Gib mir fünf! - Tipps der Woche

Die fünf Tipps der Woche

Jede Woche stellen wir Ihnen Kunst-Höhepunkte vor, die Sie sich nicht entgehen lassen sollten. Diesmal: herbstliche Rundgänge, plätschernde Brunnen und eine erzählerische Ausstellung.

Hamburg: Saisonstart der Galerien im Kontorhausviertel

Das Laub fällt noch nicht von den Bäumen, dennoch scheint der Winter in der Galerie Borchardt bereits begonnen zu haben. Sie eröffnet die Herbstsaison mit Landschaften der Künstlerin Vivian Kahra, die wie von Schnee überzogen wirken.

Kahra malt und zeichnet unberührte Landschaften, die von weißen Flächen, Leerstellen, Löchern durchbrochen sind und ihre Arbeiten geheimnisvoll und verzaubert erscheinen lassen. Am Freitag den 11. September eröffnen zum ersten Mal 13 Galerien im Kontorhausviertel gemeinsam ihre Ausstellungen. Mit einem Shuttle-Service können die Besucher von Galerie zu Galerie gefahren werden. Dort gibt es noch viel mehr zu entdecken: Die Galerie PopArtPirat zeigt Landschaften von Anna Fiegen, die sich intensiv mit Lichtverhältnissen auseinandersetzt. Die Galerie Walk of Fame präsentiert verfremdete Porträtaufnahmen des Zürcher Künstlers Alain Kupper und in der Galerie White Trash Contemporary werden psychedelisch anmutende Werke von Oliver Ross ausgestellt.

Berlin: Fountain

Es tropft, es plätschert, es rauscht: In dem neuesten Film "Fountain" von Bethan Huws kreist Wasser in einem römischen Brunnen. Aus dem Off hört man die Stimme der Künstlerin, die von Marcel Duchamps "Etant Donnés"
(1946 - 66) erzählt. Für Huws, die 2007 Gast des Berliner Künstlerprogramms des DAAD war, symbolisiert die Arbeit des berühmten Franzosen einen Wendepunkt in der westlichen Kunstgeschichte und ihren persönlichen Ausgangspunkt für ihr eigenes Kunstschaffen. In dem 7-minütigen Film wird die Kunst an sich, ihr Inhalt und ihre Bedeutung sprachlich reflektiert und mit der Bildebene konfrontiert. Es tropft und plätschert vom 9. September bis zum 17. Oktober in der Daad-Galerie in Berlin.

Stuttgart: Peggy Buth. Desire in Representation

Peggy Buth umfassendes Künstlerbuch "Desire in Representation" bildet den Ausgangspunkt für die eigens konzipierte und gleichnamige Einzelausstellung im Württembergischen Kunstverein. In elf Räumen erstreckt sich Buth Erzählungen über die Recherche am Königlichen Museum für Zentralafrika, das exemplarisch für die belgsiche Kolonialgeschichte steht. In der Ausstellung präsentiert die 1971 in Berlin geborene Künstlerin neben schon bestehenden Werken eine Reihe neuer Arbeiten, wie etwa die auf mehrere Räume verteilte Videoarbeit "O, My Kalalu". Jeder Raum der Ausstellung agiert autonom, aber auch im Zusammenhang mit den anderen Räumen. Der Besucher durchläuft von der "Bibliothek", die über Audioarbeiten, Buchdeckel, historische Publikationen und weitere Elemente verfügt, den "Fieberraum", den "Studienraum", das "Labor" bis zum "Indexraum", der Buth-Fotografien aus dem Tervurener Museum sowie einen großformatigen Index aus Texten und Bildern enthält. Vom 12. September bis zum 15. November hat der Besucher die Möglichkeit in die Tiefen der künstlerischen und wissenschaftlichen Arbeit von Peggy Buth zu dringen und auf diese Weise die Entwicklung des Königlichen Museums für Zentralafrika und die Geschichte der Kolonialzeit zu erfassen.

Leipzig: Herbstrundgang der SpinnereiGalerien

Künstlerische Vielfalt bietet auch dieses Jahr der Herbstrundgang der SpinnereiGalerien in Leipzig. Die seit 1884 bestehende Fabrikanlage beherbergt 11 Galerien wie Ausstellungsflächen und zählt zu den weltweit bekanntesten Produktionsstätten zeitgenössischer Kunst. Im Rahmen des Herbstrundgangs am 12. September öffnen die Galerien ihre Türen und zeigen Kunst aus Leipzig und aus aller Welt. Frei nach dem Motto "Irren ist menschlich", setzt sich die Galerie Halle 14 mit dem Scheitern in der Kunst auseinander. Kunst wird hier als der letzte Zufluchtsort menschlichen Versagens gehandelt. Gezeigt werden fehlgeschlagene Kunstwerke und Objekte, zu deren die Gestaltung das Scheitern zum erklärten Konzept gehört. Mit von der Partie ist der deutsche Skandalkünstler Gregor Schneider, der Schweizer Roman Signer oder der französische Künstler Daniel Buren. Die Maerzgalerie besinnt sich mit einer Soloschau auf großformatige Malereien von Hans Aichinger. Der Künstler, dessen Arbeiten früher durch eine extreme Vielfalt gekennzeichnet waren, zeigt sich nun gefestigt und beschäftigt sich in seiner Ausstellung "von Natur aus falsch" mit der Thematik des Erwachsenwerdens. Einen anderen Einblick gibt die Galerie LIA- Leipzig International Art Programme, hier werden ab dem 12. September Arbeiten von den äthiopischen Künstlern Mack Eshete und Henok Getachew zu sehen sein.

St. Georgen: Männer Frauen – Porträts aus der Sammlung

Die diesjährige Ausstellung der Stiftung Grässlin ist Männer- und Frauenporträts aus der Familiensammlung gewidmet. In St. Georgen werden vom 12. September 2009 bis zum 20. Juni 2010 nicht nur im Kunstraum Grässlin, sondern in der ganzen Stadt Arbeiten zu sehen sein. In Wohnungen, Ladenlokale selbst im Plenarsaal des Rathauses sind Werke aller Sparten und Techniken – von Skulptur bis Video – ausgestellt: Spielerische, kritische und auf jeden Fall sehenswerte Porträtarbeiten von Georg Baselitz, Martin Kippenberger, Cosima von Bonin, Tobias Rehberger oder Reinhard Mucha.