Gib mir fünf! - Ausstellungstipps

Die fünf Ausstellungstipps der Woche

Die Highlights der Woche, diesmal mit: INDEX 11, Breitseite – Im Fokus: Raum, Eva Besnyö und dem "Joy of Pleasure"

Hamburg: INDEX 11

Zum elften Mal öffnet die „INDEX“-Verkaufsausstellung im Kunsthaus Hamburg ihre Pforten. Jedes Jahr wird hier jungen zeitgenössischen Künstlern die Möglichkeit geboten, ihre Kunst zu präsentieren. Bei der „INDEX 11“ ist nun erstmals auch Kunst aus anderen deutschen und europäischen Städten zu sehen.

Werke von mehr als 20 jungen Kreativen aus Berlin, Stuttgart oder London sollen die Besucher locken und auch zum Kauf anregen. Bei aller „Globalisierung“ scheinen zumindest bei „INDEX“ Hamburg und Berlin künstlerische Ballungsräume zu sein. Mit dabei sind dieses Jahr Suse Bauer (Hamburg), Hoosen (Hamburg) oder Johannes Weiß (Berlin). Letztes Jahr erhielt die HfbK-Absolventin Monika Grzymala den einmalig gestifteten INDEX-Kunstpreis in Form einer Publikation. Zusammen mit einer limitierten Sammler-Edition wird die Künstlerin ihr Buch auf der „Index 11“ vorstellen.

Kunsthaus Hamburg, bis 6. November

Esslingen: Breitseite – Im Fokus: Raum

Außenräume, die von innen heraus betrachtet werden; Innenräume, die sich nach außen erweitern; Räume, bei denen sich nicht klar sagen lässt, wo das Innen endet und das Außen beginnt: Die Ausstellung „Breitseite – Im Fokus: Raum“ analysiert, schafft und verändert Raumgefüge. Mit Raumteilern aus hochkant gestellten Holzbänken von Martin Boyce, die sich als Wandschirm, Mauer, Barrikade oder abstrakte Skulptur betrachten lassen. Oder dramatisch ausgeleuchteten und unheimlich verzerrten Ansichten von menschenleeren Straßenfluchten, Notausgängen oder Fahrstuhlboxen, die die Amerikanerin Raïssa Venables fotografiert. Weitere Künstler der Ausstellung sind Benjamin Appel, Christian Ertel, Ruth Hommelsheim, Daniel Robert Hunziker, Stefan Jeske, Nikolay Kazakov, Hans Georg Merkel, Claudio Moser, Peter Neusse und Eva Rothschild.

Villa Merkel, Esslingen, 6.11.2011–22.1.2012

Frankfurt am Main: Arte Essenziale

Für Karla Black steckt die Essenz der Kunst in Zahnpasta, Glitzerhaarspray, Gipspulver, Brotteig, Feuchtigkeitscreme und Toilettenpapier. Für die Ausstellung „Arte Essenziale“ streut die schottische Künstlerin auf dem Boden des Frankfurter Kunstvereins Make-up-Puder aus; federleicht hängt im Raum ein mit Kreide bestäubter Bogen Frischhaltefolie. Der Italiener Gianni Caravaggio reibt Putz von der Wand ab und lässt ihn auf eine an der Wand lehnende Marmorplatte rieseln. Beim Amerikaner Jason Dodge trifft eine Fleecedecke auf eine Küchenwaage; bei der georgischen Künstlerin Thea Djordjadze korrespondieren mit Teppichen warme Stofflichkeiten mit kalten, wie zum Beispiel Glas oder Stahl. Insgesamt acht Künstler hat die italienische Collezione Maramotti eingeladen, in der Auseinandersetzung mit ihren Materialien an die Ursprünge der Kunstproduktion zu rühren. In erster Station wurden die entstandenen Auftragsarbeiten in Reggio Emilia gezeigt, wo die von Achille Maramotti, dem Gründer des Modehauses MaxMara aufgebaute Privatsammlung seit 2007 ein eigenes Ausstellungshaus unterhält. Im Frankfurter Kunstverein erhalten die acht Essenzforscher nun einen zweiten Auftritt.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog (italienisch/englisch), Frankfurter Kunstverein, bis 1.1.2012

Berlin: The Joy of Pleasure

Wir brauchen eine Erotik der Kunst, forderte Susan Sontag am Ende ihres Essaybandes "Against Interpretation". Das Betrachten der Kunst fuße zu sehr auf dem hermeneutischen Versuch des Verstehens – und nicht dem ästhetischen Vergnügen. Die Kuratoren Monika Szewczyk und Dieter Roelstraete unternehmen nun eine Bildungsofffensive und erkunden die „Freude am Vergnügen“ – „The Joy of Pleasure“. Das ist erstmal eine Anspielung auf das Bestseller-Lehrbuch „Joy of Sex“ aus den siebziger Jahren, und dann eine Ausstellung, deren Katalog gleich die neue ästhetische Lust vorführt: Künstler von Piotr Nathan bis Martha Rosler haben Comicbilder von Puh der Bär über japanische Mangas mit viel Haut bis zu – Klassiker – Willie, dem Coyoten. In den Räumen von Veneklasen Werner geht es dann deutlich zurückhaltender zur Sache, zumindest auf ersten Blick. Denn wenn man sich die minimalen Striptease-Stangen von Shannon Boole oder die leuchtendgrünen Dreiecke von Marco Bruzzone genauer ansieht, dann geht es da doch deutlich um den großen Bruder des Vergnügens, den Sex. So wie auch im Wandvorhang von Oksana Pasaiko, die das Landschaftsbild weiterentwickelte, das André Masson für den Pariser Psychoanalytikier Jacques Lacan gemalt hatte, damit dieser darunter das über-erotische Meisterwerk „L´origine du monde“ von Gustave Courbet verbergen konnte. Mina Totinos Vergnügen ist viel ätherischer: Sie zeigt 336 Polaroids von Wolken. Himmlisch.

Veneklasen Werner, bis 7.1.2012

Berlin: Eva Besnyö

Seit 1986 holt der Verein „Das verborgene Museum“ immer wieder das Werk von Künstlerinnen aus der Vergessenheit zurück. Mit einer Ausstellung von 120 Vintage-Fotografien von Eva Besnyö (1910-2003) macht er nun Station in der Berlinischen Galerie. Besnyö wuchs in Budapest auf, dort begeisterte sie ihren Nachbarn für die Fotografie: Robert Capa, einer der Gründer von Magnum. Zwar ist Besnyö nicht so bekannt wie er, doch ganz vergessen war das Werk von Besnyö allerdings nie, die ungarisch-niederländisch-deutsche Fotografin erhielt bereits 1999 den Erich Salomon Preis der Deutschen Gesellschaft für Photographie. Von ihren Anfängen in Ungarn über ihre Zeit in Berlin in den dreissiger Jahren bis hin zu ihren Bildern aus den Niederlanden, wohin sie 1932 vor den Nazis flüchtete, zeigt die Ausstellung Besnyös klaren Blick, der sie zu einer der herausragenden Vertreterin der „Neuen Fotografie“ machte.

Berlinische Galerie, bis 27.2.2012