Gib mir fünf! - Die Tipps der Woche

Die fünf Tipps der Woche

Unsere Serie "Gib mir fünf!" präsentiert Ihnen jede Woche fünf Kunst-Höhepunkte, die Sie sich nicht entgehen lassen sollten. art-Redakteur Alain Bieber empfiehlt diese Woche Stadtrundfahrten mit einem Leichenwagen, junge Kunst in Köln und absurde Idyllen.

Kunsthalle Bielefeld: Yoko Ono – Between the Sky and My Head

Sie ist die wohl berühmteste Witwe der Welt: Yoko Ono, 1933 in Tokio geboren. Aber lange bevor sie mit Ehemann John Lennon 1969 in "Bed-Ins" für den Weltfrieden warb, lebte sie in New York, organisierte Konzerte mit John Cage und arbeitete als Konzeptkünstlerin an der Schnittstelle Musik, Malerei, Poesie und Skulptur. "Das Undenkbare denken – und tun", so wird ihr zentrales Anliegen stets zitiert. Ab dem 24. August (bis zum 16. November) zeigt die Kunsthalle Bielefeld Onos Skulpturen, Bilder, Zeichnungen, Fotos, Filme und Klanginstallationen von 1961 bis in die jüngste Gegenwart. Dazu gehört auch ein "Wish Tree", im Außenraum des Museums, der an die Träume der Menschen appelliert. Außerdem die Umsetzung des 1962 entwickelten "Riding Piece: Ride a coffin car all over the city" – Kunsthallenbesucher können sich mit einem Leichenwagen durch die Stadt chauffieren lassen.

Köln: "Artrmx" & "New Talents 2008"

"Zuerscht kommts Siligon Välley un dann Bade-Württebersch", hatte Erwin Teufel, der damalige Ministerpräsident des gleichnamigen Bundeslandes, einmal auf einer Wahlveranstaltung beteuert. Das war natürlich übertrieben. Nicht übertrieben war es, wenn man in der Kunstszene früher sagte: "Zuerst kommt New York und dann Köln." Heute klingt das genauso irrsinnig. Denn schon seit Jahren heißt es für alle Kölner Künstler und Galeristen: Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin. Doch nach all den Requiems jetzt die Überraschung: Kölles Kunstszene singt und lacht und lebt noch. Von Freitag, 22. August, bis zum 31. August läuft die erste "Off-Show für junge Kunst" in Köln: Artrmx. Eine Jury wählte 52 Künstler aus, die nun in Ladenlokalen, leer stehenden Gebäuden und anderen Off-Spaces über ganz Köln verteilt ihre Arbeiten präsentieren. Außerdem: Noch bis Sonntag, den 24. August, präsentiert die Ausstellung "New Talents 2008 – Die junge Biennale Köln" im Rheinauhafen Köln die Arbeiten von mehr als 50 Absolventen der Kölner Hochschulen. Auch diese Veranstaltung verspricht einen attraktiven Mix aus Kunst, Film, Musik und Design. Übrigens: Am Montag schreibt unser Korrespondent Michael Kohler über diese Festivals – und wird berichten, wie es denn nun wirklich um den Kunststandort Köln steht.

Kevelaer: Fabian Seyd – "Mademoiselle, ich möchte nicht, dass Sie mit Eisen handeln"

Der Berliner Künstler Fabian Seyd hat eine Vorliebe für brav gescheitelte Buben und Mädchen, Jäger und Wanderer mit Hund und Rucksack – und andere Motive aus der heilen Welt. Aber gerade die vermeintlich perfekten Attribute offenbaren schnell, wie Seyd selbst sagt, "verborgenen Funken an Absurdität hinter der Idylle". Die Galerie Börgmann zeigt ab Sonntag, den 24. August (bis 26. September), neue Arbeiten des Berliner Künstlers. Die Galerie, die sich in einem ehemaligen Bunker für Mittelstreckenraketen, direkt an einem Waldrand im rheinischen Kevelaer befindet, bietet dabei die perfekte Kulisse für die verstörenden Gemälde Seyds.

Hamburg: Eröffnung Galerie Art Cooperation

Über 600 Galerien gibt es in Berlin – in Hamburg sind es noch weitaus weniger. Deshalb ist die Vorfreude über einen neuen Ort für zeitgenössische Positionen zunächst immer groß: Am Freitag, 22. August, eröffnet Walter Khatchi seine Galerie Art Cooperation im Hamburger Stadtteil Eppendorf. Seine Ausstellung "Mit dem inneren Auge" präsentiert großformatige Ölgemälde von Stephan Clevé (* 1951) und figurative Skulpturen, aus Bronze, Beton und Porzellan, der Berliner Künstlerin Susanne Kraißer (* 1977). Die erste Ausstellung ist für eine neue Galerie stets eine der wichtigsten – deshalb und weil die ersten Eindrücke vielversprechend sind, könnte es also am Freitag sehr spannend werden.

Herne: "Es war einmal..." und "staub zwei" von Herbert Hofer

Zwölf Künstler, zwölf Blickwinkel: Die Studenten der Fachhochschule Dortmund haben zusammen mit ihrer Dozentin Petra Senn zu dem Thema "Es war einmal" fotografische Positionen entwickelt. Entstanden sind bezaubernde Momentaufnahmen, Selbstinszenierungen und Kindheitserinnerungen, die ab Samstag, 23. August, in den Flottmannhallen in Herne gezeigt werden. Zeitgleich eröffnet auch die Ausstellung "staub zwei" von Herbert Hofer, der neue Skulpturen, Installationen und Videoarbeiten präsentiert: Ein Buchstabengewirr regnet von der Decke, und Aluminiumbögen stehen wie verknittertes Papier in der Ecke. Ein spannendes Spiel mit Raum und Realität – und voller Poesie.