Klaus Staeck - Amazon

Neue Ausstellung, neues Plakat

Gesellschaft, Politik, Wirtschaft: Keine Branche ist vor der Kritik und Plakaten von Klaus Staeck sicher. Vorige Woche eröffnete er eine Ausstellung unter freiem Himmel. Gleichzeitig schickte er art sein neuestes Plakat, dass sich gegen die Datenkraken des Internets richtet.

Mit Dürer hat er einen seiner größten Erfolge gefeiert, zu ihm kehrt er immer wieder zurück: "Dürer lässt mich nicht los", sagt Plakatkünstler Klaus Staeck.

Und so greift Staeck in seinem neuesten Plakat "Die apokalyptischen Reiter" Albrecht Dürers auf, um Gesellschaftskritik zu üben. Staeck schickte art sein Poster, in dem er sich Dürer zu eigen macht, um die vier großen Internetkonzerne Apple, Google, Facebook und Amazon an den Pranger zu stellen. "Apple, Google, Facebook: Man weiß doch, was diese Unternehmen für Datenkraken sind", sagt Staeck. "Amazon kritisiere ich auch dafür, dass sie versuchen, die Buchverlage zu erpressen, um Rabatte auszuhandeln."

Der 76-jährige Staeck gilt als der bekannteste Plakatkünstler Deutschlands und ist seit 2006 Präsident der Akademie der Künste. Sein Gesamtwerk umfasst mehrere hundert Plakate. Meist widmen sich seine Fotocollagen mit satirisch-ironischen Kommentaren politischen Themen, die häufig auch Jahrzehnte später noch aktuell sind. Deutlich wird das in der aktuellen Ausstellung unter freiem Himmel, welche die Neue Nationalgalerie Berlin vorige Woche unter dem Titel "Klaus Staeck. Die Kunst findet nicht im Saale statt" eröffnet hat: Drei Wochen lang werden zehn unterschiedliche Motive der letzten 35 Jahre an 300 Litfaßsäulen in der ganzen Stadt ausgestellt. In den Häusern der Nationalgalerie finden Interessierte einen Stadtplan, auf dem alle Litfaßsäulen vermerkt sind.

In seiner neuesten Plakatarbeit – die in der Berliner Ausstellung noch nicht zu sehen ist – widmet sich Staeck den großen Internetkonzernen und orientiert sich dabei an Albrecht Dürer. Die aus dem 15. Jahrhundert stammende originale Arbeit entstammt einer Serie von 15 Holzschnitten, die Dürer zur Offenbarung des Johannes geschafften hat und wurde bereits zu Lebzeiten ein Erfolg für den Künstler. Bis heute ist die Abbildung mit den vier apokalyptischen Reitern eins der bekanntesten Motive des Nürnberger Malers.

Die vier Reiter kündigen in der Offenbarung des Johannes die Apokalypse an. Indem Staeck jedem Reiter eines der Internetunternehmen zuweist, identifiziert er diese als Vorboten des weltlichen Untergangs. "Die Zuordnung der Konzerne zu den einzelnen Reitern ist dabei beliebig", sagt Staeck. Neben seiner Hauptkritik gegen Amazon wendet sich Staeck damit auch gegen Google und Facebook: "Wir wissen mittlerweile, dass die Datenüberwachung bei allen garantiert ist. Auch Apple sammelt Daten und gibt sie weiter." Bei Amazon seien zudem die Arbeitsbedingungen zu kritisieren: "Das sind alles Mehrfachtäter", sagt Staeck über die Unternehmen, "Ich hätte auch Zalando dazu nehmen können oder Starbucks, die in Deutschland keine Steuern zahlen." Seine Kampfansage versteht Staeck aber nicht in erster Linie als Kritik am Onlinehandel, sondern an dem Beiwerk, das dieser Handel erzeugt. "Wenn sie jetzt noch das Bargeld abschaffen, wird die Überwachung total."

Gegen diese moderne Form der Überwachung in Zeiten des Internets kämpft Staeck mit seinen Plakaten auf traditionelle Weise an. Der Rückgriff auf Dürer liegt dem Plakatkünstler: "Schon in den ersten Tagen meiner Plakatarbeit habe ich mich mit Dürer befasst. Die betenden Hände, den Dürer-Hasen, das Bild seiner Mutter." Mit seinem Plakat zu Dürers Mutter war Staeck 1971 unter dem Titel "Sozialfall" bundesweit bekannt geworden. Damals kombinierte er die Kohlezeichnung mit der Frage "Würden Sie dieser Frau ein Zimmer vermieten?" Doch Staeck verwendet nicht nur Dürers Motive, er sieht auch gewisse Parallelen zwischen sich und dem Renaissance-Künstler: "Er hat ja ähnlich gearbeitet, wie ich. Einzelne Drucke auf dem Markt verkauft. Durch die Ausstellung der Nationalgalerie wurde ich jetzt wieder an ihn erinnert – auch daher das neue Plakat."

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