Gib mir fünf! - Tipps

Die fünf Ausstellungstipps der Woche

Jede Woche präsentieren wir Kunst, die Sie nicht verpassen dürfen. Diesmal mit intensiven Blicken, salzigen Tränen und Aquarellen von Heiligen und Terroristen.

Köln: Menschen und Blicke

Er will ans Herzstück der Gewalt in Amerika gelangen, die sich in physischer und psychischer Brutalität offenbart. Joseph Rodriguez´ Fotografien zeugen von Armut, Angst, Bedrohung und der Kraft des Glaubens.

Dem hispanischstämmigen US-Amerikaner, der als Dokumentarfotograf um die halbe Welt reiste, gelingt es, durchdringende Blicke und intensive Gefühle von Menschen einzufangen, die fremdbestimmt von Umwelt und Gesellschaft zwar eigenständig denkende Personen sind, oft aber unfähig den gegebenen Umständen zu entkommen. Dass es dazu an erster Stelle Mut zum Träumen und Handeln bedarf, beweist Rodriguez selbst, der als Jugendlicher wegen Diebstahl und Drogenhandel einsaß, und den "Ghetto"-Vierteln New Yorks mit seiner Fotografie entkam.

Die Ausstellung "A Humanist Gaze – Joseph Rodriguez" ist bis zum 6. April in der Hardhitta Gallery in Köln zu sehen. Die Eröffnung findet am 2. März um 18 Uhr statt.

Karlsruhe: Zeit und Fremdheit

Das Gefühl von Fremdheit im eigenen Land, das eine andere Kultur imitiert, sowie durch Andersartigkeit im Ausland kennt Leiko Ikemura nur zu gut. Im Japan der Nachkriegszeit aufgewachsen, ging sie mit 21 Jahren nach Spanien, anschließend in die Schweiz und letztlich nach Köln und Berlin. Nicht nur ihre persönliche Entwicklung ist durch den örtlichen und gesellschaftlichen Wandel geprägt, ebenso ihr künstlerischer Werdegang. Ihre Bilder – mit leichtem Pinselstrich und zarten Aquarellfarben gemalt – zeugen in ihrer Verschwommenheit von Ikemuras Ansicht, dass Menschen nicht biologisch durch Geburt, sondern durch äußere Prägung zu Mann und Frau werden, und dass auch die individuelle Persönlichkeit nur Teil des großen Ganzen ist. Die Kunsthalle Karlsruhe zeigt 140 Bilder und Skulpturen aus dem jüngeren Werk Ikemuras, das von zeitgeschichtlichen Ereignissen inspiriert ist und so auch Papst Benedikt XVI. und Osama bin Laden einschließt.

Die Ausstellung "Leiko Ikemura – i-migration" ist vom 9. März bis zum 16. Juni in der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe zu sehen. Die Eröffnung findet am 8. März um 18 Uhr statt.

Hamburg: Salzige Tränen

Tag für Tag erschaffen wir neue Inseln. Die bisher größte davon hat die Dimension Mitteleuropas und schwimmt frei im Meer. Ihre farbenfrohen Bestandteile: Blaue Plastiktüten, pinkfarbenes Kinderspielzeug, durchsichtige Luftpolsterfolie oder PET-Flaschen, gelbe Luftmatratzen und grüne Taue. 6,4 Millionen Tonnen Kunststoffmüll gelangen jedes Jahr vom Land ins Meer. Verhungerte Tiere mit Plastik gefüllten Mägen oder verfangen in Netzen sind keine Ausnahme und stellen ein qualvolles Beispiel der Umweltproblematik dar. Das Museum für Kunst und Gewerbe zeigt begleitend zur Ausstellung "Endstation Meer? Das Plastikmüll-Projekt" die Open-Air-Ausstellung "MeeresFrüchte" vor dem Hamburger Hauptbahnhof – Bilder kunstvoll aussehender und gleichzeitig fataler "Meeres-Objekte" aus dem einstigen Wunderstoff Plastik.

Die Ausstellung "Endstation Meer? Das Plastikmüll-Projekt" ist bis zum 1. April im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg und die Open-Air-Ausstellung "MeeresFrüchte" vom 7. bis zum 27. März auf dem Steintorplatz am Hauptbahnhof Hamburg zu sehen.

Bremerhaven: Spermüll und Ironie

Kunst muss nicht immer bedeutungsschwer sein, um Kunst zu sein. Sie darf einen auch zum Träumen bringen – oder zum Schmunzeln. Wenn man etwa bemerkt, dass der Künstler Thorsten Brinkmann auf seinen Fotografien nicht nur gebrauchte Alltagsgegenstände vom Spermüll und Kleidung vom Flohmarkt zu Skulpturen verbaut, sondern dass er der versteckte Körper ist, der die Gegenstände zusammenhält. Die Lebendigkeit der Spermüll-Objekte und die kunsthistorischen Bezüge lassen einen an die strenge Standuhr sowie den singenden und tanzenden Armleuchter aus "Die Schöne und das Biest" denken, und die an die örtlichen Gegebenheiten angepassten Installationen bringen einen zum ungläubigen Staunen. Die Kunsthalle Bremerhaven zeigt Fotografien, Filme und Skulpturen des blonden Hünen mit Sinn für Ironie.

Die Ausstellung "Thorsten Brinkmann – Kaffee Dü Welt" ist vom 8. März bis zum 14. April in der Kunsthalle Bremerhaven zu sehen. Die Eröffnung findet am 8. März um 18 Uhr statt.

Berlin: Glückliche Insel

Zwei Jahre ist die Nuklearkatastrophe nun her, die aus der "glücklichen Insel" Fukushima (so die Übersetzung des Namens) verseuchtes Gebiet machte und die Region zum Sinnbild für technologisches Versagen und die verheerenden Auswirkungen auf die Umwelt werden ließ. Das Event "311 Fukushima" bekundet Solidarität mit den Opfern und Gegnern der Atomkraft. Kuratiert vom Berliner Musiker Manami N. zeigt das Ausland in Berlin zwei kurze Dokumentarfilme aus Japan sowie eine Performance des Künstlers Takehito Koganezawa, des Musikers Schneider TM und der Tänzerin Tomoko Nakasato. Unterstützt wird das Event von "RiCE-UP Organic Onigiri", das die Hälfte der Erlöse des Abends an die Kinder der Kleinstadt Katsurao in Fukushima spendet.

Das Ausstellungsevent "Koganezawa / Schneider TM / Nakasato – 311 Fukushima" ist am 10. März um 19 Uhr im Ausland in Berlin zu sehen.