Ai Weiwei - China

Aufgeschreckt, geschlagen, festgehalten

Der chinesische Documenta-Künstler Ai Weiwei hatte mit Helfern den Prozess gegen einen Aktivisten beobachten wollen und wurde von der Polizei festgenommen.
Aufgeschreckt, geschlagen, festgehalten:Ai Weiwei in Chengdu festgenommen

Nackt posierte Ai Weiwei auf seiner Website – so protestierte er vor kurzem gegen die von den chinesischen Behörden geplante Zensur-Software "Grüner Damm", mit der gegen Seiten mit pornografischem Inhalt vorgegangen werden soll

Der chinesische Künstler und Aktivist Ai Weiwei und andere Personen aus seinem Umfeld sind im chinesischen Chengdu vorübergehend festgenommen worden. Ai Weiwei und zehn seiner Helfer wurden von der Polizei in ihrem Hotel aufgeschreckt und geschlagen, außerdem wurden sie daran gehindert, das Hotel zu verlassen. "Sie benahmen sich wie Gangs in einem Spielfilm, sie konnten einfach machen, was sie wollten, es war erschreckend", sagte Ai Weiwei der Agentur "Reuters". Ai Weiwei und seine Helfer hatten an dem Prozess gegen den Aktivisten Tan Zuoren teilnehmen wollen, der nach dem verheerenden Erdbeben im vergangenen Frühjahr den Tod von Kindern und Baumängel an Schulgebäuden untersucht hatte.

Die chinesischen Behörden dagegen haben auch gut ein Jahr nach dem Beben in der Provinz Sichuan noch nicht einmal die genaue Zahl der Toten und deren Identität bekannt gegeben. Auch Ai Weiwei hatte sich schon Anfang 2009 bei den Behörden unbeliebt gemacht, als er sich um die Identität der Erdbebenopfer bemüht hatte. "Der Grund dafür war, dass es auch 300 Tage nach dem Erdbeben noch keinerlei vertrauenswürdige Listen mit einer auch nur annähernden Zahlenangabe gegeben hat", sagte Ai Weiwei in einem Interview mit der "China Digital Times". "Ich bin der Meinung, dass eine offizielle Liste eindeutig Namen, Alter, Todesursache genau so wie den Todesort und das Hausstandsregister beinhalten sollte." Ai Weiwei: "Der Name ist mit einer Person verbunden und die fundamentalste Information über sie oder ihn. Konsequenterweise habe ich dann gedacht, wir sollten etwas dafür tun, weil das Handeln der Regierung einfach nicht transparent war." Ai Weiwei organisierte daraufhin ein Team von 50 Freiwilligen um "zu untersuchen, aufzuzeichnen und zu erklären, was genau passiert ist".

Es ging vor allem um die Existenz von 5335 jungen Schülern und Studenten, die bei dem Erdbeben ums Leben gekommen waren. Ai Weiwei setzte die so erarbeiteten Listen nach und nach in seinen Blog. "Tausende starben bei dem Erdbeben – war das nun unumgänglich oder mussten sie sterben, weil es Fehler oder gar verbrecherische Dinge bei der Errichtung von Gebäuden gab?"

Ai Weiwei war Teilnehmer der Documenta 12. Er hatte für seine Aktion "Fairytale" (Märchen) 1001 Landsleute nach Kassel einfliegen lassen und hatte "Template", eine riesige Torkonstruktion aus Hunderten antiker Fenster und Türen von verkommenen oder abgerissenen chinesischen Bauten errichtet. In wenigen Tagen war das Monument zu einem Wahrzeichen dieser Documenta geworden – ungeachtet der Tatsache, dass ein heftiger Sturm das Konstrukt zum Einsturz gebracht hatte.

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