Gib mir Fünf! - Tipps der Woche

Die fünf Tipps der Woche

Jede Woche stellen wir Ihnen Kunst-Höhepunkte vor, die Sie sich nicht entgehen lassen sollten. Diesmal: Botticelli, Nan Goldin, Stephan Vanfleteren, Emily Wardill und John Wood & Paul Harrison.

Frankfurt: Botticelli

Der ominöse Freitag, der 13., wird für das Frankfurter Städel-Museum wohl eher ein Freudentag sein, denn an diesem Tag wird dort eine Ausstellung eröffnet, die man getrost als die Ausstellung des Jahres bezeichnen kann: Der italienische Renaissancemeister Sandro Botticelli (1445 bis 1510) wird mit der ersten Schau im deutschsprachigen Raum gefeiert.

Kurator Andreas Schumacher hat rund 80 Werke des Malers, seiner Werkstatt und von ebenfalls berühmten Zeitgenossen (darunter Filippino Lippi und Andrea del Verrocchio) zusammengeführt. Das Städel selbst besitzt mit dem "Weiblichen Idealbildnis" ein monumentales Hauptwerk, das die im 15. Jahrhundert hoch verehrte Simonetta Vespucci zeigen soll. Leihgaben kamen aus fast allen großen Museen der Welt – die National Gallery in Washington etwa lieh das Porträt des Giuliano de Medici, das nun in Frankfurt zusammen mit dem Bildnis der von ihm hoch verehrten Simonetta zu sehen ist. Andere Werke kamen aus den Uffizien in Florenz, aus dem Pariser Louvre oder dem Metropolitan Museum of Art in New York. Die Ausstellung ist in drei Themenkreise gegliedert: Porträts und allegorische Darstellungen, mythologische und vor allem religiöse Bildnisse. Karten im Vorverkauf gibt es bei arttourist. art würdigt Sandro Botticelli in seiner am kommenden Freitag, 20. November, erscheinenden Dezemberausgabe mit einer Titelgeschichte. Katalog: Hatje Cantz Verlag, 49,80 Euro.

Berlin: Nan Goldin - Poste Restante

Zugegeben, sie läuft schon ein paar Wochen. Doch wer die Ausstellung von Nan Goldin bei C/0 in Berlin (bis 6. Dezember) bislang nicht gesehen hat, der sollte noch einen Besuch einplanen. Denn die Bilder der 1953 geborenen amerikanischen Fotografin wirken berührend, verstörend, brutal und ehrlich – heute wie vor 30 Jahren. "Meine Fotos entstehen aus Beziehungen, nicht aus Beobachtungen", sagt Goldin, die berühmt wurde mit Selbstporträts und Aufnahmen ihrer Freunde aus den siebziger und achtziger Jahren. Damals lebte sie ein Leben auf der Überholspur, zu dem Drogen, Sex, problematische Beziehungen und Exzesse gehörten, Abhängigkeit, Einsamkeit, Gewalt, Aids und Tod. Goldin fotografierte wie eine Besessene, um sich "später zu erinnern" und weil sie glaubte, dass sie "niemals einen Menschen wirklich verlieren könnte", wenn sie ihn nur oft genug fotografieren würde. Neben acht "Grids", das sind große Fotocollagen, zeigt die inzwischen vorwiegend in Paris lebende Fotografin bei C/O die Dia-Schauen "The Ballad of Sexual Dependency", "All By Myself" und "The Other Side" mit Bildern von Transsexuellen, Drag Queens und Transvestiten sowie "Heartbeat", eine Projektion mit 245 Diapositiven.

Stephan Vanfleteren: "Belgicum"

Längst nicht mehr nur ein Geheimtip unter Kollegen sind die Arbeiten des Fotografen Stephan Vanfleteren. Der Belgier, der vor allem Reportagen für internationale Magazine realisiert, macht immer wieder mit spannenden, freien Projekten auf sich aufmerksam. So reiste er im Mai 1999 mit dem Fotografen Robert Huber im Elvis-Presley-Outfit quer durch Amerika. Die Bilder, die auf der Reise entstanden, gipfelten im großartigen Fotobuch "Elvis & Presley". Die Hamburger Galerie FreeLens zeigt nun die erste deutsche Einzelausstellung des Fotografen. Für sein Projekt "Belgicum" das ebenfalls als Buch erschien und ihm viel Anerkennung über Belgiens Grenzen hinaus einbrachte, bereiste er in den letzten 18 Jahren jeden Winkel seines Heimatlandes. Die entstandenen Schwarzweiß-Aufnahmen sind von beeindruckender Präzision – kraftvoll, klar und stimmungsvoll zugleich. Es gibt skurrile Momentaufnahmen in bester Cartier-Bresson-Manier, eindrucksvolle Porträts und zeitlos erscheinende Aufnahmen längst vergangen geglaubter Orte und Situationen. Wer es nicht zur Eröffnung schafft, kann Stephan Vanfleteren und seine Bilder auch am Samstag in den Deichtorhallen erleben. Dort präsentiert der Künstler im Rahmen des Symposiums "Jäger und Sammler" seine Arbeit. Organisiert wird diese Veranstaltung (Anmeldung erbeten) rund um das Thema "Sammeln von Fotografien" von dem Freundeskreis der Photographie.

Wiesbaden: Emily Wardill

An diesem Samstag feiert Emily Wardills Videoarbeit "Gamekeeper without Game" im Nassauischen Kunstverein Wiesbaden ihre Deutschlandpremiere (bis 31. Januar 2010). Die britische Film- und Performancekünstlerin (Jahrgang 1977) realisierte den Film während ihres dreimonatigen Aufenthalts als erste "Follow-Fluxus"-Stipendiatin in Wiesbaden. Angelehnt an Pedro Calderón de la Barcas Melodram "Das Leben ist ein Traum" (1635) kehrt die Protagonistin Stay nach ihrer Verbannung zurück in das Haus ihrer Familie – um schließlich ihre gesamte Familie zu ermorden. Die Wiesbadener Kulturdezernentin Rita Thies und die Vorsitzende des Nassauischen Kunstvereins, Elke Gruhn, begründeten damals die Entscheidung der Jury mit den Worten: "Die unverbrauchte, frische und eindringliche Bildsprache von Emily Wardill und ihr Bestreben, die Möglichkeiten ihres Mediums Film voll auszuschöpfen, überzeugten uns als Jury." Ihre eindringliche Bildsprache hat Wardill mit diesem Familien-Massaker leidenschaftlich unter Beweis gestellt.

NRW-Forum: John Wood & Paul Harrison

Online only: Weil das NRW-Forum in Düsseldorf gerade wegen Renovierungsarbeiten geschlossen ist (Anfang Februar geht es mit einer umfassenden Retrospektive von Robert Mapplethorpe weiter), haben sich die Kuratoren etwas Besonderes einfallen lassen. Auf der Webseite nrw-forum.de präsentieren die beiden Künstler John Wood und Paul Harrison ihre Videoarbeiten – 101 Videos werden an 101 Tagen gezeigt, jeden Tag ein Neues. Das Duo erforscht mit ihren höchstens einminütigen Clips, wie Räume durch Bewegungsabläufe wahrnehmbar werden. Ein Fön fegt einen Becher vom Tisch, ein Stoß befördert einen Tischtennisball in einen Becher – "der ernsthafte Minimalismus eines Donald Judd paart sich hier mit dem skurrilen Humor von Fischli/Weiss", klärt der Pressetext auf. In einem Satz: Videokunst, die Spaß bringt und die Ästhetik des Augenblicks zelebriert.