Stealing Klimt - Film

Ein äusserst prominenter Präzendenzfall

Die Geschichte hinter der Rückgabe des Gemäldes "Die Goldene Adele" von Gustav Klimt erzählen Jane Chablani und Martin Smith in ihrem Dokumentarfilm "Stealing Klimt“
Rekonstruktion:Rückgabe des Klimt-Gemäldes "Die Goldene Adele" im Film

Plakat für den Dokumentarfilm "Stealing Klimt"

Als die "Goldene Adele“ und vier weitere Gemälde Gustav Klimts nach langem Rechtsstreit an die Erben der einstigen Besitzer zurückgegeben wurden, kam dies nicht nur einer Sensation gleich, die Restitution schuf auch einen äußerst prominenten Präzedenzfall. Auf dem Kunstmarkt wurde mit Genugtuung registriert, dass sich gerade ein demokratisch legitimierter Staat nicht auf sein nationales Erbe herausreden kann, wenn er private Eigentumsrechte verletzt. Vielmehr enteignet er durch die Nazis geraubte Kunstgüter ein zweites Mal, indem er sie zum allgemeinen Gut erklärt.

Entsprechend verhalten war die öffentliche Klage, als vier der fünf Klimts bei einer Auktion an anonym bleibende Sammler gingen. Immerhin wird "Adele Bloch-Bauer I“ (1907), mittlerweile das teuerste Gemälde der Welt, wieder in einem Museum ausgestellt, wenn auch in den privaten Sälen des Kosmetikerben Roland Lauder.

Die Geschichte hinter diesem Ereignis erzählen Jane Chablani und Martin Smith in ihrem sehenswerten Dokumentarfilm "Stealing Klimt“ (Stardust Filmverleih). Er beginnt mit dem Leben der von Gustav Klimt gleich zweimal porträtierten Adele Bloch-Bauer und lässt sich zu gleichen Teilen als Familienchronik und Einführung in die Mechanismen des Kunstmarkts lesen, vor allem aber als Lehrstück über ein Kapitel österreichischer Vergangenheitsbewältigung. Auf reichlich dubiose Weise hatte die Österreichische Galerie Belvedere den "geschenkten“ Gaul nach Kriegsende für sich reklamiert und die durch Maria Altmann schon früh geltend gemachten Ansprüche zurückgewiesen. Zwar durfte die in die USA emigrierte Erbin Ferdinand Bloch-Bauers (dessen Ehefrau Adele 1925 starb) nach Antrag einen Teil des Familienbesitzes ausführen, doch nur unter der Bedingung, die Klimt-Gemälde dem österreichischen Staat zu überlassen. Dieser erpresserische Handel wurde über 50 Jahre später erfolgreich angefochten, wobei für Österreich wohl vor allem der drohende Ansehensverlust den Ausschlag gab.

Chablani und Smith räumen den Berichten Maria Altmans in ihrem Film den größten Raum ein und ergänzen die Erinnerungen der mittlerweile 91-jährigen Dame durch die Aussagen von Rechtsanwälten, Kunsthistorikern und Journalisten. Für die österreichische Seite wollte dabei niemand Partei ergreifen, statt dessen entwickelt sich der Film dank der erhellenden Montage verschiedener Expertenstimmen (unter anderem von Hubertus Czernin und Willi Korte) immer mehr zu einem Sittenbild der österreichischen Gesellschaft seit dem Anschluss an das Dritte Reich.

Die Autoren arbeiten nicht ohne Süffisanz an einer Kontinuität, die vom antisemitischen Eifer der Bevölkerung über die nationale Lebenslüge, die ersten Opfer der deutschen Kriegslüsternheit gewesen zu sein, bis zum chauvinistischen Pochen auf den eigenen Kulturschatz führt. Jahrzehntelang hielt der Alpenstaat Hunderte mutmaßlich geraubte Kunstwerke in geheimen Kammern vor der Öffentlichkeit versteckt, im Fall der fünf Klimt-Gemälde war sich ein Museumsdirektor nicht dafür zu schade, seinen Kollegen vorzuwerfen, während der Nazizeit keine klaren Verhältnisse geschaffen zu haben.

Ausgerechnet zu diesem entlarvenden Zitat bleiben Chablani/Smith leider eine eindeutige Quellenangabe schuldig. An manchen Stellen hätte man sich auch sonst etwas größere Faktensicherheit gewünscht, an anderen wiederum eine etwas weniger am Fernsehformat geschulte Inszenierung. Doch insgesamt überzeugt „Stealing Klimt“ als Annäherung an eine juristische Skandalgeschichte, die den Kunstmarkt in Aufruhr versetzte und den österreichischen Gleichmut in Bezug auf die eigenen historischen Verfehlungen ins Wanken brachte. Wäre der Hintergrund nicht gar so ernst, könnte man es für eine Nestroysche Komödie halten. Über die kulturpolitische Bedeutung dieses Falls wird sicher noch zu reden sein, und das nicht nur in Wiener Kreisen.

Stealing Klimt. Regie: Jane Chablani, Drehbuch: Martin Smith. GB 2006, 88 Minuten, Stardust Filmverleih. Seit 6. September im Kino.

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