MOCA - Los Angeles

Der letzte Tanz am MOCA

Dem Museum of Contemporary Art (MOCA) in Los Angeles laufen die Vorstandsmitglieder davon. Dass es sich dabei um bedeutende Künstler wie John Baldessari, Barbara Kruger, Ed Ruscha und die Fotografin Catherine Opie handelt, gestaltet die Lage für das Museum noch prekärer. Damit sitzen keine Künstler mehr im MOCA-Vorstand, zu dem seit diesem Jahr der Milliardär und Hedgefonds-Manager Steven Cohen zählt.
El Cóndor Pasa:Der letzte Tanz am MOCA

John Baldessari posiert in der Ausstellung "John Baldessari. Pure Beauty" vor seiner "Brain Cloud"

Den Anfang machte Altmeister Baldessari. Er resignierte weil der langjährige, von allen Seiten hoch geschätzte Chefkurator Paul Schimmel nach 22 Jahren seinen Posten räumen musste. "Was ein gutes Museum antreibt, sind die Visionen der Kuratoren mit ihren langfristigen Vorstellungen von den Ausstellungen, die sie machen könnten", erklärte Baldessari der LA Times. Das ist als Kritik gegenüber dem neuen, auf ein breites und jüngeres Publikum angelegtes Programm unter der Regie von Jeffrey Deitch zu verstehen. Der frühere New Yorker Kunsthändler Deitch hatte 2010 den Posten des Direktors am MOCA übernommen. In Schimmel sieht Baldessari einen bedeutenden Kurator. Er organisierte Ausstellungen, die für die gesamte Kunstwelt wichtig waren – ohne dabei für Rekordbesucherzahlen zu sorgen.

Barbara Kruger und Kollegin Opie stellten in ihrem Rücktrittsschreiben an das MOCA die Frage in den Raum, ob ihre Rolle als Vorstandsmitglieder nur noch symbolische Bedeutung habe und ob ihre Vorschläge und Forderungen nach Veränderungen lediglich unbequem für den Vorstand seien. Für die Künstlerinnen bedeutet ihr Rücktritt eine grundsätzliche Kritik an der Institution Museum und an der zunehmenden Bedeutung von Kunst als Marktware. "Es handelt sich um die Rolle eines Museums in einer Kultur, in der die bildende Kunst an den Rand gedrängt wurde. Abgesehen von der Begeisterung für Sekundärmarkt-Verkäufe. Es geht um die heikle Nachkalibrierung der Bedeutung von Philanthropie, um die Verwandlung der sogenannten Kunstwelt in die einzige spekulative Blase, die noch schwebt (für die nächsten 20 Minuten)", schrieben die beiden.

Im Moment sieht es so aus, als ob Jeffrey Deitchs Vision für das MOCA in erster Linie von Vorstandsmitglied Eli Broad geteilt wird. 18,4 Millionen Dollar fehlen nach wie vor in der Rücklagen-Kasse des Museums. Broad, der 2008 antrat, das MOCA mit einer Spende von 30 Millionen Dollar über einen Zeitraum von fünf Jahren zu retten, ist ein einflussreicher Mann im Museum. Vier Vorstandsmitglieder sprachen sich in einem offenen Brief an die LA Times gegen Deitchs neue Richtung mit publikumsträchtigen Pop-Kultur-Ausstellungen wie "Art in the Streets" aus: "Wir haben eine andere Auffassung von der Geschichte des Museums und, noch wichtiger, eine andere Vision für seine Zukunft." Sie forderten das Programm zurück, für das ihr Museum vor Deitch bekannt war.

John Baldessari ist nach zwölf Jahren Vorstandsarbeit das fünfte Mitglied, das seit Deitchs Antritt seinen Abschied nimmt. Mitglied Jane Nathanson, die seit den achtziger Jahren Spenden-Veranstaltungen organisierte, führte Deitchs Unerfahrenheit in Sachen Spendensammlung und die Machtübernahme von einer kleinen Gruppe von Leuten, insbesondere Broad, als Grund für ihren Rücktritt an. Den letzten Anstoß, das MOCA zu verlassen, gab Künstler Baldessari die Ankündigung einer neuen Ausstellung unter dem Titel "Fire in the Disco". Mit der geplanten Show soll der kulturelle Einfluss der Disco-Musik und -Ära untersucht werden. Als Co-Kurator ist James Murphy von LCD Soundsystem und Mitbegründer des Elektropunk-Labels DFA Records an Bord.

Deitch verglich die Siebziger-Disco-Zeit mit der Avantgarde-Bewegung Kubismus. In beiden Fällen würde es sich um Strömungen handeln, die ihren Ursprung in der Subkultur hätten und sich innerhalb weniger Jahre auf der Welt verbreiteten. "Als ich von der Disco-Show hörte, hielt ich es zunächst für einen Witz", so Baldessari gegenüber der LA Times. "Doch ich realisierte, dass es ernst gemeint ist. Was mich nur in meiner Entscheidung bestätigte."

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