Guggenheim Foundation - Venedig

Weitermachen, wo Peggy Guggenheim aufhörte

Gerade wurde die Stiftung von Peggy Guggenheim durch eine umfangreiche Schenkung erweitert. Doch Erben der amerikanisch-italienischen Mäzenin hatten die Expansion vor Gericht attackiert – ein Pariser Gericht hat den Streit jetzt entschieden.
Guggenheim-Nachfahren klagen:Die Stiftung darf erweitert werden

Blick vom Canal Grande auf das Gebäude der Sammlung Peggy Guggenheim in Venedig.

Sieben französische Nachfahren von Peggy Guggenheim (1898 bis 1979) haben in Paris einen Prozess verloren, den sie gegen die Solomon R. Guggenheim Foundation angestrengt hatten. Sie sahen das Vermächtnis der Mäzenin verletzt. Sie müssen nun die Prozesskosten von über 30 000 Euro tragen. Die Söhne und Neffen von Peggys Tochter Pegeen Vail hatten dem New Yorker Zweig der Familie vorgeworfen, den letzten Willen der Mäzenin missachtet zu haben. So würde die über 300 Werke umfassende Sammlung Peggys nicht immer vollständig gezeigt. Seit 1980 ist Peggys Collection, die sie der Stiftung ihres Onkels Solomon vermacht hatte, in ihrem Palazzo am Canal Grande öffentlich zugänglich und wurde ständig durch Schenkungen und Dauerleihgaben bereichert. Vor knapp zwei Jahren kamen 83 Werke europäischer und amerikanischer Künstler aus der Sammlung Hannelore B. und Rudolph B. Schulhof dazu. Das in die USA emigrierte jüdische Ehepaar hatte es mit der Produktion von Glückwunschkarten zu Reichtum gebracht und 1954 bei der Biennale in Venedig von Peggy Guggenheim die entscheidende Anregung zum Aufbau seiner Kunstsammlung erhalten. "Die Schulhofs fingen mit dem Sammeln da an, wo Peggy aufgehört hatte", sagt Philip Rylands, Direktor der Peggy Guggenheim Collection. "So verfügt die Sammlung heute über ein ganz neues Kapitel der Kunstgeschichte."

Aber diese Schenkung war Peggys französischen Nachfahren ein Dorn im Auge und sie begannen mit Drohungen, als der Name des Sammlerpaars Schulhof an der Fassade zum Canal Grande hin angebracht wurde. Als "Grabschändung" bezeichneten sie Skulpturen aus der texanischen Sammlung Nasher, die im Innenhof aufgestellt sind, wo die kapriziöse Mäzenin neben ihren Hunden begraben liegt. Die Vermietung des Gartens für Sommerfeste sei eine schändliche Kommerzialisierung. Schließlich forderten sie, dass Peggys Schenkung zu ihren Gunsten rückgängig gemacht werden müsse.

Das Pariser Tribunal de Grande Instance bezeichnete alle Vorwürfe als "unhaltbar". Das Gericht wies darauf hin, dass Peggy Guggenheim keinerlei Vorschriften über die Form der Verwaltung ihres Erbes gemacht habe. Sie hatte als einzigen Erben ihren Sohn Sindbad Vail eingesetzt und die Tochter Pegeen völlig ausgeschlossen. Schon 1992 waren Peggys französische Neffen Sandro Rumney, Nicolas Hélion und der inzwischen gestorbene David mit der gleichen Klage vor Gericht gegangen und hatten den Prozess verloren. "Diese Leute sind nur am Geld interessiert", kommentiert der Philosoph und ehemalige Bürgermeister von Venedig, Massimo Cacciari, "aber ein Gerichtsbeschluss, der den Klägern recht gegeben hätte, wäre ein gewaltiger Schaden gewesen."