Gib mir Fünf! - Tipps der Woche

Die fünf Ausstellungstipps der Woche

Jede Woche präsentieren wir Kunstereignisse, die sie nicht verpassen dürfen. Diesmal: Fotos vom legendären Hamburger Club Front, performative Veranstaltungen im schönen Wiener Augarten und Amateure und Dilettanten

Berlin: Rüdiger Trautsch

Der legendäre Club FRONT zog von 1983 bis 1997 in Hamburg unzählige Musiker und Gäste in seinen Bann. In einer Atmosphäre aus rohem Putz, minimalistischer Einrichtung und grauen Wänden tanzte man zu House Musik.

DJs wie Klaus Stockhausen, Boris Dlugosch und Michi Lange kamen in die Hafenstadt. In den frühen Jahren mischte sich auch der Künstler Rüdiger Trautsch unter die Partygäste und hielt in Schwarzweißaufnahmen das Treiben im FRONT fotografisch fest – sein Fotostudio befand sich in unmittelbarer Nähe zum Club. Trautsch fotografierte für "Stern" und "Vogue", porträtierte Andy Warhol und Meret Oppenheim, aber er dokumentierte auch immer wieder die Subkultur mit seiner Kamera.
Um sich diese Hamburger Impressionen anzusehen, muss man jetzt allerdings nach Berlin fahren: In der Seven Star Gallery sind die Fotografien von Rüdiger Trautsch unter dem Titel "FRONT: The Early Years" zu sehen. In Hamburg erinnert man sich gern an diese Zeit zurück und veranstaltet FRONT Revival Parties, die nächste findet unter dem Titel "DANGER" am 25. August 2012 im Hamburger Brandshof statt.

Die Ausstellung ist noch bis zum 22. September 2012 in der Seven Star Gallery in Berlin zu sehen.

Bielefeld: Thomas Kratz + Jessica Warboys

Der Bielefelder Kunstverein lädt am 25. August 2012 zum diesjährigen Sommerfest ein. Das Begleitprogramm bilden Künstlergespräche und Performances mit Thomas Kratz und Jessica Warboys – beide werden parallel zum Fest in den Einzelausstellungen "Love" und "Tails" präsentiert. Thomas Kratz arbeitet in erster Linie mit dem Medium der Malerei, wobei er die Grenzen von Innen und Außen, Bild und Betrachter, Figuration und Abstraktion auslotet. Die englische Künstlerin Jessica Warboys verbindet in ihrer ersten Einzelausstellung in Deutschland raumgreifende Gemälde mit der Geschichte einer Bibliothek, Fotografien und Aufzeichnungen der Tänzerin Hélène Vanel.

Die Ausstellung ist bis zum 4. November 2012 im Kunstverein Bielefeld zu sehen.

Heidelberg: Amateurism

"Jeder ist ein Künstler", postulierte Joseph Beuys im Jahre 1985. Wurden Autodidakten in der Vergangenheit noch belächelt, wird heute die Rolle des Amateurs eingehend untersucht und seine Perspektive als Bereicherung geschätzt. Die Wörter Dilettant und Amateur bedeuten "sich freuen" und "ein Liebhaber von etwas zu sein". Sie sind zwar nicht ausgebildet in der Tätigkeit, die sie ausüben, das bedeutet aber nicht zwangsläufig, dass der Gehalt ihres Tuns einen niedrigeren Stellenwert hätte. Die Rolle des Amateurs in der Gegenwartskunst wird nun von der Ausstellung "Amateurism" im Heidelberger Kunstverein beleuchtet. 14 internationale Künstler, darunter Eugène Bataille, Annette Kraus Sister Corita Kent und Toshiko Okanoue hinterfragen nicht nur das Wertekonzept in der kapitalistischen Welt, sondern auch die Frage, wie gerade durch nicht kommerzielles Handeln neue Perspektiven eröffnet werden können.

Die Gruppenausstellung ist noch bis zum 4. September 2012 im Kunstverein in Heidelberg zu sehen und wird von einem Künstlergespräch, einem Kochkurs, Workshops für Kinder und Jugendliche, einem Vortrag, einer Reise und drei Führungen begleitet.

Berlin: Bios. Konzepte des Lebens in der zeitgenössischen Skulptur

Die klassische Bildhauerei verfolgt seit jeher die Überführung von Lebendigkeit in Material und versucht die Grenzen zwischen Künstlichkeit und Lebendigkeit aufzuheben. Die bewusste Formung des Lebendigen spielt im Zeitalter der Gentechnologie und Mikrobiologie eine entscheidende Rolle, die nicht nur kritisch von den Wissenschaften sondern auch von der Kunst befragt wird. Wie formen diese Entwicklungen unser Bild von Leben? Und inwieweit deformiert der Mensch organische und pflanzliche Strukturen? Die Ausstellung "Bios – Konzepte des Lebens in der zeitgenössischen Skulptur" versucht anhand zeitgenössischer Skulpturen diesen Fragen nachzugehen. 13 internationale Künstler leisten dazu ihren Beitrag, darunter Tue Greenfort, Mark Dion, Patricia-Piccinini und David Zink Yi.

Die Ausstellung ist noch bis zum 11. November 2012 im Georg Kolbe Museum zu sehen. Zur Ausstellung erscheint im Wienand Verlag ein zweisprachiger (deutsch/englisch) Katalog mit Texten von Björn Brembs, Frank Fehrenbach, Jens Hauser und Marc Wellmann zum Preis von 16 Euro.

Wien: Ephemeropterae

Auch diesen Freitag öffnet der Ephemeropteraepavillion im schönen Wiener Augarten bei Picknick und Performance wieder seine Türe. Bereits seit Juni veranstaltet Thyssen-Bornemisza Art Contemporary in Wien die Reihe "Ephemeropteraes", die nach den Insekten benannt sind, die nur einen Tag leben. So auch die 16 performativen Veranstaltungen – sie stüzten sich im Wesentlichen auf eine mündliche Praxis. Diesen Freitag werden Performances der österreichischen Künstlerin Ines Doujak und der deutschen Kunsttheoretikerin, Kritikerin und Kuratorin Ruth Noack präsentiert. Ines Doujak veranstaltet einen Besuch der "Indian-Investigator-Machine" im TBA Augarten, dabei wird gejammert, gesungen, geschrien, beleidigt und gekeift. Ruth Noack wird eine Re-Performance von Mary Kelly zeigen, die eng verbunden ist mit dem Wunsch nach politischer und persönlicher Gegenwart. Bis Ende September werden jeden Freitag Künstler wie Gelatin, Simon Starling, Tanja Widmann und Ragnar Kjartansson zu sehen sein.

Die Performances beginnen jeweils jeden Freitag um 19 Uhr, der Eintritt ist frei. Ab 18 Uhr findet jede Woche ein Picknick statt. Thyssen-Bornemisza Art Contemporary, TBA21 Augarten befindet sich in der Scherzergasse 1 A im 2. Wiener Bezirk.