Turner Prize 2014 - London

Fremde aus der Provinz

Sie sind heimisch in der medialen Welt, fordern den Betrachter ihrer Werke heraus und geben den Kritikern Rätsel auf. Die Tate Britain zeigt die Arbeiten der Nominierten des Turner Prize 2014, die tapfer schweigen.

Als im Mai die Namen der vier nominierten Künstler bekanntgegeben wurden, überschlugen sich Londons Kunstkritiker nicht gerade vor Begeisterung. Adrian Searle vom "Guardian" war "sprachlos", die Auswahl "verwirrte" ihn, und er stöhnte über die "harte Arbeit", die ihn erwarte.

Im "Daily Telegraph" glaubte Mark Hudson, dass es "in der Ausstellung selbst herzlich wenig zu sehen geben wird", Jennifer Higgie, Co-Chefin der Zeitschrift "Frieze", bedauerte gegenüber der "BBC", dass es "nicht genügend Vielfalt der Ansätze" gebe. Und auf der Website des konservativen "Spectator" nannte Blogger Lara Prendergast die Auswahl eine "inspirations­lose Ode an eine multimediale Welt".

Selbst Kennern der Londoner Kunstszene waren die Namen der vier Kandidaten wenig geläufig. Das mag auch daran liegen, dass drei von ihnen an der "Glasgow School Of Art" studiert haben und zwei noch immer in Glasgow leben, also weit ab vom Schuss. Der aus Dublin stammende Duncan Campbell, 42, der auf der letzten Venedig-Biennale Schottland vertreten hat, macht überlange, theoretisierende Filme, die die Geduld des Zuschauers extrem herausfordern.

Auch der in Wales geborene James Richards, 31, arbeitet mit dem Medium Film. In "Rosebud" (2013) stellt er unter Wasser gedrehte Szenen Aufnahmen von Büchern aus einer Bibliothek in Tokio gegenüber, deren Fotografien mit sexuellen Inhalten von der Zensur durch Wegkratzen zensiert wurden. Der 32-jährige Tris Vonna-Michell kombiniert Film und Dias mit der eigenen Stimme und erzählt halb improvisierte Geschichten, etwa die seiner aus Berlin stammenden Großmutter. Die in Glasgow lebende Kanadierin Ciara Phillips, 38, ist die Außenseiterin. Sie verwandelt Ausstellungsräume in eine Druckerwerkstatt, wo sie mit Bürgerinitiativen Siebdrucke und Textilien herstellt.

Da sich sowohl die ausrichtende "Tate Britain" als auch die Künstler selbst wie üblich in Schweigen hüllen, ist schwer zu sagen, was auf den Besucher zukommen wird. Werden die vier eigens für die Schau Neues produzieren oder, was ihr gutes Recht ist, sich auf alten Lorbeeren ausruhen? Welchen Themen werden sich die Kameras von Richards und Campbell zuwenden, welche Ecke seiner Autobiografie wird Vonna-Michell ausleuchten? Und vor allem: Wen wird Ciara Phillips einladen, gemeinsam mit ihr in den heiligen Hallen der "Tate Britain" Kunst zu machen?

Turner Prize 2014 – Annual exhibition of shortlisted artists

bis 4. Januar 2015, Tate Britain, London
http://www.tate.org.uk/whats-on/tate-britain/exhibition/turner-prize-2014

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