Documenta 13 - Kuratoren

Agenten, Berater und seitenweise Theorie

Am heutigen Freitag verkündete die künstlerische Leiterin Carolyn Christov-Bakargiev in Berlin ihr Kuratoren- und Beraterteam für die kommende "documenta 13". Dabei war neben einem Quantenphysiker auch die Grande Dame der feministischen Cyborg-Theorie. Es werde kein vorgefasstes Konzept geben, dafür viele rote Fäden und viel Theorie.
Quantenphysik als Berater:Kuratorenteam der Documenta

Carolyn Christov-Bakargiev umringt von Beratern und Kunstexperten bei der Pressekonferenz am Freitag.

Nur eins gab es nicht, als die Documenta-Chefin Carolyn Christov-Bakargiev im "Hebbel am Ufer" heute Mittag vor der Presse erste Einblicke in die Vorbereitungen zur 13. Documenta lieferte: eine Künstlerliste. Dies ist erfahrungsgemäß der bis kurz vor Eröffnung gut gehütete Schatz einer jeden Kunst-Großveranstaltung vom Format der "D13", die ja erst im Sommer 2012 in Kassel stattfindet.

Aber jenseits der hochgeheimen Künstlernamen gab es alles andere im Überfluss: allein neun "Agenten" und "Berater" (so heißen Co-Kuratoren jetzt) saßen mit Christov-Bakargiev auf der Kreuzberger Theaterbühne und berichteten von ihren Diskussionen mit der Chefin und untereinander: der Quantenphysiker Anton Zeilinger etwa, der davon erzählte, wie die Frage nach Zeit und Raum die Wissenschaft genau wie die Kunst beschäftigte, oder die Kuratorin Kitty Scott, die neulich bei der "New York Times"-Lektüre über einen Artikel gestolpert sei, der von einer Bergziege handelte, die im Nordwesten der USA einen Bergsteiger tödlich verletzte. Von Donna Haraway, der Grande Dame der feministischen Cyborg-Theorie, gab es eine akustisch leider schwer verständliche Videobotschaft aus Kalifornien.

Warum Christov-Bakargiev schon jetzt die Öffentlichkeit suchte, obwohl das eigentliche Ereignis erst in zwei Jahren stattfindet, erklärt sich aus dem veränderten Selbstverständnis der Documenta. Schon Okwui Enwezor, künstlerischer Leiter der 11. Documenta 2002, inszenierte die Ausstellung als Gipfelpunkt einer Reihe von Theorie-Kongressen, die schon Monate vor der Eröffnung in Kassel tagten.

Auch die Nebulösität, das Konzeptuelle betreffend, folgt einer altbekannten Documenta-Dramaturgie. Die D13 sei "keinem einzigen, übergreifenden Konzept" verpflichtet, erklärte Christov-Bakargiev: Sie führe stattdessen vielfältige Materialien, Methoden und Wissensformen zusammen.

So wird die Documenta neben der konkreten Akt der Kunstpräsentation wohl auch dieses Mal als Vehikel zur Theorieproduktion genutzt werden – das verbindet sie auch mit den Vorgänger-Veranstaltungen unter Roger Buergel (2007) oder auch Catherine David (1997). Wer in Kassel auf Augenhöhe diskutieren will, sollte schon mal bis 2012 die neunseitige Literaturliste mit rund 200 Büchern und Artikeln durcharbeiten, die Christov-Bakargiev an die Presse verteilen ließ.

Neben dieser veröffentlichte sie außerdem einen ausführlichen Brief, adressiert an "My dear friend", in dem sie nicht nur die bisherige Entwicklung schildert, sondern auch zu munteren Spekulationen einlädt. Tatsächlich erwähnt sie darin nämlich zahlreiche Begegnungen mit Künstlern, möglichen Teilnehmern also, nennt diese jedoch stets nur beim Vornamen. Wer nun mitmachen möchte, beim großen Künstlerraten, findet den Brief als PDF auf der Webseite der Documenta.