Shepard Fairey - Boston

Obamas Poster-Boy festgenommen

So manche seiner Streetart-Kollegen hatten in der letzten Zeit kritisiert, dass Shepard Fairey, der Mann hinter dem berühmten Poster von Barack Obama, an Glaubwürdigkeit eingebüßt hatte und Teil des Establishments geworden war. Da traf es sich günstig, dass der Graffiti-Künstler pünktlich zu seiner ersten großen Solo-Ausstellung am Institute Of Contemporary Art in Boston, bei der mehr als 80 seiner Arbeiten gezeigt werden, von der Polizei verhaftet wurde.

Shepard Fairey schaffte es nicht einmal zu seiner eigenen Opening-Party von "Supply and Demand", wo er als DJ für die Musik sorgen wollte. Auf dem Weg zum Museum fingen ihn Polizisten ab. Zwei Haftbefehle liegen gegen den 38-jährigen Künstler, Grafikdesigner und politischen Aktivisten vor. An zwei Orten in der Stadt soll er sich mit seinen "Andre The Giant"-Graffitis verewigt haben. An weiteren Stellen, an denen die Beamte Motive aus Faireys gesellschaftskritischer "Obey"-Serie fanden, wird noch ermittelt.

Ein Sprecher des Museums gab bekannt, dass Fairey bereits wenige Stunden nach seiner Festnahme wieder auf freien Fuß gesetzt wurde. Anfang dieser Woche steht er vor dem Anklagerichter. Fairey hatte in den vergangenen zwei Wochen zahlreiche Vorträge in Boston gehalten und neben anderen offiziellen Wandmalereien ein Transparent für das Rathaus gefertigt. Berühmt wurde der in Los Angeles ansässige Künstler durch sein "Hope"-Plakat mit dem ikonischen, dreifarbigen Obama-Pop-Art-Porträt, das er in Eigeninitiative kreiert und verbreitet hatte und das schließlich vom Präsidenten und seinem Team im Wahlkampf eingesetzt wurde. Hunderttausendfach wurde das Motiv auf Plakaten, Anstecknadeln oder auf T-Shirts verkauft. Auch hier gibt es nachträglich Ärger. Fairey hatte sich im Internet die Vorlage zu seinem Porträt gesucht. Die Nachrichtenagentur "Associated Press" meldete rechtliche Ansprüche an und will entschädigt werden, weil das Bild von einem ihrer Fotografen stammt.

Das Hope-Poster des "Skate-Punk mit Sekretärin", wie ihn die Washington Post nannte, hat es sogar in die altehrwürdige National Portrait Gallery in Washington geschafft. Das Männer-Magazin "GQ" kürte Fairey zu einem der Männer des Jahres, und das "Time Magazine" druckte sein Bild auf dem Cover. Manche würden seine Arbeit als Propaganda sehen, hat Fairey einmal in einem Interview gesagt. "Dabei bin ich der erste, der Obama kritisieren wird. Aber Veränderung kann passieren – und daran glaube ich."

"Shepard Fairey: Supply & Demand"

Termin: bis 16. August, Institute Of Contemporary Art, Boston, USA
http://www.icaboston.org/exhibitions/exhibit/fairey/

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