Gib mir Fünf! - Tipps der Woche

Die fünf Tipps der Woche

Jede Woche stellen wir Kunst-Höhepunkte vor, die Sie nicht verpassen dürfen. Diesmal: Pin-Ups, Paradoxien und Perlen, die zu Staub gemahlen werden

Wien: "POWER UP"

Sie feiern weibliche Sexualität und Lust, verwenden Pin-Ups als Vorlagen und reflektieren die Oberflächlichkeit der Konsumkultur: Die Rede ist nicht von Warhol, Lichtenstein und Co., sondern von ihren weiblichen Kolleginnen – die Damen der Années Pop.

Die Ausstellung "POWER UP – Female Pop Art" in der Kunsthalle Wien wirft einen Blick auf die weiblichen Positionen in einer von Männern dominierten kunstgeschichtlichen Welt. Auch wenn das Werk der ausgestellten Künstlerinnen wie Evelyne Axell, Kiki Kogelnik oder Niki de Saint Phalle in Material, Thema und Arbeitsweise an vielen Stellen dem ihrer männlichen Kollegen ähnelt, gelingt es ihnen, ein männliches Blickregime zu revidieren und Frauendarstellungen wie Allen Jones sado-masochistisch arrangierte Sexgefährtinnen, Tom Wesselmanns entindividualisierte Matrizen des weiblichen Körpers und Mel Ramos lasziv dargestellte Akte als Objekte des Begehrens zu hinterfragen.

5. November 2010 bis 20. Februar 2011 in der Kunsthalle

Hamburg: "Beautiful outside my head forever"

Ekel und Verstörung weichen Faszination und einem Schmunzeln. So sehr die Objekte und Skulpturen von Tom Schmelzer irritieren und schockieren, so präzise und ästhetisch anspruchsvoll sind sie auf den zweiten Blick. Aber was soll man auch anderes von jemandem erwarten, der Kunst und Medizin studiert hat? Ganz langsam werden von einer Maschine anderthalb Kilo kostbarer Perlen zu Staub gemahlen und auf einer schwarz lackierten Holzkiste windet sich ein fingerdicker Regenwurm und gibt klopfende Geräusche von sich. Mit feinem Humor, manchmal auch mit der Holzhammermethode, widmet sich Schmelzer in seinen konzeptionellen Arbeiten Themen wie Evolutionsgeschichte, Kapitalismuskritik oder auch den bizarren Formen des Kunstbetriebs. "Ich verstehe die Aufgabe des Künstlers als die eines Übersetzers, der verschiedene Dinge zusammen bringt, die nicht zusammen gehören, der neue Erfahrungen schafft und dem Betrachter hilft, Einsichten zu gewinnen." White Trash Contemporary zeigt die erste Einzelschau des gebürtigen Müncheners in Hamburg.

5. November 2010 bis 15. Januar 2011 im White Trash Contemporary

Bern: "Das Reservat der Nachteile"

Der Besucher tritt in ein spitzwinkliges Bühnengehäuse mit Deckenmalerei und verspiegelten Seitenwänden ein. Im Innern des Winkels befindet sich eine Baumsilhouette. Auf dem Boden liegen Blätter. In die Seitenwände eingelassen sind drei kreisrunde Videoprojektionen, die Bilder der Gewalt aber auch der Annäherung von Tieren, Menschen und Pflanzen zeigen. Zu hören ist eine von Bern Schurer komponierte Tonspur. Die raumfüllende Installation "Projekt B" des Schweizer Künstlers Yves Netzhammer ist Teil seiner Einzelausstellung im Kunstmuseum Bern, in der ältere Arbeiten mit eigens für die Schau produzierten neuen Werken zusammen geführt werden. Netzhammer schafft einen Ort, an dem symbolisch menschliche Nöte und Anliegen formuliert und ausagiert werden können.

5. November 2010 bis 27. Februar 2011 im Kunstmuseum

Winterthur: "Licht an!"

Die dunkle Phase des Jahres hat unleugbar Einzug gehalten, und damit wird in den Städten wieder das Licht eingeschaltet. Die Lichttage 2010 in Winterthur werden am 5. November mit Walter Wetters interaktivem pyrotechnischen Spektakel "Le Silo" eröffnet. Bereits zum dritten Mal findet das schweizweit größte Lichtfestival statt. Kuratiert von Dorothee Messmer, Kuratorin des Kunstmuseums Thurgau, zeigt es in diesem Jahr barockes Welttheater, in dessen Zentrum die Ausstellung "Fuochi Artificiali" steht. Dabei werden Lichtinszenierungen und Kunstaktionen von national und international bekannten Kunstschaffenden sowie Arbeiten aus Kunsthochschulen gezeigt. Zu den beteiligte Künstler zählen neben Johannes Gees, Glaser/Kunz, Li Hui auch Christina Hemauer/Roman Keller oder San Keller. Gerahmt wird die Ausstellung von Fachveranstaltungen zu den Themen Beleuchtung und Energiesparen und Kunstspecials, bei denen unter anderem regionale Pfarrer die Ausstellung kommentieren.

5. bis 28. November 2010 in Winterthur

Mannheim: "Akrobat der Moderne"

Wie ein Seiltänzer balancierte der italienische Bildhauer Fausto Melotti lebenslang zwischen Figuration und Abstraktion. Bereits in seinem Frühwerk realisierte er geometrisch abstrakte Skulpturen. Sein späteres Werk kennzeichnet sich durch filigrane, poetische und musikalische Raum-Konstruktionen. Neben Melottis Arbeit mit Keramik entstanden seine "Teatrini", bühnenartige Reliefs mit Objekten und Figuren. In einem retrospektiven Überblick zeigt die Ausstellung "Akrobat der Moderne" mit insgesamt 114 Arbeiten die Konstanten aber auch die Paradoxien der künstlerischen Entwicklung Melottis, der stets auf der Suche nach den Grenzen von Material und Form war.

6. November 2010 bis 23. Januar 2011 in der Kunsthalle