Museum of Moving Image - New York

Traumfabrik Queens

Im New Yorker Stadtteil Queens eröffnet das Museum für Bewegte Bilder seine Pforten nach einer Renovierung und Erweiterung. Der deutschstämmige Architekt Thomas Leeser hat das 67-Millionen-Dollar-Projekt geplant
Als die Bilder laufen lernten:Erweiterung des Museums of Moving Image

Der neue Kinosaal für 267 Gäste wurde von Architekt Thomas Leeser entworfen

Queens ist nicht gerade der ideale Ort zum Träumen. Wer das Museum of the Moving Image besucht und aus der U-Bahn steigt, wird von Discount-Läden, einem "Beach-Bum" Bräunungsstudio und einer Zweigstelle der Heilsarmee begrüßt. Doch vor 90 Jahren waren auf der 35th Avenue im Stadtteil Astoria die Paramount Pictures Filmstudios mit ihrer Zentrale an der Ostküste zu Hause.

Valentino, die Marx Brothers und Gloria Swanson drehten hier ihre Filme, bis die Industrie ganz nach Hollywood zog. Ende der achtziger Jahre übernahm dann das Museum of the Moving Image das damals leer stehende Gebäude, um Erinnerungsstücke für Filmfans wie Kostüme aus "star trek" oder die Garderobe von Woody Allens Heldin Annie Hall auszustellen.

Jetzt hat das Museum nach einer aufwändigen Renovierung und Erweiterung seine Tore wieder geöffnet. Mit 1067 Aluminiumplatten wurde dem Gebäude eine neue Hülle verpasst. Die ehemals düsteren Räumlichkeiten wurden mit einer großzügigen Lobby in Weiß, blauen Lichtakzenten und Flächen für Videoprojektionen modernisiert, die Ausstellungsfläche wurde verdoppelt. Neu sind Media-Labs für Studenten und ein Filmtheater, das einem leuchtend blauen Kokon gleicht. Wenn im Frühling das Garten-Café eröffnet wird, ist die radikale Verjüngungskur des Museums abgeschlossen. Es ging darum, dem Gebäude Glamour zu verleihen, so dass man vergisst, in Astoria zu sein, und in die Wunderwelt des Films abtaucht, so Gründungsdirektorin Rochelle Slovin. Sie tritt nach 30 Jahren im Job ab, um ihren Posten an ihren Vertreter Carl Goodman abzugeben.

Für die Verwandlung war der seit 30 Jahren in New York ansässige deutsche Architekt Thomas Leeser zuständig, dessen Büro das "3LD Art and Technology Center" in Lower Manhattan baute. Für das Queens-Museum ließ Leeser aus Deutschland Deckenverkleidungen und spezielles Spiegelglas für den neuen Eingang einfliegen. Die größte Herausforderung bei dem sechs Jahre andauernden Projekt waren die wirtschaftlichen Höhen und Tiefen, die New York und der Rest Welt durchliefen, so Leeser. In anfänglichen Boomzeiten waren die Kosten für Baumaterialen hoch, mit der Krise stand für eine Weile weniger Geld zur Verfügung, schließlich war das Budget wieder komplett. Die Stadtverwaltung steuerte stattliche 54,7 Millionen Dollar zum 67 Millionen Dollar teuren Umbau bei.

Nicht nur die Räumlichkeiten wurden modernisiert, sondern auch das Programm wurde überholt. Im neuen Kinoraum laufen neben restaurierten Klassikern Filme von Avantgarde-Künstlern. Spike Jonze wird sich mit seinem Regie-Kollegen David O. Russell über die Kunst des Filmemachens unterhalten. Mit Partys, Performances und DJs wird das Museum auch nachts die Türen öffnen. Neben klassischen Ausstellungen von Requisiten wie Masken von Al Pacino und Christopher Walken, historischen Kameras und alten Fernsehgeräten zeigen Videokünstler ihre Arbeiten. In der Lobby lässt die Japanerin Chiho Aoshima in ihrem animierten Film "City Glow" lebendige Hochhäuser und Elfen, die am Tropf zu hängen scheinen, über die Wand flimmern. Die New Yorker Videokünstlerin Martha Colburn, die noch bis Ende Februar Animationsfilme und Collagen im Stadtmuseum von Jena zeigt, lässt in "Dolls vs. Dictators" Puppen, Actionfiguren und Heldinnen aus Raumschiff Enterprise gegen amtierende Diktatoren antreten – und die Herren mit Handgranaten und anderem Feuerwerk in die Luft gehen. "Träumen darf man ja", sagt die Künstlerin. "Schließlich ist es ein Film."

Auf interaktive Videokunst setzt die Auftakt-Ausstellung "Real Virtuality". In der 3D-Installation "Into the Forest" des dreiköpfigen Kollektivs OpenEnded Group, der schönsten Arbeit der kleinen Gruppenshow, bewegen sich die Besucher in Form ihres Schattenumrisses durch eine nebelhafte Waldlandschaft. Der Spanier Pablo Valbuena projiziert eine zweite Haut aus Lichtern auf sein Würfelobjekt. Bei "RealTime UnReal" von Workspace Unlimited kann man wenig beeindruckend die virtuelle Version des Museums besuchen. Second Life ist durch die chinesische Medienkünstlerin Cao Fei vertreten, die in Form ihres Avatars durch das kapitalistische China führt.

Bill Viola steuerte sein erstes interaktives Projekt, "The Night Journey" bei, in dem sich seine sonst so kraftvolle Videokunst auf der Ebene eines Videospiels bewegt. Düstere Landschaftsaufnahmen, die an Überwachungsmaterial vom Militär erinnern, flatternde Tauben, Objekte, die gefunden werden müssen, um sich weiterzubewegen. Die Aussage des Ganzen bleibt ebenso verschwommen wie die Bilder. So viel versprechend Interaktivität klingen mag, so enttäuschend sieht sie leider oftmals in der Ausführung aus. Mit ihrem neuen Programm steht die Traumfabrik Queens aber erst am Anfang – und es ist ja bekanntlich ein weiter Weg nach Hollywood.

Museum of the Moving Image

Derzeitige Sonderausstellugen:
"Real Virtuality" noch bis zum 12. Juni
"Dolls vs Dictators" noch bis zum 10. April
"Chiho Aoshima - City Glow" noch bis zum 17. Juli
http://www.movingimage.us

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