Montblanc-Stiftung - Hamburger Kunsthalle

Harmonische Ehe

Er ist zur Angstfigur der deutschen Museumsdirektoren geworden: der abspringende Sponsor, oder in den Worten des Hamburger Kunsthallenchef Hubertus Gaßner: "der Sponsor, der sich lautstark oder ganz leise verdrückt".
Harmonische Ehe:Erwerbungen der Montblanc-Kulturstiftung

Kunsthallenchef Hubertus Gaßner, Thomas Demand und Montblanc CEO Lutz Bethge vor Demands Arbeit "Presidency I"

Natürlich ist die Krise schuld: Variable Budgets werden zuerst gestrichen, und so verlieren einige Firmen ganz plötzlich das Interesse an der zuvor als inspirierend und bereichernd gerühmten Kunst. Die kalten Abschiede häufen sich, und so ist es wohltuend zu sehen, dass es zwischen Unternehmen und Museen auch noch einige intakte Beziehungen zu geben scheint.

Die Hamburger Kunsthalle und die Montblanc-Kulturstiftung führen eine harmonische Ehe, und nichts deutet darauf hin, dass diese jetzt enden könnte. Am Mittwochabend wurden in der Galerie der Gegenwart sechs Arbeiten präsentiert, welche die Montblanc-Stiftung seit 1998 für die Kunsthalle erworben hat, darunter Daniel Richters Gemälde "Fatifa" von 2005, die Rauminstallation "Guardians" (2005) von Sylvie Fleury und, als neueste Erwerbung, das 5-teilige Tableau "Presidency" (2008), für das der Berliner Künstler Thomas Demand die Amtsräume des amerikanischen Präsidenten aus Pappe nachgebaut und fotografiert hat.

Der Empfang, das spürte man schnell, sollte glanzvoll werden. An Journalisten wurde ein Auszug der Gästeliste verteilt, darauf fand sich neben klangvollen Namen wie Dr. Gottfried und Stephanie von Bismarck und Ingeborg Prinzessin zu Schleswig-Holstein auch der Kunsthallen-Direktor Hubertus Gaßner. In der Tat, Gaßner gilt nicht gerade als Partyhopper, eher sporadisch lässt er sich im Kulturleben der Stadt blicken, und so war es tatsächlich eine kleine Attraktion, dass der Hausherr auch anwesend war und den Montblanc CEO Lutz Bethge mit einer euphorischen Rede begrüßte. Von den sechs Künstlern der gezeigten Werke waren zwei gekommen: Thomas Demand und Stephan Huber, dessen "Gran paradiso II" vor elf Jahren die erste von der Stiftung angekaufte Arbeit war.

Das Eröffnungspublikum schloss sich kleinen Führungen an und verzieh es großmütig, wenn etwa eine Führerin Daniel mit Gerhard Richter verwechselte. Hamburger Prominenz wie die Designerin Jette Joop (schwanger) und der Architekt Hadi Therani waren gekommen, die Sonne schien herein. So glänzte die Kunsthalle tatsächlich ein wenig an diesem Abend, und spätestens beim Büffet wurde das böse Wort Krise nur noch ganz leise geflüstert.

Mehr zum Thema auf art-magazin.de

Mehr zum Thema im Internet