Museum Ludwig - Köln

Scheiden tut weh

Nach nur einem Jahr ist Philipp Kaiser schon wieder als Direktor des Kölner Museum Ludwig zurückgetreten – dabei versprach seine Amtszeit eine Erfolgsgeschichte zu werden. Wir ziehen die Bilanz des Kaiserjahrs und suchen in der Glaskugel nach einem Nachfolger.
Goodbye Köllifornia:Bilanz der Amtszeit von Philipp Kaiser

Philipp Kaiser vor dem Museum Ludwig

"Bitte glauben Sie mir, die Entscheidung fiel mir auf keinen Fall leicht, und ich bedauere den Schritt. Doch leider sehe ich keine Alternative."

Mit diesen Worten verabschiedete sich Philipp Kaiser vom Kölner Museum Ludwig, dessen Leitung er erst am 1. November 2012 von Kasper König übernommen hatte. Die Gründe für seinen Rücktritt seien rein privater Natur fügte er noch hinzu, ohne dabei konkret zu werden; dem Vernehmen nach kehrt Kaiser, der vor seinem Engagement am Museum Ludwig in Los Angeles tätig war, Ende Februar 2014 in die USA zurück, weil seine Ehefrau und die beiden Töchter in Köln nicht heimisch wurden.

Seiner kurzen Amtszeit zum Trotz hat Philipp Kaiser deutliche Akzente gesetzt. Schon nach wenigen Wochen schien er in Köln angekommen zu sein, was hier immer auch heißt, dass er sich an den Gegebenheiten stieß. Kaiser beklagte öffentlich bürokratische Gängelei, forderte eine größere Eigenständigkeit der städtischen Museen und nahm auch in der Spardiskussion um die Kölner Kunst- und Museumsbibliothek kein Blatt vor den Mund. Auf der anderen Seite fand Kaiser schnell einen guten Draht zu den wichtigsten Gesprächspartnern des Museums: zur Stiftung Ludwig, den Förder- und Freundeskreisen, der Politik und den Sponsoren.

In der eigentlichen Museumsarbeit konnte Kaiser ebenfalls rasch Erfolge vorweisen. Seine aufwendige Neupräsentation der Sammlung Ludwig unter dem Titel "Not Yet Titled" erfüllte die in ihn gesetzte Hoffnung auf einen frischen Blick auf die Kunst im Allgemeinen und auf die eigenen Bestände im Besonderen. Auch in der Ankaufspolitik ist der Generationswechsel, für den Kaiser nach Köln geholt wurde, deutlich zu erkennen. Er erwarb zahlreiche Werke der nach dem Krieg geborenen "Pictures Generation" (Barbara Kruger, Louise Lawler, Jack Goldstein, Sherrie Levine und andere) und ergänzte die Sammlung mit Arbeiten rheinischer Künstler wie Kai Althoff und Candida Höfer. Allerdings ist das wichtigste bei der Sammlungstätigkeit nicht der gelungene Einzelkauf, sondern Kontinuität – und die kann Kaiser dem Haus nun nicht mehr geben.

Über Kaisers Personalentscheidungen lässt sich wenig sagen. Er hat lediglich eine gefällt und für Bodo von Dewitz, der in Pension ging, Miriam Halwani als Kuratorin der Fotografischen Sammlung nach Köln geholt. Kaisers folgenreichste Initiative könnte deshalb der Umgang mit der NS-Raubkunst sein. Im April 2013 empfahl die Limbach-Kommission, Oskar Kokoschkas "Bildnis Tilla Durieux" aus der zum Museum Ludwig gehörenden Sammlung Haubrich an die Erben des jüdischen Kunsthändlers Alfred Flechtheim zurückzugeben. Seitdem hat Kaiser sowohl mit den Erben Flechtheims als auch mit den Erben des Kunsthistorikers Curt Glaser das Gespräch gesucht und beide Parteien überzeugt, insgesamt elf grafische Werke, bei denen es sich ebenfalls um NS-Raubkunst handelt, als Dauerleihgabe oder gegen eine Entschädigung in der Sammlung Haubrich zu belassen.

Und wie geht es weiter? Ab März wird das Museum Ludwig durch einen Platzhalter geleitet, die natürliche Kandidatin hierfür wäre die Stellvertretende Direktorin des Museums Ludwig, Katia Baudin. Das Programm für 2014 und Anfang 2015 steht (mit Retrospektiven zu Pierre Huyghe und Sigmar Polke als Höhepunkten), was Kölns neuer Kulturdezernentin Susanne Laugwitz-Aulbach allerdings auch nicht übertrieben viel Zeit für die Suche des Nachfolgers verschafft. Im Vergleich zur letzten, mit einem dreijährigen Vorlauf in Angriff genommenen Kandidatenkür sind die Voraussetzungen sogar miserabel. Es ist daher gut möglich, dass Kasper Königs geheime Vorschlagsliste erneut zum Einsatz kommt. Über die will König nur verraten, dass mehr Frauen als Männer auf ihr stehen. "Sonst", so König, "wären die Leute doch sofort verbrannt."

Aber vielleicht greift Susanne Laugwitz-Aulbach auch auf ihre Stuttgarter Kontakte zurück. Dann käme Marion Ackermann, Leiterin der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen und bis 2009 Direktorin des Stuttgarter Kunstmuseums ebenso in Frage wie Ulrike Groos, Ackermanns Nachfolgerin in Stuttgart und davor Leiterin der Kunsthalle Düsseldorf. Ansonsten ist die Glaskugel eine Woche nach Philipp Kaisers überraschendem Rücktritt noch weitgehend blind. Als Kasper König vor zwei Jahren seinen Nachfolger begrüßte, ulkte er in Abwandlung eines Abzählreims: Auf König und Kaiser folge dann wohl nur noch der Bettelmann. Aber so schlimm wird es schon nicht kommen.

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