Lucy Liu - Art Basel Miami

Besser Kritik, als keine Reaktionen

Als Schauspielerin Lucy Liu zur Kunstmesse in Miami einflog, drehten die Paparazzi am Flughafen durch. Dabei wollte Liu, bekannt aus Hollywoodfilmen wie „Kill Bill“ oder „Drei Engel für Charlie“, nur ihre neueste Arbeit vorstellen: ein abstraktes Gemälde, das von Montblanc in Kommission gegeben wurde. Im hautengen Kleid von Zac Posen läutete die 39-jährige ihre neue Karriere als Künstlerin ein – und hielt sich während des Interviews tapfer an ihrer Handtasche fest
Inspiriert durch erotische Holzschnitzereien:Lucy Liu ist jetzt auch Künstlerin

„Kill Bill“-Star Lucy Liu präsentiert auf der Art Basel Miami ihr abstraktes Gemälde

art: Wie kommt es, dass bislang niemand von der Malerin Lucy Liu wusste?

Lucy Liu: Weil ich öffentlich nicht viel darüber gesprochen habe. Ich lebe in New York und habe ein Atelier in Chelsea. Seit meinem 15. Lebensjahr mache ich Kunst, sie war immer Teil meines Lebens. Im vergangenen Jahr versteigerte Sotheby's einige meiner Arbeiten in New York, der Erlös ging an Unicef. Anfang Mai werde ich in der Münchner Galerie von Lisa Ungar eine Ausstellung haben.

Sind Sie sich darüber bewusst, dass die Kritiker unter Umständen gnadenlos mit Ihnen umspringen werden?

Sollen sie doch. An meiner Arbeit werde ich trotzdem nichts ändern. Es ist besser, Kritik einzustecken, als überhaupt keine Reaktionen zu bekommen. Ich möchte mich selbst nicht als Opfer sehen, das sich nicht auf ein neues Terrain traut. Hätte ich dies in meiner Vergangenheit getan, wäre ich heute nirgendwo. Als ich vor einiger Zeit meine Arbeiten in Galerien zeigte, fragten sie nach meiner künstlerischen Ausbildung. Man erkannte mich nicht als Malerin an. Mir fehlt das Verständnis dafür, dass ich einen Abschluss vorweisen muss, um mich unter Beweis zu stellen. Bei der Parsons School of Design in Los Angeles habe ich mich um einen Studienplatz beworben und wurde angenommen. Doch als ich mir darüber im Klaren war, dass sieben Jahre Studium auf mich zukommen würden, entschied ich mich dagegen und beschloss, einfach weiterzuarbeiten.

Suchen Sie mit der Kunst einen Ausgleich zum manchmal oberflächlichen Filmgeschäft?

Meine Arbeit als Künstlerin und als Schauspielerin läuft Hand und Hand. Beides ist für mich wie Atmen und nicht voneinander trennbar. Die kommerzielle Seite des Kunstgeschäfts kenne ich. Für mich kommt sie erst ins Spiel, wenn mein kreativer Prozess abgeschlossen ist. Während ich drehe oder male, denke ich nicht weiter darüber nach.

Was werden Sie in München zeigen?

Es sind abstrakte Bilder in leuchtenden Farben, die erotische, japanische Holzschnitzereien als Grundlage haben. In Asien gibt es diese Wand, die Sexualität vom öffentlichen Leben trennt. Was als schicklich gilt, ist genau definiert. Das Leben findet hinter eine Fassade statt. Es existiert diese andere Seite, die so unglaublich erotisch und sexuell ist. Aber niemand spricht darüber. Auch ich bin so groß geworden.

Aber Sie wuchsen doch in den USA auf?

Ich habe meine Kindheit in New York verbracht, meine Eltern stammen aus China. Zu Hause sprachen wir ausschließlich chinesisch. Erst als meine Schwester zur Schule kam, fing ich im Alter von vier Jahren an, Englisch zu lernen. Wir waren Teil einer völlig abgeschotteten Kultur. Erst als ich das College besuchte, öffnete sich für mich die Welt. Ich hatte das Gefühl, dass ich mit 20 wirklich geboren wurde. Damals fing ich zu schauspielern an und widmete mich mit großem Selbstbewusstsein meiner Kunst. Andere wollten mir weismachen, dass ich niemals etwas damit erreichen würde. Aber das spielte keine Rolle für mich. Ich musste einfach machen, wonach ich mich fühlte.

"Lucy Liu – Gesammelte Werke"

Vom 8. bis 31. Mai 2008 stellt Lucy Liu in der Münchner Galerie SixFriedrichLisaUngar ihre gesammelten Werke aus.
http://www.sixfriedrichlisaungar.de/

Mehr zum Thema auf art-magazin.de