Baselitz TV - Dokumentation

Maler und Medienkünstler

Zum 75. Geburtstag zeigt der Bayerische Rundfunk eine neue Baselitz-Dokumentation. Der frühere Wüterich zeigt sich darin als entspannter Maler, der sein Spätwerk mediengerecht zelebriert.
Altenteil fällt aus:Dokumentarfilm über Georg Baselitz

Georg Baselitz in seinem Atelier am Ammersee

Georg Baselitz malt seine Bilder am Boden, auf den Knien. Anders geht es nicht, sonst würde die Farbe verlaufen: "Ich arbeite sehr flüssig, sehr dünn und sehr schnell."

Wenn die Leinwand zu schwimmen beginnt, steht ein halbes Dutzend Ventilatoren zum Schnelltrocknen bereit. In den ersten Sequenzen der TV-Dokumentation "Ein deutscher Maler" schaut die Kamera dem 1938 geborenen Künstler zu, wie er in seinem Herzog-de Meuron-Atelier mit Blick auf den Ammersee eine Remix-Version eines über 40 Jahre alten Porträts seiner Frau Elke bearbeitet: natürlich vom Kopfende aus, schließlich ist er seit 1969 der Kunst-auf-dem-Kopf-Maler.

Das ist sein Markenzeichen, damit ist er über die Jahre international berühmt geworden und bis heute dabei geblieben. Später sieht man ihn, wie er mit der Kettensäge einen Baumstamm zu Skulptur verarbeitet. Doch warum tut er sich den ganzen Berserker-Stress eigentlich noch an? Der 90-minütige Film macht es deutlich: Weil es nicht anders geht. Altenteil fällt aus, Baselitz macht einfach weiter. Nach oben ist ja noch immer Platz. Und schließlich pilgern die Großgaleristen weiterhin in sein Atelier, um mit ihm die nächsten Ausstellungen vorzubereiten. Das heißt auch: Der Markt ist hungrig. Und in der Baselitz-Welt kommuniziert sich die Wertschätzung für neue Bilder über ihren Verkauf.

Anlässlich des 75. Geburtstages erzählt die Münchner Filmemacherin Evelyn Schels die große Baselitz-Geschichte noch einmal von Anfang an und in aller Ausführlichkeit: Woher die Narbe stammt (kindliches Spiel mit Kriegsmunition in sächsischen Wäldern). Wie Baselitz wegen "gesellschaftspolitischer Unreife" Ende der fünfziger Jahre seinen Studienplatz an der Ostberliner Kunsthochschule verlor und daraufhin in den Westen ging. Warum die frühe Künstlerfreundschaft mit Eugen Schönebeck nicht hielt. Wie der Baselitz-Galerist Michael Werner mit Hilfe eines Journalisten 1963 ohne Wissen des Künstlers einen Skandal inszenierte, der dazu führte, dass das Bild "Die große Nacht im Eimer" von der Berliner Staatsanwaltschaft wegen Unsittlichkeit beschlagnahmt wurde. Das half zwar zunächst nicht kommerziell, machte den unbekannten Künstler über Nacht zu einer öffentlichen Figur. Wie 1980 sein Biennale-Beitrag für Venedig verrissen wurde und ihm trotzdem der internationale Durchbruch gelang.

Seine Kritiker hat er längst überwunden. Heute braucht Baselitz kein zorniges Manifest mehr um seiner Kunst einen Rahmen zu geben. Auch sind die Zeiten vorbei, in denen er sich als Malerfürst von Schloß Derneburg in Szene setzte und klirrende Sätze sagte: "Als Maler bin ich zwei Deutsche." Der aktuelle Baselitz in Schels Film ist sympathisch locker und lässt sich einfach von der Kamera zu verschiedenen Anlässen begleiten: 2011 zur Eröffnung seiner großen Ausstellung im Musée d'Art Moderne in Paris, im vergangenen Jahr zu Vernissagen der Großgalerien Robac und Gagosian in Salzburg beziehungsweise New York. Man kann nur staunen, wie wohl sich der einst so grimmige Künstler vor der Kamera fühlt. So sehr er auch auf das einsame Dasein als Maler pocht: Baselitz ist auch ein begnadeter zeitgenössischer Medienkünstler.

Die Februar-Ausgabe von art erscheint diesen Freitag als Sammlerstück mit einem von Georg Baselitz gestalteten Cover. 75 Exemplare hat Baselitz signiert - mit etwas Glück können art-Leser so einen echten Baselitz erhalten.

Georg Baselitz - Ein deutscher Maler

Regie: Evelyn Schels
Bayerischer Rundfunk 2012
Ausstrahlung: Dienstag, 22.01.2013 
22:45 bis 00:15 Uhr
Bayerisches Fernsehen

Der Film läuft ab dem 11. April 2013 in der 105-Minuten-Fassung deutschlandweit im
Kino

http://www.br.de/fernsehen/bayerisches-fernsehen/programmkalender/sendung-107018.html