Paul Schimmel - London

Hauser, Wirth & Schimmel

Als Chefkustos des MOCA in L.A. machte er sich einen Namen. Jetzt plant Paul Schimmel zusammen mit der Galerie Hauser & Wirth einen großen Coup im Sonnenstaat der USA. art sprach mit dem Kurator über seine Pläne und die Präsentation der Sammlung Onnasch in London.
Auf nach L.A.:Kurator Paul Schimmel im Interview

Porträt Paul Schimmel

Mehr als 20 Jahre lang stand Paul Schimmel, 58, als Chefkustos der Ausstellungsabteilung des Museum of Contemporary Art (MOCA) in Los Angeles vor, wo er bahnbrechende thematische Ausstellungen und Retrospektiven von Künstlern wie Paul McCarthy organisierte.

Im Sommer 2012 trat er dann unerwartet von seinem Posten zurück. Im April wurde er als Partner der internationalen Galerie Hauser & Wirth mit Sitz in London, Zürich und New York bestätigt, für die er in Los Angeles eine Filiale aufbauen soll. Nun hat er in London seine erste Schau für Hauser & Wirth kuratiert, mit Werken der Sammlung von Reinhard Onnasch. art sprach mit Paul Schimmel.

Herr Schimmel, wie würden Sie die Sammlung Onnasch charakterisieren?

Es ist die Sammlung eines Sammler-Galeristen oder Galeristen-Sammlers, ich weiß nicht, was zuerst kam. Sie hat enorme Breite, was die Philosophien der einzelnen Künstler angeht, und sie ist nicht hierarchisch aufgebaut. Außerdem wird man das Gefühlt nicht los, dass Onnasch ein altmodischer Händler war, wie Kurt Beyeler oder Ileana Sonnabend, die es jedes Mal bedauerten, wenn sie ein Werk verkauften.

Sie ist nicht bunt zusammengewürfelt? Wenn man sich die Werkliste ansieht, könnte man den Eindruck bekommen.

Sie ist sicher nicht eng fokussiert, weder geografisch noch ästhetisch, und wenn Sie sich lediglich die Namen ansehen, könnten Sie zu dem Schluss kommen. Als Kurator hatte ich es aber leicht, eine Auswahl zu treffen, Gruppierungen zu finden. Mir standen drei Standorte zur Verfügung – einen reservierte ich für die New Yorker Schule, den zweiten für Poppiges und den dritten für Assemblage, mit Ed Kienholz im Zentrum.

Die Schau findet nicht in einem Museum, sondern in einer kommerziellen Galerie statt. Ist das der erste Schritt zum Verkauf von zumindest Teilen der Sammlung?

Dazu kann ich nichts sagen. Nur das eine: Nichts hier steht zum Verkauf. Und bei der Zusammenstellung hat mir niemand Anweisungen gegeben oder reingeredet. Ich bekam eine Werkliste und mir wurde gesagt: Wähle aus, was Du möchtest.

Können Sie etwas zu den Umständen sagen, unter denen Sie im vergangenen Jahr MOCA verließen?

Nein. Nur soviel: Ich freue mich sehr, dass MOCA auf dem besten Weg ist, eine unabhängige Institution zu bleiben.

Es ist eigentlich nicht ungewöhnlich, dass Museumsleute in den Privatsektor wechseln. Doch ein Kustos Ihrer Statur – das gibt es nicht oft.

Nehmen Sie John Elderfield, und Germano Celant arbeitet seit langem in beiden Bereichen.

Das sind Ausnahmen.

Ungewöhnlich bei mir ist vielleicht, dass sich in diesem Fall mein persönliches Interesse mit dem von Hauser & Wirth deckt. Ich meine damit meine Leidenschaft für Los Angeles und die dortige Kunst. Gemeinsam wollen wir etwas ganz Neues starten, das diese Annäherung von Museums- und kommerzieller Welt reflektiert, die wir beobachten.

Was für eine Galerie wollen Sie also aufbauen? Nicht eine wie Hauser & Wirths Londoner Galerie, in der wir sitzen?

Nein. Wir suchen nach flexiblen Räumlichkeiten, groß genug, um historisch orientierte, museale Ausstellungen zu machen. Wir wollen eine Mischung aus Museumsschau und Verkaufschau mit Galeriekünstlern machen, und wir wollen die schnelle Folge von Galerie-Schauen vermeiden, die monatlich wechseln. Höchstens vier im Jahr.

Die neue Galerie soll Hauser, Wirth & Schimmel heißen. Wie wichtig ist es, dass Sie nicht Direktor, sondern ein Partner in der Galerie sind, und dass Ihr Name auftaucht?

Ich glaube, es ist in Los Angeles wichtiger als anderswo. Es gibt eine Reihe von Galerien, die in L.A., langfristig oder kurzfristig, Außenstellen betrieben. Doch Iwan Wirth war klar, dass meine lange und tiefe Verbundenheit mit der Stadt am besten zum Tragen kommen kann, wenn mein Name aufscheint. Und ich kann sagen: Er hat mir ein Zuhause in dem Ort gegeben, den ich liebe.

Onnasch Collection

bis 14. Dezember, Hauser & Wirth London
http://www.hauserwirth.com