Gib mir fünf! - Die Tipps der Woche

Die fünf Tipps der Woche

Unsere Serie "Gib mir fünf!" präsentiert Ihnen jede Woche fünf Kunst-Höhepunkte, die Sie sich nicht entgehen lassen sollten. art-Redakteur Alain Bieber empfiehlt diese Woche wild bemalte Notizbücher, verspielte Computerkunst und provokante Brot-Performances.

Berlin: "Detour. The Moleskine Notebook Experience"

Das kleine Schwarze ist legendär. Schon Ernest Hemmingway, Pablo Picasso und Oscar Wilde haben ihre Ideen am liebsten in ein Moleskine-Notizbuch gekritzelt. Das behauptet zumindest die Firma Moleskine – und lebt von diesem Image auch ganz gut. Konsequenterweise wurde nun eine Ausstellung mit 30 internationalen Künstlern, Designern, Filmemachern und Schriftstellern organisiert, die Einblicke in ihre persönlichen Notizbücher gewähren.

Im Berliner Werkbundarchiv, Museum der Dinge (vom 29. Oktober bis 16. November), gibt es jetzt wilde Studien und abstrakte Skizzen des brasilianischen Künstlers Assume Vivid Astro Focus sowie Zeitungsschnipsel und Stadtkarten des Schweizer Kuratoren Hans-Ulrich Obrist zu sehen. Und bei einigen Künstlern ist das Notizbuch gleich selbst zu einem Kunstwerk geworden. Birgit Brenner bestickte die Seiten mit Wortfetzen und Joep von Lieshout hat sein Notizbuch in eine Art Schaumstoffkokon gehüllt. Die Ausstellung vermittelt intime und oft auch überraschende Eindrücke – und beweist vor allem: Ein Notizbuch ist nicht nur für Notizen da.

Berlin: Eröffnung der Temporären Kunsthalle Berlin/Candice Breitz

Mit 440 Galerien und 175 Museen und Sammlungen ist Berlin schon heute Deutschlands Kunsthauptstadt. Am 29. Oktober eröffnet nun ein weiterer Kunstraum: die Temporäre Kunsthalle Berlin. Der Architekt Adolf Krischanitz plante den Kubus, der österreichische Künstler Gerwald Rockenschaub gestaltete die Pixelwolken-Fassade – und die in Berlin lebende südafrikanische Künstlerin Candice Breitz wird (bis zum 28. Dezember) zur Eröffnungsausstellung drei neue Videoinstallationen präsentieren: "Working Class Hero (A Portrait of John Lennon)", "King (A Portrait of Michael Jackson)" und "Queen (A Portrait of Madonna)". Für diese Werke hat Breitz Fans der drei Stars eingeladen, um deren Hits nachzusingen. Für die Dauer von zwei Jahren wird die Kunsthalle zum Schauplatz für Gegenwartskunst werden, die vor allem in Berlin enstanden ist. Und auch die drei darauffolgenden Ausstellungen mit Simon Starling (Januar bis März 2009), Katharina Grosse (April bis Juni 2009) und Jennifer Allora & Guillermo Calzadilla (Juli bis September 2009) versprechen einen vielfältigen Spannungsbogen.

Dresden: "Cynetart_08"

Susanne Berkenheger kümmert sich in ihrem Netzprojekt "Accountleichen-Bewegung" um vernachlässigte Netzidentitäten, Marcus Wendt und Vera-Maria Glahn unternehmen in ihrer Videoinstallation "AES02 interim camp" eine Expedition in generative Landschaften, und Ralf Baecker präsentiert seine feingliedrigen Maschinenskulpturen.
Wer einen umfangreichen Einblick in die aktuelle computergestützte Kunst haben möchte, sollte sich das 12. Cynetart-Festival im Kunsthaus Dresden (ab 29. Oktober) nicht entgehen lassen – neben der Ausstellung gibt es noch zahlreiche Performances, Vorträge und Live-Konzerte. Und der mit 10 000 Euro dotierte Förderpreis wird am 30. Oktober an Christoph Wachter und Mathias Jud für ihr Projekt "Picidae" verliehen, mit dem die Machtstränge im Internet visualisiert werden sollen.

Berlin: Tatsumi Orimoto

Brot ist das Lieblingsmaterial des japanischen Künstlers Tatsumi Orimoto – für seine Serie "Breadman" bindet er Menschen Brot an das Gesicht. "Das Brot erscheint in Orimotos Werken als eine Allegorie zur westlichen Kultur, nicht nur durch seine ständige Präsenz in der Ernährung, sondern auch durch die Bedeutung, mit der es im Christentum bedacht wurde: als Darstellung des Körpers schlechthin", verrät der Pressetext. In den siebziger Jahren arbeitete Orimoto in den USA als Assistent von Nam June Paik – seinen Durchbruch hatte er bei der Biennale in Venedig 2001. Seine Mutter, die unter Alzheimer und Depression leidet, wurde zum Zentrum seines künstlerischen Schaffens. Für seine Fotoserien band er ihr Autoreifen um den Hals, steckt sie in Öltonnen und Pappkartons. Die Berliner DNA Galerie zeigt vom 29. Oktober bis 20. Dezember seine neueste Performance "Punishment". Dazu wurden 26 Protagonisten mit verbundenen Augen an einen Mast gefesselt – und alle tragen wieder eine Schachtel voller Brot um den Hals.

Freiburg: Zur Kontingenz der Linie

In seiner letzten Ausstellung des Jahres widmet sich der Freiburger Kunstraum Alexander Bürkle dem Wesen der Zeichnung (ab Sonntag, den 26. Oktober). Der Berliner Künstler Dirk Rathke, der sich in seinen Arbeiten vor allem mit Linien, Flächen und Bewegungen beschäftigt, wird vor Ort eine neue Raumzeichnung anfertigen. Auch der Schweizer Künstler Christian Herdeg präsentiert eine eigens konzipierte Lichtinstallation. Weitere Teilnehmer der großen Sonderschau sind: Carola Bark, Stephan Baumkötter, Katharina Hinsberg, Max Cole, Rudolf de Crignis, Norbert Kricke, Thomas Müller, Freya Richter, Fred Sandback, Anne Sterzbach, Gerhard Wittner und Isabel Zuber. "Die gerade Linie ist gottlos und unmoralisch", hat Friedensreich Hundertwasser einmal gesagt – die an dieser Ausstellung beteiligten Künstler werden ihn nun wohl wiederlegen.