-Direktor Glenn Lowry. Den großen Auftritt überließ er jedoch seinem Chefkuratoren Klaus Biesenbach. Der Deutsche, der in seiner Doppelfunktion als Direktor des MoMA-Ablegers PS1 eine der führenden Rollen im New Yorker Kulturbetrieb einnimmt, schlug in aller Ruhe einen weiten Bogen.

Er berichtete von der Erfolgsshow "Greater New York", die er gemeinsam mit Kuratoren in 2000 und 2010 organisiert hatte und über die vielen künstlerischen Karrieren, die als Folge der Ausstellungen starteten. Bis er schließlich die große Neuigkeit verkündete: Volkswagen finanziert dem MoMA eine Art "Greater World" Show, bei der Biesenbach an Orten wie Shanghai, Peking, Buenos Aires, Berlin, Kapstadt oder Beirut nach neuen künstlerischen Talenten suchen wird. Es ist der Start eines internationalen Research-Programms, das 2013 in einer Ausstellung im PS1 in Queens gipfelt – und Klaus Biesenbach als obersten Talentscout auf Welttournee schickt.

Die Frage, ob die internationale Show eine Konkurrenz zum alten Schlachtschiff Documenta sein soll, verneinte Klaus Biesenbach: "Sicher gibt es Parallelen beim gedanklichen Prozess. Aber wir versuchen, etwas Neues zu erfinden." Schließlich habe sich das Verständnis für die Welt und für die Kunst in einem global funktionierenden Netzwerk inzwischen verändert. "New York ist nicht mehr das Zentrum der Welt", so Biesenbach. Die Partnerschaft zwischen VW und dem Museum im Wert von mehreren Millionen Dollar ist zunächst auf zwei Jahre festgelegt. Zum Deal gehören der Erwerb von zwei Arbeiten von Francis Alÿs, der gerade im MoMA und im PS1 eine große Ausstellung hat, sowie die Ausweitung des MoMA-Online-Bildungsprogramms und die Finanzierung von Installationen im Sculpture Garden des MoMA. Mit Skulpturen von Meistern wie Pablo Picasso und Henri Matisse sowie einer Neuerwerbung von der Düsseldorfer Künstlerin Katharina Fritsch wurde Premiere gefeiert.

Während Direktor Lowry von seinem ersten Wagen schwärmte, einem VW-Käfer, den er innerhalb von 24 Stunden gegen einen Baum gefahren hatte, beteuerte VW-Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch, dass das kulturelle Engagement seines Unternehmens nichts mit der Eröffnung der neuen VW-Fabrik in Tennessee, ein Investment von einer Milliarde Dollar, zu tun hat. "Wir wollen die amerikanische Kultur besser verstehen und Beziehungen aufbauen", erklärte Pötsch. Bislang verfügt der deutsche Autohersteller mit seinen Marken VW und Audi in den USA über einen Marktanteil von mageren drei Prozent. Während General Motors Anteil bei 19 Prozent und der vom Konkurrenten Toyota bei 15 Prozent liegt. Die ehrgeizigen Pläne des VW-Konzerns lauten, die Verkäufe in den USA bis 2018 mit einer Millionen Wagen beinahe zu verdreifachen.

VW ließ sich bei dem Auftritt im MoMA, für den zahlreiche deutsche Journalisten eingeflogen wurden, nicht lumpen. Junge Männer standen mit Regenschirmen bewaffnet Spalier, der Champagner floss. "Das Ganze erinnert mich an die dekadenten achtziger Jahre", schwärmte ein New Yorker Gast. Der Abend sollte wieder Klaus Biesenbach und seinem Netzwerk von Künstlern und Prominenten gehören: Marina Abramovic und Terence Koh hielten einen Vortrag über die Geschichte der Performance Art und über Künstler, die bei ihren Arbeiten VWs einsetzen. New Yorker Größen wie Cindy Sherman, Lou Reed und Patti Smith, die während der Gesangseinlage von Martha Wainwright vor sich hinzudämmern schien, waren gekommen. New Yorks neuer Star Lauren Nakadate saß neben Regisseur Spike Jonze.

Für Glamour sorgten Sammlerin Daphne Guinness, Stars wie Sex-and-the-City-Darstellerin Kim Cattrall, Schauspieler und Regisseur James Franco, der auf keiner Kunstveranstaltung fehlt, und Madonna, deren bulliger Bodyguard sogar während des Dinners hinter dem Star in Position ging. Madonna, die an dem Kunst-Abend mit schwarzer Brille auf Intellektuellen-Look setzte, ließ sich zum Ärger aller Klatschreporter nicht fotografieren und verschwand bereits nach dem Hauptgang. Auch der Rest der New Yorker Prominenz stellte sich nicht für Party-Bilder bereit. So blieb dem frustrierten Zeitungs-Team nur Schauspieler Thomas Kretschmann, der sich mit Freundin auf den Sofas in der Partylounge für die Fotografen abmühte. Eine hervorragende Zeit hatte Katharina Sieverding, die mit dem Künstler Klaus Mettig angereist war. Die in Düsseldorf und Berlin lebende Künstlerin, die 2004 eine Ausstellung im PS1 hatte, hielt den denkwürdigen Tag, an dem sich Kunst, Geld und Glamour vereinten, samt Pressekonferenz mit ihrer Filmkamera fest.

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